Die Narrenzunft Murg steht seit 2023 für 70 Jahre närrisches Treiben in Murg. Der runde Jahrestag kam genau zum richtigen Zeitpunkt. Nach zwei Jahren Fasnacht auf Sparflamme wegen Corona können die Narren dieses Jahr endlich wieder in die Vollen gehen. Der 70. ist für sie also ein echtes Freudenfest.

Die Murger Fasnacht hat Jahrhunderte auf dem Buckel

Die Murger Fasnacht als solches hat schon ganze Jahrhunderte auf dem Buckel. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es eine längere Auszeit. Erst 1953 zog mit der Gründung der Narrenzunft auch wieder ein Fasnachtsumzug durch die Straßen von Murg.

Einige ehemalige Narrengöttis und Narrengotten (von links): Harry Widmann (2002), Adrian Schmidle (2018), Jörg Höhne (2017), Peter ...
Einige ehemalige Narrengöttis und Narrengotten (von links): Harry Widmann (2002), Adrian Schmidle (2018), Jörg Höhne (2017), Peter Langer (2005), Gisela Dietrich (1996), Klaus Langer (2016), Blanka Keller (2013), José Morla (2022/23), Rosa Wiesler (2001), Rolf Albiez (2007), Wolfgang Fürst (2012), Dagmar Beese (2009), Thomas Fräßle (2006), Marita Engelmann (2014), Walter Hollatz (2010) und Harry Keller (2020/21). Bild: Michelle Güntert | Bild: Michelle Güntert

Drei Männer waren damals die Zünftler der ersten Stunde: Fritz Malzacher, Fritz Schwemmler und Josef Albiez. Letzteren wählte die eigentliche Gründungsversammlung im März 1954 im Gasthaus „Frohe Einkehr“ zum ersten Oberzunftmeister (heute Präsident) der Narrenzunft Murg. Zusammen mit dem Elferrat bestimmte der Oberzunftmeister fortan das Geschehen.

Helgeringer Maidli bei der Fasnachtsproklamtion 2007 in Murg.
Helgeringer Maidli bei der Fasnachtsproklamtion 2007 in Murg. | Bild: Brigitte Chymo

Seit jener Zeit steht die Fasnacht in Murg jedes Jahr unter einem besonderen Motto. Folgerichtig kann es im Jubiläumsjahr 2023 nur heißen: „Tatendrang trifft Unvernunft – sit 70 Johr git‘s d‘Narrenzunft“. Neben der Pflege alter Traditionen über sieben Jahrzehnte hinweg verstand es die Narrenzunft aber immer wieder auch, der Murger Fasnacht neue Impulse zu geben.

70 Jahre Narrenzunft Murg: Das ist bei weitem nicht alles an Fasnacht, was Murg zu bieten hat. Wer in der Murger Historie wandert, kann die Fasnacht zunächst einmal bis ins 19. Jahrhundert zurückverfolgen. Der Turnverein Murg rief schon 1896 den Huschiball, einen traditionellen Kehrausball am Fasnachtsdienstag, ins Leben. Er wurde von der Narrenzunft wiederbelebt und letztmals 2008 ausgerichtet. Die Feuermusik Murg veranstaltete ihrerseits ab dem Jahr 1876 eigene Kappenabende.

Beatrix Lüthe ist 2014 offiziell die erste Frau im Amt des Murger Narrenpolizisten.
Beatrix Lüthe ist 2014 offiziell die erste Frau im Amt des Murger Narrenpolizisten. | Bild: Brigitte Chymo

Konrad Lüthy, inzwischen verstorbener Chronist der Murger Narrenzunft, nahm das 50-Jährige Jubiläum 2003 zum Anlass, noch weiter zurück in die Jahrhunderte zu blicken. Ein Brief des Einungsmeisters Friedle Bäumlin von Murg an den Redman Josef Tröndle in Alpfen vom 2. März 1745 schloss mit den Worten: „Wünsche ich glückliche Fasnacht.“

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Jahrelange Recherchen zur Fasnacht führten den Gemeindehistoriker sogar bis ins Mittelalter. 1303 wird schriftlich erwähnt, dass die Murger Leibeigenen des Stifts Säckingen diesem zur Fasnacht ein Huhn abliefern mussten, so Lüthy 2003 anlässlich der Vorstellung der Jubiläumschronik. Damit steht fest, dass auch schon vor 700 Jahren in Murg Fasnacht gefeiert wurde.

Bernhard Griner, Ernst Wassmer und Konrad Lüthy (von links) beim Fasnachtsnachmittag des Katholischen Altenwerks Murg-Niederhof. ...
Bernhard Griner, Ernst Wassmer und Konrad Lüthy (von links) beim Fasnachtsnachmittag des Katholischen Altenwerks Murg-Niederhof. Historiker Lüthy hat herausgefunden, dass in Murg Fasnacht schon seit über 700 Jahren gefeiert wird. | Bild: Brigitte Chymo

Lüthy fand bei seinen Recherchen allerdings keine allgemeinen Überlieferungen, sondern immer wieder nur einzelne Erwähnungen. Wie zum Beispiel der Hinweis auf die Abgabe an das Damenstift Säckingen. Immer wieder ist in den historischen Dokumenten vom „Fastnachtshuhn“ die Rede, später dann bis ins Großherzogtum Baden hinein der Begriff „Fasnachtshennengelder“. Im Jahr 1536 taucht in Dokumenten der Murger Magnuspfarrei der Datumsvermerk „Montag nach der alten Fastnacht“ auf.

Zwei herausragende Persönlichkeiten der Narrenzunft Murg treten 2012 ins zweite Glied zurück: Günter Butz (links) und Hans-Jürgen Dietrich.
Zwei herausragende Persönlichkeiten der Narrenzunft Murg treten 2012 ins zweite Glied zurück: Günter Butz (links) und Hans-Jürgen Dietrich. | Bild: Brigitte Chymo

Mit der Industriealisierung Mitte des 19. Jahrhunderts und dem Zuzug von Arbeitskräften bildeten sich überall Vereine, so dass dem Chronisten ab diesem Zeitpunkt bessere Unterlagen zur Verfügung. In diesen Archiven entdeckte Lüthy die Hinweise auf die Kappenabende, ab 1889 auch auf Tanzkränzchen und Fasnachtskränzchen, die allesamt bis 1928 jährlich nachgewiesen sind. Veranstaltungsorte waren die Gasthäuser „Hirschen“ und „Murgtal“, die beide Veranstaltungssäle hatten.

Vor 100 Jahren war die große Zeit der Murger Fasnacht

Die hohe Zeit der Murger Fasnacht war in den Zwanzigerjahren, als sogar ein „Murgtal-Bote“ als närrische Schrift gedruckt wurde. Die letzte Veranstaltung vor Beginn des Zweiten Weltkrieges fand am 19. Februar 1939 statt. Ein Maskenball, zu dem ein „Elferrat der Murger Narrengesellschaft“ einlud.

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