Es war purer Zufall, dass die vom Verein Pro Schiene Dreiland organisierte Diskussion zum Güterverkehr in der Fläche nur einen Tag nach dem Bilanzpressegespräch von Bahnchef Grube angesetzt war. Jener sprach dabei in Berlin über massive Rückgänge im Güterverkehr. Pro Schiene Dreiland aber setzt sich seit jeher dafür ein, die letzte noch verbliebene Güterverladestelle an der Wiesentalbahn in Lörrach zu erhalten.

Verladen wird dort Rohholz, präzisierte Thomas Unke, Leiter der Forstwirtschaft im Landratsamt: „Pro Jahr werden hier 480 Waggons mit Baumstämmen aus der Umgebung beladen; der Radius des Einzugsgebietes beträgt etwa 25 Kilometer; für die Holztransporteure ist die Bahn kostengünstig und mit relativ geringem Aufwand belastet. „Etwa 1000 Lastwagenfahrten über lange Stecken werden so vermieden. Auch langfristig ist die Verladung durch den Forst gesichert, die Menge kann sogar noch ansteigen“, meinte Unke. Entscheidend für die Holzverladung ist ein Lagerplatz neben den Gleisen. Denn die Anfuhr mit Lastwagen ist langsamer als die Abfuhr mit der Bahn. Also muss gesammelt werden. Dann können die Waggons – Standzeit kostet viel Geld – schnell beladen werden. Dafür biete Lörrach ideale Bedingungen. „Die Schließung der Verladestelle würde uns vor große Probleme stellen, bisher gibt es dazu keine Alternative“, sagte Unke.

Karl Argast, Vorsitzender von Pro Schiene Dreiland, brachte Lörrach-Haagen ins Gespräch. Dort wären sowohl Anfuhr als auch Lagerung einzurichten. Dem Forst sei es egal, wo genau verladen wird, meinte Unke, Hauptsache in der Nähe. Argast sieht durchaus noch weitere Güterkunden an der Wies entalbahn: Das Anschlussgleis von Mondelez (Milka) wäre mit geringem Aufwand zu reaktivieren, auch ein Schrotthändler zeige Interesse. Der Nutzen für die Entlastung im Straßenverkehr und für geringere Umweltbelastung sei unmittelbar, meinte Argast. Dass die Stadt das Gelände des heutigen Güter- und Verladebahnhofes gerne für sich nutzen möchte, sei verständlich, jedoch kontraproduktiv zu allen Bemühungen, den Schienenverkehr und den Umweltschutz stärken. „Leider stellt die Deutsche Bahn noch in diesem Jahr Autoreise- und Nachtzügen ein, jedoch gibt es Verhandlungen mit neuen Partnern“, ergänzte Argast.

In einem Impulsvortrag hatte Professor Armin Schwolgin von der Dualen Hochschule die grundsätzlichen Folgen der gegenwärtigen Erschwernisse für den Schienengüterverkehr dargelegt. So sei es nur von geringer Bedeutung, ob der Autozug ab Lörrach oder Weil fahre, aber verkehren müssen solch umweltfreundliche Angebote. Schwolgin wies auf mehrere noch bestehende Anschlussgleise in Lörrach hin, der Ausbau des Schienengüterverkehrs sei möglich.

Der in Lörrach ansässige Bahnunternehmer Gustav A. Schulze verwies darauf, das die Züge nicht von der Deutschen Bahn gefahren werden müssten, entscheidend sei, dass die Wirtschaft Schienenverkehr möchte. Er bedauerte, dass die staatlichen Förderungen zum Bau von Anschlussgleisen wenig bekannt seien und kaum genutzt würden. Allerdings ließe auch die häufige Unzuverlässigkeit der Deutschen Bahn viele Firmen auf Straßentransporte umsteigen. Albert Schmidt vom Regionalverband Hochrhein sprach sich klar für die Förderung des Güterverkehrs auf der Wiesentalbahn aus. Die Diskussionen über die Beseitigung des Güter- und Verladebahnhofes bezeichnete er als arrogant und nicht zeitgemäß.