Andreas und Ralph Hilbert, wie ist das, so als Hälfte eines andern aufzuwachsen und zu arbeiten?

(Sie lachen) Das ist super. Wir sind es gewohnt. Oft ertappen wir uns dabei, wie wir die gleichen Gedanken haben oder uns ohne Absprache auf der Speisekarte die gleichen Dinge auswählen.

Wer von Ihnen hat die künstlerischen Ideen? Und haben Sie auch mal unterschiedliche Meinungen?

Die Ideen haben wir Beide, teils sogar gleichzeitig. Wir machen gerade eine Installation mit einer Pyramide: einer schweißt, der andere arbeitet mit der Flex. Sicherlich haben wir auch mal unterschiedliche Meinungen, aber uns fällt gerade kein Beispiel ein. Als Kinder haben wir uns allerdings sehr oft gestritten. Vielleicht haben wir das damals ausgelebt. Auf jeden Fall arbeiten wir lieber zusammen als mit andern, denn wir interessieren uns fürs Gleiche. Wir sind lieber unabhängig.

Haben Sie immer alles zusammen gemacht?

Nein, einer (Andreas) hat nach der Schule Bäcker und Konditor gelernt, der andere (Ralph) Industriekaufmann in der Schweiz. Aber spätestens beim Zivildienst in Mannheim haben wir gemerkt, dass wir lieber zusammen bleiben wollen. Dort haben wir auch die erste Begegnung mit Salvador Dali auf einer Ausstellung gemacht. Da hat's uns gepackt. Wir wussten plötzlich, dass wir was mit Kunst machen wollten. Das gab natürlich Ärger zuhause. Darum sind wir 1999 nach München gegangen. Wir haben angefangen zu malen, erst mal so richtig "schön" und viel mit Öl. Dann auch Traumlandschaften. Viel Anregungen bekamen wir von den Dadaisten, Surrealisten und Joseph Beuys. Vor allem Max Ernst hat uns begeistert. Wir haben uns viel Techniken erarbeitet. Aber zum Leben mussten wir immer nebenher jobben – etwa als Hausmeister, Chauffeur, Models oder Verkäufer.

Sie nennen sich heute Trash-Künstler. Was kann man darunter verstehen?

Trash bedeutet Müll, aber das ist nicht negativ gemeint. Wir wollten aus Abfall wieder was Wertvolles machen und haben schon immer gern alte Sachen gesammelt – Bleche oder Schrott, den wir auf Müllplätzen, im Brockenhaus oder bei Freunden gefunden haben. So Sachen haben wir auch bemalt und an unsere Trash-Wand im Garten gehängt, bis sie rostig oder vom Regen ausgelaugt waren.

Haben Sie eine politische Botschaft?

Ja, je nach Thema. Wir wollen zeit- und gesellschaftskritisch sein. Wir kämpfen gegen Schnelllebigkeit, den verrückten Massenkonsum und die Gier nach Macht und Geld. Aber ausgestellt hatten wir in Lottstetten erst mal nichts und verkauft natürlich auch nicht. Erst in München lernten wir eine Künstlerin kennen, die wollte unsere Sachen ausstellen. Das gab uns natürlich Auftrieb.

Das könnte Sie auch interessieren

Wie kam es zu Ihrer kunstvollen Geheimschrift "Codex Anra"?

Wir sind mal im Museum auf alte sumerische Keilschrifttafeln gestoßen. So etwas Tolles wollten wir auch machen. Wir bekamen von unseren Eltern einen Pyrographen geschenkt und konnten mit ihm Schriftzeichen in Baumrinden brennen. Dieses erfundene Alphabet haben wir dann weiter entwickelt mit Acryl auf Leinwand und später dann ganze Bücher damit gestaltet – mit Acryl, Tusche und Tinte.

Sie haben aus dem alten Pfarrhaus in Lottstetten ein Künstlerhaus gemacht. Was hat sich dadurch für Sie geändert?

Nicht viel (Beide lachen). Aber vielleicht nehmen uns die Leute hier etwas anders wahr. Wir können auf jeden Fall unsere Kunst jetzt besser präsentieren. Und wir können auch andere Künstler hierher einladen wie in der jetzigen Ausstellung. Das ist toll.

Können Sie von Ihrer Kunst leben?

Nicht richtig. Wir suchen noch Sponsoren. Und wir bekommen Unterstützung von zuhause und wohnen da ja auch.

Haben Sie Zukunftspläne?

Ja, vielleicht nächstes Jahr eine Ausstellung in Mexiko und eine in Detroit, da sind wir mit den Galeristen im Gespräch. Und dann wohl wie immer Ausstellungen in Berlin und im "Kunstraum Kieswerk" in Weil am Rhein. Und natürlich hier bei uns Ausstellungen und Programme im Künsstlerhaus.

Wie ist das, wenn Sie Freundinnen haben? Passen die dazwischen?

Andreas: Ich habe gerade eine neue Freundin. Das geht.

Ralph: Das ist okay – manchmal. Auf jeden Fall haben wir uns noch nie in das gleiche Mädchen verliebt.