Es ist fast wie im Märchen über den Wettlauf zwischen Hase und Igel: Trotz größter Anstrengungen kommt die Polizei stets zu spät. Tritt sie auf den Plan, sind die Einbrecher schon weg. Die Zahl der Einbrüche in Lörrach schnellte im Dezember in die Höhe. Die Ermittler rauften sich frustriert die Haare. Ohne Hinweise der Bevölkerung über verdächtige Wahrnehmungen sehen sie sich den Tätern machtlos gegenüber. Die Festnahme einer mutmaßlichen Einbrecherbande am 30. Dezember wendete das Blatt. Die Polizei sammelt daraus wertvolle Erkenntnisse.

Eine junge Frau drückt die Klingel an der Haustür und nimmt ein Telefon ans Ohr, als niemand aufmacht. Die Türklingelkamera filmt sie dabei. Nicht zu sehen ist: In ihrem Jackenärmel steckt ein Schraubenzieher. Die unscheinbare Frau rief eine Komplizin an. Kurz danach hatte die Polizei wieder einen Fall mehr in ihrer Einbruchstatistik. Dank des Videos wusste die Polizei, nach wem sie suchen musste. Der entscheidende Hinweis für die Festnahme kam aber von einem Mann, dem die 19- und 24-jährigen Frauen sowie ein Mann auffielen, weil sie in einem Auto saßen und Stirnlampen trugen.

Andreas Nagy räumt unserer Zeitung gegenüber ein: Jeden der vielen Einbrüche „nehmen wir persönlich. Das ist unheimlich frustrierend“. Der stellvertretende Leiter des Polizeireviers Lörrach plant die Sonderkontrollen und Zivilstreifen, mit denen das Revier – etwa jeden dritten Tag verstärkt von Bereitschaftspolizisten aus Bruchsal und Umkirch – seit Oktober 2016 in der dunklen Jahreszeit versucht, der Einbrecher habhaft zu werden. 101 Kontrolltage gab es vor einem Jahr, 2400 Arbeitsstunden investierten alleine die Angehörigen des Reviers. Das ging zu Lasten von Kontrollen der Verkehrssicherheit und Fortbildungen. Sie fühlten sich darin zwar bestätigt. Denn die Zahl der Einbrüche halbierte sich fast.

Ihre Freude währte aber nicht lange. Im vergangenen Dezember verdoppelten sich die Fallzahlen wieder. Kein Tag verging in Lörrach ohne Einbruch, oft waren es zwei oder drei. Die Polizei verlor den Wettlauf gegen die Täter jedes Mal. Einmal wurde sogar in eine Wohnung eingebrochen, während Beamte in Zivil in einer Parallelstraße Passanten kontrollierten. „Es ist schmerzhaft, zu erkennen, wie die Täter sich auf unsere Strategie einstellen“, räumt Nagy ein.

Wolfgang Hanser, Leiter des Ermittlungsdienstes, stellt fest: „Wir reden über professionelle Banden.“ Die Täter, die Lörrach zurzeit heimsuchen, gehen immer gleich vor, schildert er: Sie kommen über Terrassen und Balkone – auch im zweiten Obergeschoss von Wohnblocks –, durchbohren in wenigen Sekunden Fensterscheiben, hebeln Türen auf, bereiten einen Fluchtweg vor, stehlen Bargeld oder Schmuck und fliehen mit Bus oder Bahn. Sie gehen hohe Risiken ein. Manchmal schliefen die Bewohner während des Einbruchs oder kamen heim und hörten eine Tür knallen. In Brombach geschah ein Einbruch um 10 Uhr morgens. Die Tatorte sind bunt verteilt.

Zum Frust der Polizei gesellt sich Ärger über ihre Arbeitsbedingungen. „Zu jedem Einbruch schicken wir die Spurensicherung“, schildert Nagy die Menge an gesammelten Daten. Doch bis das Landeskriminalamt in Stuttgart die DNA-Spuren ausliest, dauere es mindestens fünf Monate. „Wir wünschen uns, dass das schneller geht.“ Sonst sei es „brutal schwierig“, international tätige Banden zu verhaften, sagt Hanser: „Das frustriert uns.“ Aus Baselland wisse er, dass DNA-Spuren in zwei, drei Wochen ausgelesen sind.

Das mutmaßliche Einbrechertrio scheint nur ein Teil einer Bande zu sein. Es stammt aus Osteuropa, der Mann ist Serbe, doch eine Frau hat die französische und eine andere die italienische Staatsbürgerschaft. Eine der Frauen führte neun Aliasnamen. Die Festgenommenen wurden in Norwegen und der Schweiz gesucht. Nagy schätzt, zwei Drittel der Einbrüche im Dezember in Lörrach gingen auf ihr Konto. „Unserer Erkenntnis nach sind mehrere Gruppierungen unterwegs, das liest man aus den Spuren“, sagt Hanser.

Nagy appelliert an die Bevölkerung, ohne Scheu die Polizei auf verdächtige Wahrnehmungen hinzuweisen, etwa Fotos von Fahrzeugen mit auswärtigen Kennzeichen zu machen und sie der Polizei zu schicken: „Wir brauchen viel mehr zeitnahe Hinweise. Das ist die Möglichkeit zum Erfolg.“ Wem Unbekannte auffallen, solle diese ansprechen, sie fragen, ob sie etwas suchen.

Am vergangenen Freitag waren es schon acht Tage ohne einen einzigen Einbruch im gesamten Kreisgebiet – märchenhaft. Doch Hanser bleibt skeptisch: „Man sollte den Tag nicht vor dem Abend loben.“