Die Planung des Zentralklinikums wird konkret. Die nächsten Monate wird der im Juli nach einem Wettbewerb ausgewählte Entwurf des Architekturbüros a|sh sander.hofrichter optimiert. Ziel ist es, zum anvisierten Baubeginn im Sommer 2020 Lösungen zu finden, die betriebswirtschaftlich stimmig sind, aber auch mitarbeiter- und patientenfreundlich und so flexibel, dass auch Entwicklungen antizipiert werden können, erläuterten Linus Hofrichter von dem Büro und Vertreter der Kreiskliniken sowie des Zentrums für Psychiatrie als Bauherren am Dienstag vor Medien in den Kreiskliniken.

Standort und Architektur

„Raum für Menschen“ unter diese Überschrift stellt Linus Hofrichter das gesamte Vorhaben – wobei sich die Planungen des Büros auf das eigentliche Klinikum sowie den in einer zweiten Zone angedockten Teil des Zentrums für Psychiatrie konzentrieren. Die anderen in einer dritten Zone des Campus’ angedachten Gebäude für tertiäre Nutzungen – von der Rettungswache über das Ärztehaus bis zum Parkhaus – sollen jeweils von anderen Investoren realisiert und separat geplant werden. Infolge könne das Gesamtensemble auch ein kleiner Architekturpark werden, skizzierte Hofrichter.

Den Standort am Lörracher Stadtrand bezeichnete der Inhaber des Büros jedenfalls „als „Ort, wo Zukunft entstehen kann“. Die Wahl sei nicht zuletzt verkehrstechnisch clever, bescheinigte der Krankenhausplaner dem Kreistag eine „richtige Grundüberlegung“. Inspiriert von dem „Genius Loci“ sei das Klinikum dort als „Haus im Grünen“ und angelehnt an ein Kleeblatt entworfen worden. Das Ensemble keine der weithin verbreiteten „Klinikmaschinen“ werden, sondern „eine Geschichte erzählen“, erklärte Hofrichter weiter. Praktisch solle es an dem Ort auch „Identität stiften“ und von den Patientenzimmern den Blick in die Landschaft eröffnen. Im Wesentlichen basiert es dabei auf einem zweigeschossigen Sockel, in dem Funktionsbereiche konzentriert sind, und darauf platzierten „wohnhausartigen Bettenhäusern“, den Hotelbereich nannte Hofrichter das salopp.

Das Zentrum für seelische Gesundheit, für den Geschäftsführer der Kreiskliniken Armin Müller ein „Meilenstein“ der stationären psychiatrischen Versorgung im Kreis, entsteht in der Architektursprache angelehnt an das Klinikum. Gleichwohl wahrt es eine eigene Identität mit eigenem Eingang. Strukturiert werden diese zwei Zonen nicht zuletzt durch die baulichen Linien, die auf die Eingangsbereiche zulaufen und diese aus allen Perspektiven sichtbar machen, sagt Hofrichter. Das biete nicht zuletzt Orientierung ohne Markierungen und leite Besucher von allen „Ankommenspunkten“ (Hofrichter) zu den Eingangsbereichen um die Piazza.

Systematik und Prozesse

Die Systematik im Ensemble verbindet mehrere Überlegungen, die sich im Kern um die Optimierung von Prozessen drehen. Denn jeder gut organisierte Prozess biete ein Stück Qualität, erläuterte Hofrichter. So sei es beispielsweise „wichtig, ein Krankenhaus der kurzen Wege zu bauen“, konkretisierte der Planer eine strategische Überlegung. Entsprechend finden sich die Funktionsbereiche in den zwei Geschossen des Sockels, des sogenannten Breitfußes. Darüber ergeben sich kurze Verbindungen zwischen Notaufnahme, Radiologie und den Operationssälen sowie zwischen diesen und der Intensivstation, die, wie alles was Anästhesie brauche, im ersten Stock sein wird.

Auch auf den Stationen eröffnen die Anordnung der Pflegestützpunkte und Verbindungswege zwischen Trakten und Stationen ein vergleichsweise flexibles und damit letztlich betriebswirtschaftlich günstigeres Arbeiten. Andererseits erlaubt die am Kleeblatt orientierte Systematik auch, einzelne Bereiche klarer gegeneinander abzugrenzen und Patientenströme nutzerfreundlich zu entzerren. So wird die planbare ambulante Versorgung ebenso in einem separaten Segment jenseits der Notfallversorgung angesiedelt werden wie die Mutter-Kind-Klinik.

Ebenso wichtig wie kurze Wege und Entflechtung der Patientenströme sei auch eine Architektur, die es ermögliche künftige Entwicklungen zu antizipieren, um zum Beispiel größere Geräte ohne hohe Umbaukosten zu integrieren. Dazu gehören aber auch möglichst standardisierte Räume, die flexible Nutzungen erlauben und damit – wie fast alles an diesem Projekt – letztlich auch einen Link zur betriebswirtschaftlichen Seite und den Kosten haben. Letztlich gehe es nun auch darum, das Konzept im Dialog mit den Nutzern in einem „partizipativen Bauen“ weiterzuentwickeln, betonte Hofrichter.

Kosten und Perspektiven

Eine belastbare Kostenkalkulation liege bislang nicht vor, da die planerischen Grundlagen nun erst ausgearbeitet würden, betonte Armin Müller. Aktuell kursierende Zahlen (Info) beziehen sind denn auch nur auf Benchmarks – also Vergleichswerte, die am Flächenbedarf und durchschnittlich anfallenden Kosten orientiert sind. Was diesen Flächenbedarf angeht, gibt es zwar noch einen Dissens mit dem Land, räumte Müller ein. Indes gehe es da nicht um teure Funktionsräume wie OP-Säle. Da hielten sich die Kliniken mit elf streng an die Planung, sagte der Geschäftsführer. Eine Hochrechnung der Kosten auf Basis der Bettenzahl sei im Übrigen nicht mehr üblich und völlig altmodisch, ergänzte Hofrichter. Zudem müssten in einer langfristigen Kostenbetrachtung auch betriebswirtschaftliche Aspekte und Fragen der Nachhaltigkeit bedacht werden.

Klar ist aber so oder so, dass die Kliniken das Vorhaben allemal mit einem hohen Eigenanteil finanzieren müssen. Einem Anteil, der später im Betrieb erwirtschaftet werden müsse, betonte Müller, was eine Verantwortung nachfolgenden Generationen gegenüber impliziere. Klar ist zudem, dass es bei der Finanzierung für die Kreiskliniken nur um ihr Haus und dessen Ausstattung geht. Das Grundstück und die Erschließung werden ebenso separat finanziert, wie das Zentrum für seelische Gesundheit und die tertiären Nutzungen. Unter dem Strich addiert sich das Gesamtprojekt damit aber allemal auf einen Betrag, der zwischen 350 und 400 Millionen Euro liegen dürfte.