Lörrach – Eine äußerst sachliche, faire und konstruktive Diskussion fand am Mittwoch in der Aula des Hans-Thoma-Gymnasiums statt: Die Kultusministerin des Landes, Susanne Eisenmann (CDU), stellte sich Schülerinnen und Schülern. Diese waren gut vorbereitet und diskussionsfreudig – nicht nur zu den Themen Fridays for Future (FfF) und Klimaschutz.

„Dass das einfach sein soll, kann ich mir nicht vorstellen.“ Susanne Eisenmann staunte über die Vorstellung des Projekts „Entwicklung eines Gen-Editing-Praktikums für die Oberstufe“ von Robert Graf und Leif Holzkamm. „Wir sind ja da und erklären es“, beruhigte Robert Graf. Aber dennoch war der erste Teil des Besuchs der Ministerin auf dem Campus Rosenfels mit der Besichtigung des Phaenovum und des Schülercafés Kamelion der deutlich einfachere. Die Vorstellung der Forschungsprojekte des Schülerforschungszentrums, ein paar freundlich formulierte Wünsche an den Gast aus Stuttgart seitens Oberbürgermeister Jörg Lutz und den Verantwortlichen von Phaenovum und Kamelion, viel Lob für Engagement und Ehrenamt von Susanne Eisenmann – Routine für eine erfahrene Politikerin auf Sommertour.

Doch dann saß sie mit Stadtrat Ulrich Lusche als Moderator auf dem Podium der gut gefüllten Aula und sollte erst einmal erklären, was sie von den Fridays for Future-Schulstreiks hält. Sie finde es richtig gut, dass sich die Schülerinnen und Schüler politisieren, sagte Eisenmann, „aber als Kultusministerin bin ich nicht zwangsläufig begeistert, dass das während des Unterrichts stattfindet“. Sie bekundete ihren Respekt. Und dennoch, so Eisenmann, sei die Entscheidung für die Teilnahme an den Klimademos eine Verletzung der Schulpflicht: „Und es gehört zum zivilen Ungehorsam, dass es Konsequenzen gibt.“ Die Schülerinnen und Schüler sahen das anders: Zu wichtig sei das Thema, argumentierten sie, als dass die Teilnehmer sanktioniert werden dürften. Für Unmut sorgte der Vergleich Eisenmanns, man dürfe dann ja auch keine Schüler fürs Schwänzen sanktionieren, wenn sie an fremdenfeindlichen Demonstrationen teilnähmen. „Wir kämpfen nicht gegen jemand, sondern für die ganze Welt!“, entgegnete FfF-Organisatorin Océane Delin.

An diesem Punkt blieben die Meinungen konträr. Aber mehrfach sagte Susanne Eisenmann zu den Jugendlichen: „Da haben Sie Recht.“ So gebe es zwar Programme zur energetischen ­Sanierung, bei Landesgebäuden aber sei man beispielsweise viel zu ­nachlässig gewesen. Klimaschutz müsse nun effektiv und richtig umgesetzt werden.

Drang zu Abitur und Studium ist hoch

Auch im Bereich der Bildungspolitik waren Schüler und Ministerin einer Meinung. Warum fast jeder zweite Schüler aus Gymnasium gehen solle, erschloss sich einem Jugendlichen nicht. „Es war ein Fehler, die verpflichtende Grundschulempfehlung abzuschaffen“, antwortete die Ministerin. Der Drang zu Abitur und Studium sei unglaublich hoch: „Diese akademische Bildung überlagert alles.“ Eltern müssten besser unterstützt und beraten werden, sagte Eisenmann.

Was sie von der Diskussion mitnehmen werde? „Dass ich schon leichtere Diskussionen hatte als mit Ihnen – und das meine ich als Kompliment.“ Sie nehme aber auch mit, dass das Schulsystem zeitgemäß weiterentwickelt werden müsse, nannte sie als inhaltliches Beispiel. Ob die Schüler denn den Eindruck hätten, dass der Klimaschutz ausreichend im Unterricht behandelt werde, kehrte Susanne Eisenmann noch einmal zum wichtigsten Thema zurück. Und bekam eine klare Antwort einer Schülerin: „Wir haben viel über Klimaschutz gelernt. Aber es uns nur beizubringen hilft nicht, die Welt zu retten.“