In Deutschland wie in der Schweiz wird nach einem nationalen Endlager für Atommüll gesucht. Über den Sachstand aus der Perspektive des Kreises Lörrach berichtete dieser Tage der Erste Landesbeamte Ulrich Hoehler im Umweltausschuss des Kreistags.

Der Bundestag hat am 23. März ein Gesetz beschlossen, auf dessen Basis in einem wissensbasierten, transparenten Verfahren mit umfangreicher Bürgerbeteiligung der bestmögliche Standort zur Einlagerung von hochradioaktiven Abfällen gefunden werden soll. Es sieht vor, dass bis 2020 eine Vorauswahl getroffen wird, bis zirka 2031 ein Standort gefunden ist und bis 2050 das Endlager in Betrieb geht.

Noch ist die Standortsuche aber offen. Im Fokus stehen laut Hoehler aber wohl große Formationen von Ton oder Salz, wie sie in Norddeutschland zahlreich sind. Im Süden gibt es eine große Tonformation im Raum Ulm sowie eine kleine im Hegau (Kreis Konstanz). Granitformationen, wie sie im Schwarzwald vorkommen, seien eher nicht im Blick.

Mit einer Bewertung hielt sich Hoehler aber zurück: Der Hegau – rund 100 Kilometer Luftlinie von Lörrach entfernt – käme zwar in Betracht; in anderen Regionen Deutschland gebe es aber wesentlich größere geeignete Flächen. Zudem habe sich die Schweiz, die in der Standortsuche schon weiter fortgeschritten ist, wegen der Erdbebengefahr gegen den Hegau entschieden. In Deutschland werde man voraussichtlich zur selben Einschätzung kommen.

Drei der Standorte, die in der Schweiz näher ins Auge gefasst werden, liegen in Grenznähe zu Deutschland: Jura Ost ist rund 40 Kilometer von Lörrach entfernt, Nördlich Lägern 60 und Zürich Nordost 80 Kilometer. Von 2019 sind zur weiteren Erkundung Tiefenbohrungen geplant. Nachdem Nördlich Läger, das zwischenzeitlich als Standort ausgeschlossen war, wieder im Rennen ist, hat sich vor kurzem der deutsch-schweizerische Verein Nördlich Lägern ohne Tiefenlager, kurz Loti, neu formiert, um gegen ein Endlager im Grenzgebiet zu kämpfen.

Das Problem der Endlagerung könne nicht auf den St. Nimmerleinstag verschoben werden, sondern müsse gelöst werden, sagte Paul Renz (CDU). Peter Schalajda (Grüne) fand bemerkenswert, dass die Schweiz vor allem Standorte in Grenznähe favorisiert. Bei Hanspeter Buck (SPD) kam da „ein Verdacht auf“. Wie Renz regte auch Ulrich May (Freie Wähler/Unhängige) einen Bericht zum konkreten Sachstand in der Schweiz an. Landrätin Marion Dammann sicherte zu, dass hierfür Martin Steinebrunner, Geschäftsführer der Deutschen Koordinierungsstelle Schweizer Tiefenlager, demnächst in das Gremium eingeladen werden soll.