Zum vierten Mal feiert Lörrach am 21. September den Tag der Demokratie. Dabei wird der Bogen geschlagen von den historischen Ereignissen von 1848 bis in die Gegenwart, in der sich zeigt, dass Demokratie kein Selbstläufer ist. Dieses Jahr steht die Veranstaltung unter dem Schwerpunktthema 70 Jahre Menschenrechte. Erstmals gibt es begleitende Aktionen. So spricht am 15. Oktober Sascha Lobo über digitale Menschenrechte.

Ausrufung der Demokratie

Am 21. September 1848 rief Gustav Struve in Lörrach die erste Republik auf deutschem Boden aus, seit 2015 begeht die Stadt an diesem Datum den Tag der Demokratie. Diesmal fällt er auf einen Freitag. So entschied man, die Aktion vom Mittag auf 17 Uhr zu verlegen – in der Hoffnung, so mehr Publikum zu erreichen, erklärt Lars Frick, Fachbereichsleiter Kultur und Tourismus.

Weil vor 70 Jahren die Generalversammlung der Vereinten Nationen die „Allgemeine Erklärung der Menschenrechte“ verkündete, lag es nahe, die Themen zu verknüpfen, zumal Unicef und Amnesty International sich zurzeit darum bemühen, in Lörrach einen Pfad der Menschenrechte zu etablieren. Schließlich hat Gustav Struve 1848 auch Ideen formuliert, die in die Menschenrechts-Erklärung einflossen. Die Rede hält Peter-Matthias Gaede, der dem Vorstand des Deutschen Komitees von Unicef angehört und 1994 bis 2014 Chefredakteur des GEO-Magazins war.

Markt der Zivilgesellschaft

Weil Mitstreiter ins Boot geholt wurden, findet nicht alles an diesem Tag statt. Am 21. September selbst gibt es im Zentrum einen Markt der Zivilgesellschaft, an dem sich Gemeinderatsfraktionen und Fairnetzt oder das Zukunftsforum beteiligen. Dabei geht es auch darum, die Demokratie am Leben zu halten, indem man wählen geht oder sich etwa bei der Kommunalwahl 2019 zur Wahl stellt. Um 20 Uhr ist Poetry Slam im SAK Altes Wasserwerk, ebenfalls zum Thema Revolution und Demokratie. Den Tag über finden kostenlose Führungen statt. Von 9 bis 17 Uhr ist das Amnesty-Mobil an der Gewerbeschule zu Gast.

Bereits am Mittwoch, 12. September, dreht sich bei der „Suppenküche über den Tellerrand hinaus“ in der Alten Feuerwache neben dem Essen alles um die Menschenrechte. Am Samstag, 15. September, werden im Nellie Nashorn Möglichkeiten der Mitbestimmung beleuchtet, gemeinsam mit der Gruppe Fairnetzt. Zum „Internationalen Tag der Demokratie“ lädt das Kreisjugendreferat, Luisenstraße 35, am gleichen Tag von 10 bis 15 Uhr ein. Unicef feiert am Samstag, 22. September, von 10 bis 16 Uhr das Lörracher Brunnenfest. Sauberes und ausreichendes Wasser sind auch Thema bei der Matthäusgemeinde am Sonntag, 23. September. Es beginnt um 10 Uhr mit einem Gottesdienst, im Anschluss gibt es einen Bericht über Wasser-Projekte von „Brot für die Welt“ mit Diskussion und Apéro. Am 15. Oktober spricht um 20 Uhr im Werkraum Schöpflin Sascha Lobo über digitale Menschenrechte. Lobo hat mit anderen eine Digitalcharta entworfen.

Die Sparkasse Lörrach-Rheinfelden unterstützt den Tag der Demokratie mit 5000 Euro. Beim ersten Lörracher Tag der Demokratie 2015 schien Demokratie noch etwas Selbstverständliches zu sein. „Aktuell scheint sie bedroht, und deshalb ist es wichtig, diesen Tag zu begehen“, sagt deren Vorstandsvorsitzender André Marker. Auch Oberbürgermeister Jörg Lutz betont: „Demokratie muss immer wieder neu vermittelt und verteidigt werden, ebenso wie die Tatsache, dass die Menschenrechte für alle gelten.“