Lörrach Wohnraum ist auch im Kreis Lörrach ein knappes Gut

Der Caritasverband im Kreis macht sich mit der Kampagne „Jeder Mensch braucht ein Zuhause“ für bezahlbaren Wohnraum stark.

Das Thema der bundesweiten Jahreskampagne 2018 des Caritasverbandes passt kaum irgendwo besser als im Landkreis Lörrach: Unter dem Titel „Jeder Mensch braucht ein Zuhause“ will der katholische Wohlfahrtsverband verdeutlichen, dass jeder Mensch ein Recht hat auf einen privaten Schutzraum zu bezahlbaren Preisen. Bekanntlich ist dieses Gut im Kreis Lörrach, zumal in den städtischen Regionen, sehr knapp; und die wenigen Wohnungen sind für viele unerschwinglich.

  • Der Hintergrund: Die Kampagne zum Wohnungsmangel ist Auftakt zur neuen dreijährigen Initiative, die den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken will. „Ein Zuhause ist mehr als ein Dach über dem Kopf“, sagt Gudrun Schemel, Geschäftsführerin des Caritasverbandes für den Landkreis Lörrach. Dieser greift das Kampagnenthema in mehreren Veranstaltungen auf (siehe Info). Es gehe auch um Lebensqualität, Geborgenheit und Teilhabe, betont Schemel. Der gesellschaftliche Zusammenhalt brauche bezahlbaren Wohnraum für alle.

Das Recht auf Wohnen sei vor allem Menschen mit niedrigem Einkommen immer schwieriger umzusetzen. Denn die Verteilung ist sehr ungleich: Wenige Wohnungen zu unerschwinglichen Preisen in urbanen Gebieten sowie fast unverkäufliche Häuser und Wohnungen in ländlichen oder strukturschwachen Regionen sind für Gudrun Schemel zwei Seiten einer Medaille. Ziel müsse sein, einen Ausgleich zu schaffen, sodass attraktive Innenstadtlagen nicht zu Wohlstandsinseln werden und Menschen mit geringem Einkommen sich in Randlagen konzentrieren.

  • Die Fakten: Die Geschäftsführerin verweist auf die Caritas-Studie „Menschenrecht auf Wohnen“ vom November 2017. Vier von fünf Befragten sahen in hohen Wohnkosten ein erhebliches Armutsrisiko. Der Aussage, bezahlbares Wohnen gehöre auf die politische Agenda, stimmten fast alle zu – und dies über alle Einkommensklassen hinweg. „Längst leiden auch Normalverdiener unter einem angespannten Wohnungsmarkt“, weiß Gudrun Schemel.

Für Familien bedeute dies nicht nur ein Armutsrisiko, vielmehr würden auch die Entwicklungschancen von Kindern beeinträchtigt. Mit weiteren Daten verdeutlicht die Caritas-Geschäftsführerin, dass die soziale Schere immer weiter auseinandergeht: Die Einkommen sind in den vergangenen fünf Jahren um knapp acht Prozent, die Mieten um 17 Prozent gestiegen. In den deutschen Großstädten müssen zwei von fünf Haushalten bereits mehr als 30 Prozent ihres Nettoeinkommens für ihre Kaltmiete ausgeben.

  • Der Beratungsalltag: Mit Fällen von Wohnungsknappheit und -mangel sind die Beratungsdienste der Caritas vor Ort immer wieder konfrontiert. Gudrun Schemel berichtet beispielsweise von erwachsenen Kindern, die nicht ausziehen können, weil sie nichts finden, von verstärkten Symptomen vor allem psychischer Erkrankungen, von längeren Klinikaufenthalten mangels Wohnung, von unzumutbaren Wohnverhältnissen bei Verwandten ohne Perspektive, von beengtem Wohnen, das Kindern keinen Rückzugsraum bietet, und von konfliktreichen Zwangs-Wohngemeinschaften.
  • Die Forderungen: Was ist zu tun? Die Caritas fordert, den sozialen Wohnungsbau deutlich auszuweiten. Der Bund bleibe gefordert, durch Miet- und Gemeinnützigkeitsrecht preisdämpfend auf den Wohnungsmarkt einzuwirken, findet Gudrun Schemel. Bei der Grundstücksvergabe seien gemeinnützige Genossenschaften und andere Träger gemeinwohlorientierten Wohnens besonders zu berücksichtigen. Bei der Vergabe an private Investoren sollten Kommunen eine Quote vereinbaren für Mietwohnungen, die der Sozialbindung unterliegen. Diese Bindung sollte auf 25, besser 30 Jahre verlängert werden.

Mieter, die die Voraussetzungen nicht mehr erfüllen, könnten gegen eine Fehlbelegungsabgabe weiter in der vertrauten Umgebung leben. Schließlich müssten Nachverdichtungen gleichmäßig erfolgen und nicht nur in belasteten Stadtteilen. „Im Sinne des sozialen Friedens ist eine gute Durchmischung in den Wohnquartieren am besten“, ist Gudrun Schemel überzeugt.

  • Termin: Jahresbegegnung am Donnerstag, 19. April, 17 Uhr: Andacht in der Kirche St. Peter Lörrach, 17.30 Uhr: Sektempfang im Gemeindehaus St. Peter, 18 Uhr: Auftakt und Einführung zur Jahreskampagne, Grußwort des Landratsamtes, spitze Bemerkungen von Clemens Schaub zu „Wohnen – Heimat – Zuhause“, Imbiss und Begegnung.

Anmeldung erbeten unter der Telefonnummer 07621/927 50 oder per E-Mail ( info@caritas-loerrach.de ).

Veranstaltungen

  • 4. Juli: Richard Box liest in Lörrach aus „Kein Dach über dem Kopf: Biografie eines Obdachlosen“.
  • 22. Juli: Nachbarschaftsfest, Familienpicknick und Tag der offenen Tür in Zell.
  • August: Quartiersfest in Neumatt-Brunnwasser in Lörrach
  • 23. September: Eröffnung der Caritas-Haus- und Straßensammlung.
  • 26. Oktober: Straßenaktion „Jeder Mensch braucht ein Zuhause“ auf dem Alten Marktplatz in Lörrach.
  • Oktober/November: Filmherbst „Gemeinsam wohnt man besser“ mit Vorführungen in Kandern, Weil am Rhein, Schönau und Lörrach (Quartier Neumatt-Brunnwasser).
  • 17. November: „Eine Million Sterne“ auf dem Alten Marktplatz in Lörrach.

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