Lörrach (gra) Internet, Smartphone & Co. sind so gegenwärtig, dass auch Grundschulen an den neuen Medien nicht vorbeikommen. Vom kommenden Schuljahr an ist Medienbildung eines von fünf Leitprinzipien in den neuen Bildungsplänen des Landes. Der gestrige Medienkompetenztag des Lörracher Kreismedienzentrums (KMZ) sollte Referendare und Lehrer ein Stück weit fit machen, damit sie Medienbildung auch leisten können – im Wissen um Chancen und Grenzen.

Unter den rund 90 Anmeldungen waren neben den 54 Referendaren, die derzeit am Staatlichen Seminar für Didaktik und Lehrerbildung in Lörrach ausgebildet werden und für die der Tag Pflicht war, auch 34 Lehrerinnen und Lehrer von Grundschulen – mehr als je zuvor. „Der Fortbildungsbedarf ist hoch“, erklärte Stefan Eigel, Fachleiter Medienpädagogik am Seminar. Beim Kompetenztag ging es neben den Chancen auch um die Grenzen der Medienbildung in der Grundschule. Hinter manchem Titel der rund zwei Dutzend angebotenen Workshops, die überwiegend Beispiele aus der Praxis vorstellten, stand denn auch ein Fragezeichen. Einen Ausblick in die Zukunft des Internets erhoffte sich KMZ-Leiter Felix Kehl von Aytekin Celiks Einstiegsvortrag.

Der Gastreferent vom Landesmedienzentrum ist Informatiker und Sozialwissenschaftler. Medienbildung ist als ein Leitprinzip in den neuen Bildungsplänen, die vom Schuljahr 2016/17 an gelten, auch für Grundschulen verankert. Aus Eigels Sicht dürften erste Schritte zu einem verantwortungsbewussten Umgang bereits im Kindergarten erfolgen, um der Bedeutung neuer Medien in der Lebenswirklichkeit gerecht zu werden. Kehl strich dabei die positiven Seiten von Computer & Co. heraus für ein lustbetontes Lernen und einen kreativen Umgang. Eine App für Zeitlupenstudien nannte er als Beispiel, wie sich IT selbst im Sportunterricht einsetzen lässt. Innerhalb der Schule gelte es sich abzustimmen, welches Fach welchen Beitrag leisten kann, erläuterte Eigel, der Grenzen nicht verschwieg. Der Knackpunkt sei häufig die vernünftige Nutzungsdauer. „Hier müssen klare Regeln aufgestellt werden“, sagte Eigel. Ohne die Eltern geht das freilich nicht, waren sich die beiden Pädagogen bewusst. Bei den Eltern gehen aber die Meinungen zur Frage, inwieweit neue Medien in Kinderhand gehören, weit auseinander. Manche versuchen, ihre Kinder möglichst lange, aber letztlich oft vergeblich von neuen Medien fernzuhalten; andere gewähren grenzenlosen Zugang. Die Herausforderung liege darin, die gute Mitte zu finden, erklärte Eigel.

Dazu soll Schule beitragen. Oft fehlt es aber schon an der Hardware, also der Ausstattung. Kaum eine Grundschule verfügt über einen Computerraum. Städte und Gemeinden griffen das Thema aber gerne auf, stellte Kehl fest, weil sie wissen, dass Investitionen unumgänglich sind. Hilfestellung leistet das dem Landratsamt angegliederte KMZ. Es kommt dem gesetzlichen Auftrag nach, öffentliche Schulen für eine audiovisuelle Ausbildung auszustatten. Das KMZ verleiht DVDs, Kameras sowie I-Pads und berät zum Einsatz von Medien im Unterricht. Neben Kehl sind fünf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tätig: zwei im Verleih, ein Medientechniker sowie je ein medienpädagogischer Berater und ein Berater zu Fragen technischer Ausstattung. Eine Vorreiterrolle in Sachen Medienbildung als Referenzschule im Landkreis Lörrach nimmt vom kommenden Schuljahr an die Grundschule Fahrnau ein. Dafür bekommt sie unter anderen eine bessere technische Ausstattung und einen medienpädagogischen Berater zur Seite gestellt. Dabei gehe es weniger darum, einen Leuchtturm aufzustellen, als zu zeigen, wie man anfangen kann und andere an den Erfahrungen teilhaben zu lassen, erklärte Kehl.