Wenn alles klappt, wie sich die Fährigeister aus Murg das vorstellen, dann haben sich noch nie so viele Fährigeister auf einem Fleck versammelt. Für ihr Fest zum 60-jährigen Bestehen am Samstag, 28. September, hat die Clique der Narrenzunft Murg stolze 163 ehemalige Fährigeister an das Murger Rheinufer eingeladen. Zusammen mit den aktuell 32 aktiven Fährigeistern und sieben Jungfähris ist das eine beachtliche Schar. Höhepunkt des Geburtstagsfestes wird das Nachspielen der Fährigeist-Sage sein.

Die Fährigeister der erste Stunde von 1959 (von links): Peter Gerspach, Fährmann Karl August Lüthy, Franz Merkle, Ewald Laule, Hans Lais, Walter Bär, Philipp Bär und Holger Pecori (vorn).
Die Fährigeister der erste Stunde von 1959 (von links): Peter Gerspach, Fährmann Karl August Lüthy, Franz Merkle, Ewald Laule, Hans Lais, Walter Bär, Philipp Bär und Holger Pecori (vorn). | Bild: Narrenzunft Murg

Der „Fährigeist“ war 1959 die erste Fasnachts- und Traditionsmaske, die von der Murger Narrenzunft ins Leben gerufen wurde. Wer aber war der Fährigeist? Die Überlieferung besagt, dass ein Fährgeist bei der früheren Murger Fähre mit dem Fährmann beim Benützern der Fähre einst seinen Schabernack trieb. Beim Umzug am Fasnachtssonntag 1959 wurden die neuen Masken dann zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorgestellt und vom Publikum sofort mit Begeisterung aufgenommen. Noch am selben Abend wurden die Fährigeister getauft.

Taufpate stand damals die Narrenzunft Bad Säckingen, die als Patengeschenk eine Korbflasche mit „Säckinger Heilwasser“ überreichte. Sieben Fährigeister gingen damals um. Bis heute sind die großen und kleinen Fähris mit Kahn und Fährmann aus der Murger Fasnacht nicht mehr wegzudenken. Erster Obmann der Fährigeister war Eugen Laule, erster Fährmann Karl August Lüthy, Neffe des 1945 gestorbenen Gottfried Lüthy, dem letzten berufsmäßig tätigen Fischermeister und Fährmann von Murg.

Die Fährigeister bei ihrer Teilnahme an einem der ersten Umzüge in Murg.
Die Fährigeister bei ihrer Teilnahme an einem der ersten Umzüge in Murg. | Bild: Narrenzunft Murg

Derzeit ist Sven Rüdiger Oberfährigeist. Sowohl die Maske als auch das Gewand der Fährigeister haben sich bis heute kaum verändert. Die Fährigeister trugen auch immer jenseits der Fasnacht zum Gemeinschaftsleben in der Gemeinde Murg bei und hoben im Jahr 1998 die Oldie-Night am Ostersonntag aus der Taufe.

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Ein Orgateam mit Elmar Keller, Ronnie Schellin und Sven Rüdiger hat sich in den vergangenen Monaten mit den Vorbereitungen für das Jubiläumsfest am Samstag, 28. September, auf dem Naturzeltplatz Hochrhein Kanu am Rhein intensiv beschäftigt. Beginn ist um 16.11 Uhr. Als Gäste werden aber nicht nur die ehemaligen Fährigeister, sondern auch benachbarte Narrenvereine erwartet. Auf einer Leinwand werden Bilder aus den vergangenen Jahrzehnten der Fährigeister gezeigt.

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Außerdem gibt es eine Cocktailbar und Speisen wie Grill-Haxen, Würste und Pommes frites. Ab 19.11 Uhr sorgt DJ Mark für musikalische Unterhaltung und um 21.11 Uhr wird die Fährigeist-Sage nachgespielt. Zum ersten Mal wird dieses Ereignis auch filmisch festgehalten, um später als kleine Dokumentation bei Bedarf zum Beispiel in Schulen gezeigt zu werden. So kann Schülern die Tradition nähergebracht werden.

Das Festprogramm und die Sage

Der Fährgeist ist eine Sagengestalt aus der Murger Fährzeit. Die Fasnachtsclique, die sich daran orientiert, wird 60 Jahre alt.

  • Am Samstag, 28. September, begimmt das Fest um 16.11 Uhr auf dem Naturzeltplatz bei Hochhrein Kanu am Rheinufer im Murg. Der Ablauf: 18.11 Uhr offizielle Begrüßung; ab 19.11 Uhr Musik mit DJ Mark, 21.11 Uhr als Höhepunkt Nachspielen der Fährigeister-Sage auf dem Rhein (direkt am Steg von Hochrhein Kanu) mit Unterstützung der Firma Euro Sound und der Pontoniere aus Sisseln. Das Übersetzen auf dem Rhein wird durch die Firma Flug-Medien aus Murg gefilmt. Weitere Infos im Internet (www.narrenzunft-murg.jimdo.com).
  • Die Sage: Es war einmal in der Nacht, als der „Fähr“ zu Murg, der mit Waidlingen die Fähre zwischen den beiden Rheinufern bediente, wieder einmal stromaufwärts ruderte. Plötzlich sah er eine sonderbare, leuchtende Gestalt, die ihm mit zurief: „Hol über Fähr, hol über!“ Der Fährmann legte am Ufer an und setzte die Gestalt über den Rhein. Zum Dank wollte der Fremdling dem Fährmann die Hand reichen. Doch der Fährmann, nichts Gutes ahnend, streckte ihm statt der Hand das Ruder hin und bemerkte dann, dass alle fünf Finger der rechten Hand des Fährgastes in das Ruder eingebrannt waren. Auch auf dem Vorderteil des Kahns, wo der Fährigeist saß, war der Sitz verbrannt.