Den Sonntagmorgen, 22. Juli, dieses Jahres werden die Zwillingsbrüder Andreas und Ralph Hilbert, besser bekannt als Anra-Künstler-Brüder, wohl nie vergessen: Ein Nachbar stand um 5.45 Uhr in Lottstetten vor ihrer Haustür mit der Schreckensmeldung: „Bei Ihnen brennt es!“ Da stand das Holzlager, in dem sie kurz vorher 70 Ster Fichten- und Buchenholz gestapelt hatten, voll in Flammen. Diese griffen bereits auf die Industriehalle über.

Das Holzlager von Andreas und Ralf Hilpert, in dem sie auch Entwürfe lagerten, ist ausgebrannt.
Das Holzlager von Andreas und Ralf Hilpert, in dem sie auch Entwürfe lagerten, ist ausgebrannt. | Bild: Rald Göhrig

Dort hatten die Künstler ihr Atelier und ihr Materiallager, ihr Vater hatte dort seine Traktoren und seine Werkstatt. „Unser Glück war, dass der Wind nicht sehr stark war. So wurde das nahe Wohnhaus, in dem wir mit den Eltern wohnen, nicht betroffen“, sagt Andreas Hilbert. „Die Feuerwehr war glücklicherweise schnell vor Ort, und wir konnten sogar noch unser Auto und Vaters Traktor retten. Aber die Lagerhalle muss abgerissen werden, und 80 Prozent unserer dort gelagerten Materialien sind verkokelt und verschmolzen.“ Als Ursache für das Feuer wird Brandstiftung vermutet.

Neue Ideen werden ein Raub der Flammen

Man merkt ihnen noch immer das Entsetzen an: „Wir standen an dem Tag unter Totalschock und waren nur Zuschauer, bis das Feuer gelöscht war. Seither arbeiten wir Tag und Nacht, säubern die wenigen brauchbaren Dinge aus unserem Restlager oder entrümpeln. Wir sind unendlich froh, dass wir das nahe Künstlerhaus, das wir für ein Jahr von der Gemeinde bespielen dürfen, als Zwischenlager und Atelier benutzen können.“ Wie geht es jetzt weiter? Andreas und Ralph Hilbert wirken bedrückt: „Das meiste ist verbrannt oder vom Löschen zerstört. Darunter auch die vielen Zeichnungen und Ideen, die wir in Koffern in der Halle gelagert hatten.“ So mussten sie als Erstes eine Ausstellung mit mehreren Künstlern im Oktober absagen: „Da geht gar nichts. Erst wieder im nächsten Jahr, falls wir das Künstlerhaus hoffentlich weiter benutzen dürfen.“

Zuversichtliche Zukunftspläne

Aber sie haben bereits Pläne, nehmen am Tower Projekt in Lörrach auf Burg Rötteln teil (13. bis 16. September), an der Kulturnacht Radolfzell (30. September bis 3. Oktober) und versuchen, ihre Einzelausstellung in Chur im November zu bespielen, „wenn auch in kleinerem Rahmen“. Zu diesen Anlässen verarbeiten sie den Brand, der ihr Leben radikal verändert hat. Sie denken zuversichtlich: „Irgendeinen Sinn muss das Ganze ja haben. Vielleicht sollten wir mehr kleinere Arbeiten machen. Wir könnten auch mit ganz wenig leben und sind dann vielleicht kreativer!“