Die Wirtschaftsgespräche 2017 von Landkreis Lörrach und Wirtschaftsregion Südwest (WSW) standen im Zeichen künftiger Entwicklungen, vor allem in der Mobilität. Mehr als 100 Gäste aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung folgten dem Vortrag von Zukunftsforscher Kai Gondlach. Begleitend gab es eine Ausstellung zu innovativen Mobilitätsprojekten von Partnern aus der Region.

Von Bedeutung sei, so waren sich Landrätin Marion Dammann und Gondlach einig, zu erkennen, dass man sich dem Wandel nicht verwehren könne und auch nicht müsse. Vielmehr käme es auf den Blickwinkel an, aus dem man die digitale Transformation betrachte. „Wir sollten aufgeschlossen sein, die positiven Seiten von Veränderungen entdecken und den Wandel mitgestalten“, sagte Dammann laut Mitteilung. Von der Mobilität der Zukunft erhoffe sie sich mehr Sicherheit im Straßenverkehr, mehr Umwelt- und Klimafreundlichkeit, mehr Infrastruktur und mehr Mobilität im ländlichen Raum. In seinem Vortrag ging Kai Gondlach, Soziologe und Politologe beim Leipziger Trendforschungsinstitut 2b AHEAD, ein auf die Konsequenzen der rasanten technologischen Entwicklung für die Wirtschaft. Angst vor Arbeitslosigkeit bräuchten die Beschäftigten in Verkehr und Logistik laut Gondlach nicht unbedingt zu haben – dennoch würde Vieles anders werden: „In etwa fünf Jahren werden wir die ersten Prototypen komplett autonom fahrender Fahrzeuge bestaunen können.

“ Es werde jedoch nicht darum gehen, dass möglichst bald möglichst viele Menschen selbstfahrende Autos besitzen, führte Gondlach aus: „Die Kunden werden viel mehr Flottenbetreiber, wie UBER oder Lyft sein, die konventionelle Transportsysteme schrittweise durch autonome ersetzen“. Autos würden zudem über Sharing-Plattformen vermietet. Die größten Treiber in diesem Bereich seien Versandhändler und Logistiker, die mit autonomen Liefersystemen experimentieren, sagte der Zukunftsforscher.

Er skizzierte neue Geschäftsmodelle: Mobilität an sich würde kostenlos, Entertainment und Werbung an Bord rückten dafür in den Mittelpunkt. Gondlach rief schließlich das Publikum auf, darüber nachzudenken, „wie wir leben wollen, wenn wir nicht mehr die intelligenteste Spezies auf dem Planeten sind, sondern von Computern überholt werden“.

In der Diskussion, die der Erste Landesbeamte Ulrich Hoehler moderierte, wurden vor allem Fragen der Ethik aufgeworfen. Auch Faktoren wie Ressourcen, Datenschutz und Breitband wurden bei der Elektromobilität hinterfragt.

Erste Lösungsvorschläge boten die zwölf Aussteller, die ihre Mobilitätskonzepte vorstellten: Energiedienst und Stadtmobil mit einem Elektromobil, „Jobrad“, ein Anbieter von Fahrradleasing für Diensträder, Badenova als Partner von ladenetz.de, einem Stadtwerkeverbund für Ladeinfrastruktur, das erste deutsche Elektromobil namens „Hotzenblitz“, die Energieagentur des Landkreises zu Fördermitteln und Beratungsangeboten sowie Regio Verkehrsverbund Lörrach und Landratsamt zu grenzüberschreitenden Mobilitätsprojekten.