Als erste Gemeinde in Baden-Württemberg ließ die Gemeinde Murg die Infrastruktur und das Serviceangebot ihrer Verwaltung durch die private Agentur Regionale Kommunen Rating (ReKoRa) klassifizieren und erreichte auf Anhieb 91,2 von 100 möglichen Rankingpunkten. Die Klassifizierung wird als wichtiger Ausgangspunkt hin zu einem zukunftsorientierten Bürgerservice bewertet.

Bewertung nach 94 Kriterien

Infrastruktur und Serviceangebot wurden nach verschiedenen Aspekten wie etwa Erreichbarkeit und Zugänglichkeit, Service, Kompetenz und Darstellung, Bürgerbeteiligungs-Modelle, Online-Informationen, Rat und Hilfe, Touristik und Wirtschaft klassifiziert worden. Insgesamt umfasste der Kriterienkatalog 94 Kriterien, die mit einem „Ja“ oder einem „Nein“ beantwortet werden mussten. „Somit ist jegliche subjektive Entscheidung ausgeschlossen“, erklärte Walter Lohrer, Geschäftsführer und Gründer von ReKoRa, aus Lauchringen anlässlich der Übergabe der Klassifizierungsplakete und des dokumentierten Ergebnisses der Klassifizierung im Murger Rathaus.

Das Modell dieser Klassifizierung resultiert aus seiner Erfahrung aus mehr als 160 Klassifizierungen von privaten und öffentlichen Schulungszentren für eine Schweizer Beratungsfirma. Lohrer gratulierte der Gemeinde, als erste diesen Schritt gegangen zu sein. Weitere 18 Gemeinden aus vier Landkreisen werden folgen, bis Ende des Jahres will Lohrer neun Gemeinden und damit eine vergleichbare Datenbasis unter Dach und Fach haben. Die Erfahrungen fließen in einen jährlich zu aktualisierenden Kriterienkatalog ein.

Bürger als Kunde, nicht Bittsteller

Für Bürgermeister Adrian Schmidle ist die Klassifizierung ein erster und wichtiger Schritt, der aufzeigt, wo die Gemeinde mit ihrem Bürgerservice steht. Ziel ist ein kundenorientierter Service: „Wir sind an der Eintrittsschwelle, wie Bürgerservice anders gemacht werden kann“, so Schmidle und betont, dass der Bürger nicht mehr Bittsteller, sondern Kunde sei.

Ärzte- und Apothekenhaus als erster Schritt

Die Überlegungen, den Bürgerservice besser zu gestalten, gibt es schon seit vielen Jahren. Aber erst mit dem Bau des Ärzte- und Apothekenhauses konnte dieser lang gehegte Wunsch nun auch räumlich erfüllt werden, indem der Bürgerservice in einen Rathausanbau hin zum Ärzte- und Apothekenhaus hin umzieht.

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Schon vor zwei Jahren waren Bürger nach dem Zufallsprinzip zu ihren Wünschen an einen Bürgerservice befragt worden, und eine Arbeitsgruppe aus Rathausmitarbeitern mit Hauptamtsleiter Werner Vökt an der Spitze erarbeitet aktuell Inhalte und Aussehen des neuen Bürgerservice. Beispielsweise geht um die künftige Besuchertheke ebenso wie um die Möglichkeit des bargeldlosen Bezahlens.

Die Erstklassifizierung schlug mit 2500 Euro zu Buche, die Wiederholungsklassifizierungen werden um die Hälfte günstiger. In der Summe enthalten sind Lizenzkosten für Dritte.