Noch immer ist keine Entscheidung darüber gefallen, ob das Kinderheim Hella Doll nach dem 31. August 2019 seinen Betrieb weiterführen kann oder geschlossen wird. „Alles hängt etwas in der Schwebe“, so Heimleiterin Ines Bauernfeind zu den Verhandlungen mit dem Landratsamt Waldshut, das als Aufsichtsbehörde über eine eventuelle Schließung zu entscheiden hat. Hintergrund ist die Heimbauverordnung 2009, deren Vorgaben nach einer Übergangsfrist bis zum 31. August 2019 zu erfüllen sind.

Die Gespräche zwischen dem Kinderheim Hella Doll und dem Landratsamt Waldshut dauern an. Es sei schwierig, mal gehe es einen Schritt voran, mal einen zurück, erzählt Heimleiterin Ines Bauernfeind zum Stand der Dinge. In Sachen Duschen habe sich das Landratsamt sehr kulant gezeigt, Probleme gebe es jetzt aber bei den Zimmern. „Wir bereiten gerade in einer Stellungnahme vor, was wir leisten können und was nicht“, so die Heimleiterin zum nächsten Schritt.

Für die Heimleiterin Ines Bauernfeind ist vollkommen offen, wo die 13 Bewohner nach einer Heimschließung überhaupt untergebracht werden können.
Für die Heimleiterin Ines Bauernfeind ist vollkommen offen, wo die 13 Bewohner nach einer Heimschließung überhaupt untergebracht werden können. | Bild: Bettina Ebi

Die beiden sechs und acht Jahre alten Mädchen, die bisher zusammen mit 13 zum Teil schwerst behinderten Erwachsenen betreut wurden, werden zum Ende Januar die Einrichtung aber endgültig verlassen müssen. Denn eine neue Verordnung gibt vor, dass Minderjährige nicht zusammen mit den Erwachsenen betreut werden dürfen. Die beiden vakanten Plätze werden vorerst nicht wieder belegt. „Wir können niemanden aufnehmen, wenn wir nicht wissen, wie es nach dem 31. August weitergeht. Das wäre nicht fair“, meint Bauernfeind. Betriebswirtschaftlich bedeutet dies Mindereinnahmen von 7000 Euro im Monat.

Verständnis für die Behörden

Das große Fragezeichen über dem Kinderheim macht sich aber nicht nur auf der betriebswirtschaftlichen Seite bemerkbar. Es macht den ganzen Alltag schwieriger. „Ich arbeite im Moment so, als wenn wir weitermachen könnten, aber auch so, als ob wir schließen“, erzählt die Heimleiterin. So wird das Kinderheim zum Ende Januar hin zum Beispiel jenen vier Mitarbeitern vorsorglich kündigen müssen, die schon seit über 30 Jahren angestellt sind. Denn ihre Kündigungsfrist beträgt zwischenzeitlich sieben Monate.

Bei allen Schwierigkeiten, mit denen Ines Bauernfeind derzeit konfrontiert ist, zeigt sie durchaus auch Verständnis für die Behörden. Der Spielraum sei klein, und es gebe eben die Gesetze. Ergänzt aber, dass diese Gesetze eben vieles nicht berücksichtigten. Einige Bewohner lebten seit 30 Jahren gemeinsam in einem Zimmer. Ihnen sei nicht zu vermitteln, warum sie jetzt in Einzelzimmern leben sollten. Sie empfänden es vielmehr als Strafe.

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Ein durch und durch positiver Aspekt in der gegenwärtigen Situation sind die Reaktionen von außen: „Die Bereitschaft zu helfen ist enorm“, freut sich Bauernfeind über Rückmeldungen vieler Handwerker wie auch Privater. Die Heimleiterin ist grundsätzlich bereit, gewisse Veränderungen vorzunehmen. „Das muss aber in einem Rahmen sein, den wir stemmen können“, erklärt Bauernfeind. Für sie ist vollkommen offen, wo die 13 Bewohner nach einer Heimschließung überhaupt untergebracht werden können. „Es gibt momentan wenig Plätze, alles ist voll. Wir sind ja nicht das einzige Heim, das Probleme hat“, so die Heimleiterin. Sie strebt eine Sondergenehmigung für die 1954 von Kinderkrankenschwester Hella Doll gegründete Einrichtung an, in dem 15 Plätze für schwerstbehinderte Menschen sind. Über die Hälfte der Bewohner lebt seit 30 Jahren in dem Heim und werden von zwölf Mitarbeitern betreut.