„Die Berechnungen des Leibnitz-Instituts für ökologische Raum­entwicklung, dass bis 2025 im Kreis knapp 14 000 neue Wohnungen benötigt werden, sind nach wie vor aktuell“, beschrieb der bisherige Vorsitzende Heinz Wizemann bei der Hauptversammlung des Lörracher Kreisvereins im Deutschen Mieterbund (DMB) die Situation auf dem Wohnungsmarkt. Das unzureichende Angebot sei Hauptgrund für teils ausufernde Mietforderungen. Inzwischen hätten auch Bezieher höherer Einkommen Probleme, bezahlbare Wohnungen zu finden. Katastrophal sei die Situation für Niedrig- und Geringverdiener.

Diese Situation griff auch Rainer Stickelberger auf. Zwar werde seit zwei Jahren mehr gebaut als vorher, sagte der SPD-Landtagsabgeordnete; doch bisher reichten die neuen Wohnungen bei Weitem nicht aus. Inzwischen wachse in der Politik die Einsicht, dass die Bauvorschriften geändert werden müssen, um Kosten zu verringern. So solle die Landesbauordnung angepasst werden. „Wir sollten doch die gegenwärtig günstige Finanzsituation in Länder und Bundes dafür nutzen, um mehr Sozialwohnungen entstehen zu lassen“, befand der Abgeordnete. Wichtig sei auf jeden Fall, mehr Flächen freizugeben. Wohnungsbau müsse Vorrang haben vor Eidechsenschutz. „Wir sollten auch nicht davor zurückschrecken, mehr in die Höhe zu bauen.“

„Es kommt darauf an, endlich gegen jene Vermieter, die die Mietbremse umgehen, Sanktionen zu verhängen“, sagte der Geschäftsführer des Mieterbund-Landesverbandes, Udo Casper. Außerdem fordert der Mieterbund, den auf Mieten umlegbaren Anteil von Modernisierungskosten von derzeit elf auf vier Prozent zu verringern. In der Aussprache kritisierten Mitglieder Fehlbelegungen.

So sei zum Beispiel die Anzahl unbewilligter Ferienwohnungen im Landkreis Lörrach unbekannt; sie gehen ständigen Mietern verloren. Auch kam die Empfehlung, ungenutzte Gebäude in Wohnraum umzuwandeln. So gebe es in anderen Bundesländern gute Beispiele, wie etwa alte Klöster oder Kirchen zu Wohnraum umgebaut wurden, auch wenn sie unter Denkmalschutz stehen.

Im Jahr 2017 registrierte der Mieterbund im Landkreis 2587 Beratungen, 2018 sind es bisher 2043. Wizemann erläuterte thematische Schwerpunkte: Kautionen, Nebenkostenumlagen, Heizungskosten und Schönheitsreparaturen. Die Masse allerdings sind allgemeine Fragen, etwa zu Beginn und Beendigung eines Mietverhältnisses. Die Zahl der Mitglieder des Kreisvereins des Mieterbundes ging 2017 etwas zurück, hauptsächlich, weil die Kartei bereinigt wurde. Etliche wollten wohl nur eine kostengünstige Beratung. Der Vereinsbeitrag von jährlich 74 Euro sei aber Voraussetzung, um die derzeit sieben Rechtsberater zu bezahlen. Mit herzlichem Dank wurde Wizemann aus seinem Amt verabschiedet. Er arbeitete 16 Jahre im Vorstand mit, seit zehn Jahren als Vorsitzender. Neuer Vorsitzender ist Siegfried Kupferer.

Wahlen: Siegfried Kupferer (Vorsitzender), Angelika Beierer und Dagmar Lillo (Stellvertreterinnen), Astrid Küpper, Ella Hubbert, Thomas Wamsle und Matthias Schultz (Beisitzer).