Geht es nach dem Willen des Verwaltungsausschusses, sind die Tage der Außenstelle Weil am Rhein der kreiseigenen Sprachheilschule und des Hauptstandortes in Zell im Wiesental gezählt. Mit 12 zu fünf Stimmen empfahl das Gremium in seiner Sitzung bei drei Enthaltungen dem Kreistag, alle Klassen in der ehemaligen Hauptschule in Hausen im Wiesental zusammenzuführen. Ein Antrag der CDU-Fraktion am Standort Weil festzuhalten und die Klassen dort in die Hans-Thoma-Schule zu verlegen, wurde mehrheitlich abgelehnt.

Die Sprachheilschule des Landkreises Lörrach unterrichtet derzeit rund 100 Grundschüler, davon 45 in vier Klassen am Hauptsitz Zell im Wiesental mit eigenem Gebäude und 46 in weiteren vier Klassen in einer Außenstelle in Weil am Rhein in Räumen der Realschule; sechs Schüler werden bis zum Schuljahresende kooperativ an der Grundschule in Rheinfelden-Karsau unterrichtet.

Entscheidung über die Standortfrage

Eine politische Entscheidung über die Standortfrage wurde notwendig, weil die Stadt Weil am Rhein wegen Raumnot der Real- und der angrenzenden Gemeinschaftsschule die an die Sprachheilschule vermieteten Räume zum Ende dieses Schuljahres gekündigt, aber auch erklärt hat, die Nutzung für ein weiteres Jahr zu dulden, damit der Landkreis Zeit hat, nach einem Ersatz zu suchen.

Zwei Varianten stehen jetzt zur Wahl: Die Zwei-Standort-Lösung, bei der die Außenstelle Weil am Rhein erhalten bleibt, aber in einen Anbau der Hans-Thoma-Schule verlegt wird, ebenso der Hauptsitz in Zell, der mittelfristig saniert werden muss. Für diese Lösung machte sich die CDU-Fraktion stark. Die dezentrale Beschulung folge dem Grundsatz „kurze Beine – kurze Wege“, sagte Fraktionschef Paul Renz. Die Umbaukosten in Weil von rund 750 000 Euro würden sich innerhalb von 20 Jahren amortisieren, wenn man die Kosten der Schülerbeförderung an einen zentralen Standort von jährlich 35 000 Euro gegenrechnet. Der Weiler FDP-Kreisrat Wolfgang Roth-Greiner unterstützte den CDU-Antrag: Täglich zwei Stunden Fahrzeit seien für die Kinder eine Zumutung. Gudrun Heute-Bluhm (CDU) plädierte dafür, vor einer Entscheidung nach dem richtigen zentralen Standort zu suchen. Eine Mehrheit im Ausschuss sah das aber anders. Der Antrag wurde mit 12 zu acht Stimmen angelehnt.

Zusammenführung in Hausen im Wiesental

Mehrheitliche Zustimmung fand die Ein-Standort-Lösung. Diese sieht vor, alle acht Klassen aus Weil und Zell zum Sommer 2019 im ehemaligen Hauptschulgebäude in Hausen im Wiesental zusammenzuführen für acht bis zehn Jahre, bis an einem zentraleren Ort ein Neubau für geschätzt sechs Millionen Euro erstellt werden kann. Die Gemeinde Maulburg bietet an, dafür in der Nähe der Helen-Keller-Schule ein Grundstück vorzuhalten. Aus pädagogischen Gründen bevorzugten SPD, Grüne und Freie Wähler diese Variante, für die sich auch das Staatliche Schulamt ausgesprochen hatte. Die Entwicklung gehen hin zu sonderpädagogischen Bildungszentren sowie kooperativen und integrativen Formen in der Fläche, sagte Gabriele Weber (SPD). Auch die Lehrkräfte bevorzugten eine Ein-Standort-Lösung. Für Fraktionskollege Klaus Eberhardt ist die Qualität der Ausbildung, die darauf abzielt, die Kinder möglichst rasch in eine Regelgrundschule zu bringen, höher zu gewichten als die kurzen Wege. „Früher oder später muss es zu einem zentralen Standort kommen.“ Die definitive Entscheidung trifft der Kreistag am kommenden Mittwoch.