Lörrach Trauer um Florian Nantscheff

Der frühere Leiter der Lörracher Stadtbibliothek und ehrenamtlich vielfältig engagierte Florian Nantscheff ist mit 66 Jahren gestorben nach kurzer, schwerer Krankheit gestorben.

Florian Nantscheff, von 1992 bis 2012 Leiter der Stadtbibliothek, ist am Samstag im Alter von 66 Jahren nach kurzer schwerer Krankheit gestorben. Nantscheff war auch in seinem Ruhestand vielfältig engagiert, besonders in der Flüchtlingsbetreuung, als Kurator der Schubert-Durand-Stiftung und nicht zuletzt naturkundlich als Schmetterlingsexperte.

Florian Nantscheff war in seinem beruflichen Leben auf besonders vorbildliche Art ein Mann der Öffentlichkeit. Eben nicht, weil er das Rampenlicht gebraucht hätte, sondern einfach, weil er von Natur aus freundlich, gesellig und offen war. Diese Tugenden brachte er zwei Jahrzehnte in den Aufbau der Stadtbibliothek ein, die er von einem Aufbewahrungsort für Bücher in ein zeitgemäßes Begegnungszentrum entwickelte. Zum Ende seiner Dienstzeit beschrieb Nantscheff die zwei großen Linien, denen eine kommunale Bibliothek zu folgen habe. Das sei nach wie vor die Verpflichtung auf das Buch und auf die damit zusammenhängenden Bildungsideale. Gleichzeitig stellte er, der selbst hochgebildet und allen Künsten gegenüber offen war, die Vision einer „Bibliothek für alle“ in den Raum. Für den Menschenfreund Nantscheff hatte dies stets auch eine soziale Dimension.

Was sich wie ein Schlagwort anhörte, meinte die Öffnung dieser Einrichtung für alle Altersgruppen, für alle Schichten, für alle Medien und für viele Zwecke. Lesen, Lernen, auf dem Laufenden bleiben, sich Austauschen und sich auch nur in einem nichtkommerziellen Rahmen zu treffen – all dies sollte mit oder unter dem Dach der Stadtbibliothek möglich sein. In Zeiten des damals schon rasanten Medienwandels setzte dies auch die eigene Neugier voraus. „Manchmal waren wir die Pfadfinder, die neue Wege in der Mediennutzung vermittelt haben“, sagte Nantscheff im Rückblick auf seine 20 Jahre in der Bibliothek.

Dass die Stadtbibliothek, die mit Nantscheff von der Nansenstraße mitten ins Zentrum gezogen war, in der Stadt ein Besuchermagnet und auch als vielfältiger Kooperationspartner geschätzt wurde, war jedoch bei weitem nicht nur Resultat eines vorausschauenden Konzepts. Auch öffentliche Einrichtungen brauchen eine Seele und auch dafür stand Florian Nantscheff. Der scheinbar immer gut gelaunte Bibliothekar gab der Einrichtung ein Gesicht und selbst solchen Begriffen wie „multimediales Informations- und Begegnungszentrum“ eine menschliche Note. Gerade in der Wahrnehmung von jungen Bibliotheksbesuchern schimmerte dabei eine Eigenschaft durch, die Nantscheff von seiner früheren Tätigkeit mitgebracht hatte. Vor dem Studium des Bibliothekswesens arbeitete Nantscheff nämlich zuerst als Erzieher in Berlin und Hamburg, wo er bis zu seinem Umzug nach Lörrach (1992) in Quartiersbibibliotheken angestellt war.

Im Ruhestand trat Florian Nantscheff dann mit einem weiteren Talent in Erscheinung. Seine Begeisterung für Schmetterlinge machte ihn zum Naturkundler und -fotografen, der immer wieder mahnend, aber nie belehrend vor ökologischen Veränderungen warnte. Neues lernen zu wollen ließ ihn reisen und an der Uni Basel studieren. Ein weiteres Herzensanliegen, vor allem in den letzten Jahren, war die engagierte Flüchtlingshilfe im Freundeskreis Asyl und die Tätigkeit als Kurator der Schubert-Durand-Stiftung.

Ihre Meinung ist uns wichtig
Die leckersten Gins vom Bodensee und Schwarzwald
Neu aus diesem Ressort
Lörrach
Lörrach
Lörrach
Lörrach
Lörrach
Lörrach
Die besten Themen
Kommentare (0)
    Jetzt kommentieren