Die Jugendarbeit des Musikvereins Oberhof erfährt seit drei Jahren einen Aufschwung. Eine federführende Rolle hat Josef Klein inne, der das nun 32-köpfige Jugendorchester aufgebaut hat. Ein wirkliches Geheimrezept für die erfolgreiche Nachwuchsarbeit gebe es nicht, meint Klein. Allerdings sieht er im sozialen Aspekt des Vereinswesens einen wichtigen Faktor: „Ein Musiker ist nicht nur zu 100 Prozent Musiker, das Gemeinwesen gehört auch dazu.“

Verein bittet um Hilfe bei der Ausbildung

Als Klein im Jahr 2015 zum Oberhofer Musikverein stieß, sah es um die musikalischen Nachkommen im Verein mehr als bescheiden aus. „Der Musikverein hatte damals keinen Dirigenten mehr“, erinnert sich Klein an seinen Einstieg. Im Aktivorchester spielten damals 17 Musiker, zwei weitere waren in Ausbildung. Nach dem ersten Jahreskonzert, bei dem Klein als neuer Dirigent mitwirkte, sei der Verein auf ihn zugekommen, mit der Bitte, sich um die Ausbildung zu kümmern. „Ich hatte damals seit zehn Jahren in der Blasmusik pausiert und wollte nicht mehr einsteigen“, sagt Klein. Dass er sich dafür entschieden hat, wieder aktiv zu werden, bereut er heute wohl kaum.

Kurs findet im kommenden Jahr nicht statt

Denn was auf Kleins Initiative folgte, ist eine Erfolgsgeschichte: 25 Neuanmeldungen gab es gleich im ersten Zöglingsjahrgang. „Von ihnen sind heute, nach drei Jahren, noch immer 15 dabei“, berichtet Klein. Eine Quote, auf die Klein stolz sein kann, angesichts der Nachwuchsproblematik in vielen regionalen Musikvereinen. Und die Begeisterung für die Musik zog in Oberhof und Hänner weiter ihre Kreise. Denn im Jahr darauf folgten 16 Anmeldungen, 2017 nochmals neun. Der diesjährige Kurs wird jedoch der vorerst letzte sein. „Kommendes Jahr wird es keinen neuen Kurs geben, deshalb können sich dieses Jahr auch schon Achtjährige anmelden“, kündigt Klein an.

Kapazitäten fehlen

Der Grund für den vorübergehenden Ausbildungsstopp sind die ausgelasteten Kapazitäten des Musikvereins. Denn die musiktheoretische und instrumentale Ausbildung stemmt der Verein größtenteils aus eigener Kraft. So werden die Zöglinge etwa ein Jahr lang auf ihren Wahlinstrumenten unterrichtet, dann folgt der Schritt ins Jugendorchester. Das Ziel ist es, die Nachwuchsmusiker bis zum bronzenen Jungmusikerleistungsabzeichen zu begleiten, das in diesem Jahr 13 Musiker aus Oberhof und Hänner absolvieren. Langfristig hofft Klein, dass seine Schützlinge das Silber-Niveau erreichen, um im Aktivorchester spielen zu können. „Da können wir sie dann irgendwann nicht mehr selbst ausbilden, aber generell sehe ich uns als Ergänzung zur Jugendmusikschule“, sagt Klein. Folglich vollzieht sich die grundlegende Ausbildung vor Ort, was aus Kleins Sicht den Zusammenhalt stärkt.

Ein Herz und eine Seele

„Man muss die Musik im Dorf lassen“, sagt Klein. Dass dieses Konzept aufgeht, zeigt die Harmonie des jetzigen Jugendorchesters, auf musikalischer und persönlicher Ebene. „Die sind ein Herz und eine Seele“, freut sich Klein. Als besonders bemerkenswert stellt er das generationenübergreifende Musizieren des Nachwuchsorchesters heraus, denn um ein Instrument zu lernen, sei man schließlich nie zu alt. „Unsere jüngste Musikerin ist neun, die älteste 71“, berichtet Klein. Dass seine Arbeit einmal solche Früchte tragen würde, hätte er sich vor drei Jahren selbst nicht vorstellen können, wie er sagt: „So etwas kann man nicht erwarten.“