S-Bahn muss Schwerpunkt bleiben

Heiko Focken von der Nahverkehrsgesellschaft des Landes, Patrick Leypoldt von Agglo Basel und Ulrich Hoehler, Erster Landesbeamter im Landratsamt, waren sich schnell einig, dass an vielen Stellen dringender Verbesserungsbedarf besteht. Leypoldt mahnte an, Bahn- und Busverkehr nicht für den Landkreis isoliert zu betrachten. Wissenschaftliche Prognosen sagten der Agglomeration bis 2030 eine Zuwanderung von rund 80 000 Menschen voraus. Viele davon werden in Deutschland wohnen und in der Schweiz arbeiten. „Die wachsende Zahl der Grenzgänger muss den ÖPNV für den Weg zur Arbeit und in der Freizeit finden, denn die Straßen bleiben überlastet“, bekräftigte Leypoldt. Die Tramlinien 8 nach Weil am Rhein und 3 nach St. Louis, die im Dezember eröffnet wird, seien nur lokale Verbesserungen: „Schwerpunkt muss der Ausbau der Regio-S-Bahn sein, damit sie ihrem Namen gerecht wird.“

Kapazität im Wiesental erschöpft

Dass der Schienenverkehr im Kreis Lörrach dominantes Verkehrsmittel bleibt, sieht auch Heiko Focken. Doch die Unzulänglichkeiten häuften sich. Vor allem die Eingleisigkeit der Wiesentalbahn steht einer dichteren Zugfolge entgegen: „Die Kapazitätsgrenze ist erreicht.“

Der Wunsch der Stadt Lörrach auf Taktverdichtung könne betrieblich nicht realisiert werden. Ebenso sei ein künftiger Haltepunkt am neuen Klinikum im Entenbad an der eingleisigen Strecke nicht machbar.

Probleme bei der Hochrheinbahn

Einen Großteil der Diskussion nahmen die Unzulänglichkeiten auf der Hochrheinbahn ein. Focken nannte als eine der Ursachen, den Abbau von Überholungs- und Kreuzungsgleisen zwischen Basel und Singen in der Ära Mehdorn. Was der Sparsamkeit für den Börsengang dienen sollte, erweise sich als katastrophale Beschränkung. Kommen Eilzüge vom Bodensee mit Verspätung nach Waldshut, haben sie keine Möglichkeit mehr, eine langsame Regionalbahn zu überholen.

Nahezu täglich kommt so der Fahrplan durcheinander. Focken wies darauf hin, dass mit der Elektrifizierung, die bis 2026 kommen soll, auch Tiengen und Lauchringen wieder als Kreuzungsbahnhöfe reaktiviert werden müssen.

Fortschritte in Berlin erreicht

Die Rheintalbahn sei einfach überlastet, sagte Ulrich Hoehler, dort sei wirklich erst mit dem endgültigen viergleisigen Ausbau eine Verbesserung zu erwarten. Derzeit seien sogar einige Regionalzüge in den Güterzugfahrplan eingeordnet und haben deshalb eine längere Fahrzeit als andere. Eine bessere Durchbindung der Züge ins Schweizer Regio-S-Bahn-Netz hängt auch vom Bau des Herzstückes in Basel ab, jedoch werde dies noch sehr viele Jahre dauern.

Da etliche Problemlösungen auch von den beiden Bundesregierungen zumindest zu fördern, wenn nicht gar zu finanzieren sind, meinte Hoehler, sei die Region in Berlin ständig präsent und habe auch schon Fortschritte erreicht: „Nicht jede Verbesserung muss im Bundesverkehrswegeplan festgeschrieben sein.“ Der Draht nach Bern sei in Bezug auf die Elektrifizierung der Hochrheinstrecke so gut wie nie.

Buslinien besser verknüpfen

Der Busverkehr erhalte im Dezember mit der Eröffnung der Regionalbuslinie von Kandern nach Lörrach ein erheblicher Zugewinn. Gleichzeitig gelte es, diese Linie am Bahnhaltepunkt Hauingen anzubinden. Überhaupt komme der Verknüpfung von Buslinien wachsende Bedeutung zu, damit auch auf der Straße über lange Strecken ohne große Aufenthalte durch den Kreis gefahren werden kann. Bessere Verknüpfungen seien vor allem im Markgräflerland erforderlich.

Zuhörer fragten unter anderem nach einer Reaktivierung der Kandertalbahn für den öffentlichen Verkehr. Doch Kanderns Bürgermeister Christian Renkert, der die Diskussion leitete, verwies auf die ablehnende Position eines Gutachtens dazu; dieses Thema wird wohl nicht so schnell aufgegriffen werden.