In Lottstetten gab es ein großes Familientreffen der Nachkommen von Friedrich Griesser, der von 1868 bis 1921 lebte. Seine Nachkommen sind heute in der ganzen Welt verstreut. Die Teilnehmer kamen deshalb unter anderem aus Vancouver und Toronto in Kanada, aus Seattle, Texas und New York in den USA und aus dem französischen Nizza. Zur Griesser-Dynastie gehören auch die Lottstetter Familien Henes, Schaub, Jünger und Rehm.

<strong>Engagiert: </strong>Sie waren die Macher des großen Griesser-Familientreffens (von links): Organisator Max Henes, Andreas Henes, der das Fest in seiner „Eventscheune“ durchführte und Max Griesser, der 82-Jährige aus Vancouver kommt jedes Jahr ein paar Wochen in seine alte Heimat nach Lottstetten.
Engagiert: Sie waren die Macher des großen Griesser-Familientreffens (von links): Organisator Max Henes, Andreas Henes, der das Fest in seiner „Eventscheune“ durchführte und Max Griesser, der 82-Jährige aus Vancouver kommt jedes Jahr ein paar Wochen in seine alte Heimat nach Lottstetten. | Bild: privat/Familie Griesser

Sieben Meter langer Stammbaum

Aus Andelfingen kam Karl Griesser, der seinen sieben Meter langen und zwei Meter hohen Stammbaum präsentierte, der mehr als 700 Namen umfasst und bis ins Jahr 1715 zurückgeht. Der Schweizer nutzte dabei die Gelegenheit der Zusammenkunft, den Stammbaum mit den neusten Verknüpfungen und Stammdaten zu erweitern.

Karl und Barbara Griesser aus Andelfingen haben einen Stammbaum der Griesser Dynastie der mehr als 300 Jahre zurückgeht und über 700 Namen umfasst.
Karl und Barbara Griesser aus Andelfingen haben einen Stammbaum der Griesser Dynastie der mehr als 300 Jahre zurückgeht und über 700 Namen umfasst. | Bild: privat/Familie Griesser

Wurzeln in der Nackermühle

Der Ursprung der Griesser-Familie liegt in der Nackermühle, wo Alois Griesser 1873 einen großen Bauernhof mit Mühle und Sägerei kaufte und um eine Wagnerei sowie einen Steinbruch erweiterte. Als er sein Erbe an die drei ältesten Söhne verteilte, vermachte er die Säge seinem Sohn Friedrich, der neun Kinder hatte. Albin, Walter, Paula und Emma blieben in Lottstetten, Arthur, Berta, Luise und Adolf sind über den großen Teich ausgewandert und Fritz ist im Ersten Weltkrieg gefallen.

<strong>Heimatverbunden: </strong>Organisator Max Henes hat eine starke Verbundenheit zu seinen Wurzeln in der Nackermühle. Von seinem Garten aus geniesst er den Blick auf die Hauswand seiner Tochter mit dem Bild vom alten Mühlenrad.
Heimatverbunden: Organisator Max Henes hat eine starke Verbundenheit zu seinen Wurzeln in der Nackermühle. Von seinem Garten aus geniesst er den Blick auf die Hauswand seiner Tochter mit dem Bild vom alten Mühlenrad. | Bild: Thomas Güntert

Familientreffen mit Jahresurlaub

Die weither gereisten Nachfahren von Friedrich Griesser verbanden das Familientreffen mit dem Jahresurlaub. „Die Arbeiter in Amerika haben bedeutend weniger Urlaub als wir in Deutschland“, merkte Max Henes an, der das Treffen organisiert hatte. Das Fest fand in der „Eventscheune“ des Obstbaubetriebes von Andreas Henes statt, der großmütterlicherseits auch ein Abkömmling von Friedrich Griesser ist.

Kein Rahmenprogramm

Auf ein Rahmenprogramm wurde bis auf eine Bilderpräsentation vom vergangenen Griesser-Treffen bewusst verzichtet. „Ein Unterhaltungsprogramm hätte bei diesem Zusammentreffen eher störend gewirkt“, begründete Max Henes. Die Teilnehmer suchten stattdessen nach ihren Wurzeln und tauschten Erinnerungen aus. Ich hatte noch nie so viele Gratulanten“, sagte Erika Griesser, die heute noch in der Nackermühle wohnt und beim Fest ihren 81. Geburtstag hatte. Zudem feierte eine junge Amerikanerin am selben Tag ihren 18. Geburtstag und bekam mit Erika Griesser vom Lottstetter Bäcker Jünger eine „Zahlendreher“-Geburtstagstorte überreicht.

Der Organisator Max Henes hat noch alte Zeitzeuignisse seiner Vorfahren, die von der Nackermühlke stammen.
Der Organisator Max Henes hat noch alte Zeitzeuignisse seiner Vorfahren, die von der Nackermühlke stammen. | Bild: Thomas Güntert

Nächster Termin wird spontan festgelegt

Das große Griessertreffen geht für die auswärtigen Teilnehmer mit Privatbesuchen und einigen kleineren Treffen noch einige Tage weiter, da Ken Griesser erst zwei Tage nach dem eigentlichen Treffen aus Texas anreisen konnte. Der Termin für das nächste Treffen der Griesser-Dynastie wurde noch nicht festgelegt. „Das geht bei uns spontan“, sagte Max Henes. Die Nachkommen der Griesser-Dynastie verspürten von jeher einen gewissen Drang in die Ferne, der durch die guten Beziehungen untereinander über Generationen weitergegeben wurde.

Die Lottstetter Nachfahren von Friedrich Griesser, in der zweiten, dritten, und vierten Generation (vorn, von links): Fred Henes, Marco, Larissa und Simone Rehm sowie Sigfried Schaub.
Die Lottstetter Nachfahren von Friedrich Griesser, in der zweiten, dritten, und vierten Generation (vorn, von links): Fred Henes, Marco, Larissa und Simone Rehm sowie Sigfried Schaub. | Bild: privat/Familie Griesser

Auswanderer in die USA

Der erste, der ausgewandert war, war Friedrich Griessers ältester Sohn Willi, aber auch die Tochter Emma suchte ihre Zukunft in den USA. Es war die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, die Arbeitslosigkeit war groß, das Geld war nichts mehr wert und viele Menschen hatten keine Zukunftsperspektiven. Die deutschen Auswanderer waren in Amerika hingegen gut vernetzt. In Los Angeles lernte Emma Griesser den Lottstetter Arthur Henes kennen, der bereits sieben Jahre zuvor ausgewandert war.

Rückkehr in die Heimat

Zusammen wollten sie sich in Amerika eine Zukunft aufbauen. Arthurs Mutter Amalie, die Frau des Lottstetter Dorflehrers Adam Henes, flog zweimal in die USA und holte die Beiden 1938 zurück, damit sie den Hof ihres Bruders Alois übernahmen, der kinderlos war. In den 1950er Jahren reisten auch einige Nachkommen der zweiten Generation länger nach Amerika. „In der Zeit des Wirtschaftsaufschwungs aber eher aus Neugierde“, merkte Max Henes an. Mittlerweile pflegt die vierte Generation den weitläufigen Familienkontakt. Erst vor wenigen Wochen waren die 16-jährigen Robin Kalem und Jan Henes für zwei Wochen in den USA.