Bürgermeister Jürgen Link sprach bei der Eröffnung von einer „bunten Mischung von Kunst“ und Kulturamtsleiterin Kerstin Simon von dem „neuen Zuhause einer alternativen Wohngemeinschaft“. Gemeint ist das neue Künstlerhaus in Lottstetten, das die Gemeinde dem Künstler-Duo Andreas und Ralph Hilbert – besser bekannt als Anra-Duo – zur Verfügung gestellt hat. Jetzt luden die Zwillingsbrüder dorthin zu einer neuen Ausstellung ein, die sie selbstbewusst „Die Vierte Art“ nennen. Mehr als 70 Besucher folgten der Einladung. Und die Ausstellung war wirklich eine bunte Mischung, denn neben den beiden Hausherren zeigen fünf weitere Künstler ihre Arbeiten, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Sabine Blasko, Ingeborg Deistler-Kairies, Ralph Schulz, Hans Peter Keller und Thomas Wechlin. Und doch fand Kerstin Simon bei ihrer Einführung auch einen gemeinsamen roten Faden: die Suche nach dem Umgang mit der Natur und die Frage nach der Vergänglichkeit.

Gemalter und aus Keramik geformter Tulpenzauber von Ingeborg Deistler-Kairies.
Gemalter und aus Keramik geformter Tulpenzauber von Ingeborg Deistler-Kairies. | Bild: Rosemarie Tillessen

Das bringen die Anra-Brüder seit Jahren auf den Punkt: Sie nennen ihre Kunst „Eso & Eco Trash“ und haben eine politische Botschaft: Weg mit dem Massenkonsum, dem Wohlstandsmüll, der Schnelllebigkeit und der Geldgier. Überall im Künstlerhaus findet man ihre Kunst, die gesammelten Müll aufgreift, künstlerisch gestaltet oder als Anklage benutzt: etwa ihre Wandobjekte oder gedeckten Tafeln mit dem Thema „Kreativität frisst Krieg“. Oder ihre rätselhafte Geheimschrift „Codex Anra“, die auf alte Baumrinden gebrannt oder auf Leinen geschrieben ist. Sehr emotional dann der wohl kleinste Raum des Hauses. ganz mit schwarzer Folie ausgeschlagen und mit Fotografien einer verbrannten Kunst. Hier verarbeiten sie den Brand im vergangenen Jahr, der in ihrem Elternhaus große Teile ihrer Kunst zerstörte.

„Glove Girl“ aus Fundstücken von Sabine Blasko.
„Glove Girl“ aus Fundstücken von Sabine Blasko. | Bild: Rosemarie Tillessen

Den andern Künstlern ist jeweils ein Raum gewidmet. Sabine Blasko (Lott­stetten) zeigt sinnliche Materialbilder, formt aus Glitzersteinen, Stoffen und Wegwerfgegenständen höchst erotische Büsten („La Belle de la Nuit“) und witzige Masken oder zeigt großflächige Malerei. Ingeborg Deistler-Kairies (Lottstetten) zeigt Malerei und Keramik. Wunderschön ihre zartfarbigen Tulpen-Variationen! Kontrastreich dazu seltsam skurrile „Viecher“ am Boden von Hans Peter Keller (Uster/ Schweiz). Sie könnten seiner Phantasie entsprungen oder Bewohner eines sehr fernen Planeten sein, witzig sind sie allemal, ebenfalls sein Videofilm „Die Eroberung des Nutzlosen“.

Eine rätselhafte Schöne, gemalt von Thomas Wechlin.
Eine rätselhafte Schöne, gemalt von Thomas Wechlin. | Bild: Rosemarie Tillessen

Im Keller dann – ganz erdnah – zeigt Thomas Wechlin (Waldshut-Tiengen) in kräftigen Farben Frösche und mehr. Und last but not least Ralph Schulz (Waldshut-Tiengen), der gekonnt seine Motive mit Acryl auf den glitzrigen Grund von Solarpaneelen malt. Das zum Thema Energie. Nur einiges dieser „bunten Mischung“ kann hier erwähnt werden. Auf jeden Fall aber auch die musikalische Umrahmung der Eröffnung durch Roland Gerard, der mit einer Udu-Trommel und verschiedenen Kalimbas afro-karibische Musik in die Räume zauberte.