Lange mussten annähernd 200 Zuhörer am Dienstagabend im strömenden Regen ausharren, bis Sahra Wagenknecht, Spitzenkandidatin der Linken zur Bundestagswahl, am Alten Markt in Lörrach eintraf. Dann aber hielt sie eine kämpferische Rede für auskömmliche Löhne und Renten, die Besteuerung großer Konzerne und Vermögen und gegen Rüstung. Weil sie zwischen dem Flughafen Zürich und Lörrach im Stau stand, verzögerte sich der Auftritt der Linken-Politikerin.

Währenddessen hielt die Lörracher Singer-Songwriterin The Kerstin das Publikum mit ihren Liedern bei Laune. Der hiesige Wahlkreis-Kandidat der Linken, David Trunz, gab ein kurzes Statement für das bedingungslose Grundeinkommen, die Demokratisierung von Schule und Arbeit und die Verbesserung der Pflege ab. Als Sahra Wagenknecht eintraf, forderte sie sogleich eine andere Politik in Deutschland, denn die bisherige habe dafür gesorgt, dass große Vermögen immer größer, zugleich aber auch die Armut immer größer wurden. „Gerade ganz viele Kinder sind von Armut betroffen, die als Erstes die Erfahrung machen, dass sie von der bunten Welt, die sie im Fernsehen und Internet sehen, ausgeschlossen sind“, sagte sie. Selbst die Bundesregierung habe vor einem Auseinanderdriften der Gesellschaft und damit vor den Konsequenzen ihrer eigenen Politik gewarnt, meinte Wagenknecht.

Kein Naturgesetz und nicht die Globalisierung, sondern die deutsche Politik sei verantwortlich, dass viele Leute von ihrer Arbeit nicht leben können. 40 Prozent der Menschen besitzen heute weniger Kaufkraft als Ende der 90er, während die Wirtschaft in dieser Zeit gewachsen ist. Wenn Angela Merkel sage, Deutschland gehe es gut, ignoriere sie die Hälfte der Bevölkerung oder sehe die Realität nicht. Die seien Gründe, sie in Rente zu schicken. Wagenknecht forderte, die Befristung von Arbeitsverträgen zu verbieten, ebenso wie Leiharbeit, die sie Sklaverei nannte. Den Mindestlohn will sie auf zwölf Euro erhöhen, weil sogar die Bundesregierung ausgerechnet habe, dass nur, wer 45 Jahre lang in Vollzeit 11,68 Euro pro Stunde verdiene, eine Rente oberhalb der Grundsicherung erreiche.

Die Linken-Politikerin forderte ein Rentenmodell wie in Österreich, wo auch Selbständige, Beamte und Politiker in die gesetzliche Rente einzahlen und bei einem um ein Prozent höheren Beitragssatz der Durchschnittsrentner 800 Euro im Monat mehr bekomme. Aber acht Prozent mehr Rente seien nicht zu finanzieren, werde gesagt, acht Prozent mehr Ausgaben für Rüstung hingegen schon. „Aber kein Mensch braucht mehr Krieg!“, rief sie. Um höhere Sozialausgaben, bessere Bildung und Pflege und besser ausgestattete Krankenhäuser und Kitas zu finanzieren, will sie verhindern, dass große Konzerne fast keine Steuern zahlen und sehr hohe Vermögen besteuern.

Für Rüstung und Waffen will die Linken-Politikerin hingegen weniger ausgeben. Dass der islamische Terrorismus stärker wurde, je mehr man Krieg gegen ihn führt, hielt sie für einen direkten Zusammenhang, weil im Krieg mehr Zivilisten als Terroristen getötet werden. „Der islamische Terrorismus ist das Produkt von Kriegen, und dieses Morden und Töten muss aufhören“, rief Sahra Wagenknecht. Wenn man statt dessen die Armut bekämpfe, auch in diesen Ländern, würde das Konflikte verhindern, betonte sie, ehe sie weiterfuhr nach Basel, um im Volkshaus ihr Buch „Reichtum ohne Gier“ vorzustellen.