Lottstetten – Landwirtschaft hat wenig mit Nostalgie zu tun, für die Betriebe ist es eine Herausforderung, den klimatischen und auch organisatorischen Anforderungen mit Ideenreichtum zu begegnen. Trockenheit im Winter, Frost im Frühjahr, Hagel und Sturm im Sommer, Schädlinge, die schwer in Schach zu halten sind – all dies sind nicht kalkulierbare Ereignisse, die ein Betriebsergebnis stark beeinflussen. Das Netzwerk Agrarmedien hat sich diesem Thema gewidmet und einen Wettbewerb ausgeschrieben, um innovative Denkweisen und Konzepte vorzustellen, die die Zukunft in der Landwirtschaft sichern.

Mit Erfolg hat der Lottstetter Obsthof Henes daran teilgenommen und wurde von den 13 Betrieben, die sich im Raum Südbaden beworben haben, auserwählt, ins bundesweite Voting-Rennen zu gehen. Bundesweit nahmen 138 Betriebe an diesem Wettbewerb teil, davon wurden 12 vom Netzwerk Agrarmedien zur Vorstellung ihres Betriebskonzeptes nominiert. Der Gewinnerbetrieb erhält ein Preisgeld von 12 000 Euro. Täglich kann über die Homepage www.agrar-familie.de für die Lottstetter Bauernfamilie abgestimmt werden.

"Wir würden uns sehr über den Gewinn freuen", sagt Andreas Henes und weiß auch wo er das Preisgeld in seinem Betrieb investieren würde. Mit dem Obstanbau, für den sich der Hoferbe Ende der 90er Jahre entschieden hat, wurde ein klassischer landwirtschaftlicher Bereich weiter geführt. Die ursprüngliche Mischform, die seit 1836 traditionell aus Acker- und Obstanbau sowie Viehzucht bestand, wurde jedoch aufgegeben. "Um heute bestehen zu können, muss man sich spezialisieren und braucht dennoch mehrere Standbeine, die unabhängig voneinander funktionieren können", weiß der Landwirt.

Weitere Betriebszweige kamen nach und nach hinzu, zunächst der Dorfladen und schließlich die gastronomische Hofscheuer. "Wir haben, bedingt durch Wetterkapriolen, einige schwere Jahre hinnehmen müssen, da muss man kreativ werden", sagt Gaby Henes, die im Betrieb für die Organisation der Hofscheuer und für´s Marketing zuständig ist. Außerdem sind auch noch die Eltern von Andreas Henes, ins Betriebskonzept involviert: die Mutter managet den Dorfladen; der Vater kümmert sich um die Destillation sowie die Imkerei und hilft in den Obstkulturen mit. Auch die drei jugendlichen Söhne des Landwirtehepaares werden je nach Bedarf in die betrieblichen Abläufe miteingebunden. "Klar haben die Jungs nicht immer Lust. Aber sie wissen worauf es ankommt und packen dann auch mit an", erklärt Gaby Henes, die selbst noch als Lehrerin in der örtlichen Grundschule unterrichtet.

Teilnahmebedingungen

Für die Teilnahme am Wettbewerb Agrar-Familie, ausgeschrieben vom Netzwerk Agrarmedien gelten folgende Kriterien: Mitmachen dürfen Betriebe, die neue und zukunftsstarke Konzepte umsetzen, die das Leben im Dorf bereichern, ihre Heimat und das Image der Landwirtschaft in der Gesellschaft verbessern und mindestens zwei Generationen im Betrieb beschäftigen, sowie mehrere Betriebszweige nachweisen können.