Streuobstwiesen spielen für die biologische Vielfalt eine herausragende Rolle. Mit tausenden Tier- und Pflanzenarten zählen sie zu den artenreichsten Lebensräumen in Mitteleuropa. Auch die Stadt unterhält für den Natur- und Klimaschutz solche Wiesen, die ein Naturkreislauf für sich sind. Wenige Meter von einer stark befahrenen Straße entfernt entfaltet sich in Tumringen eines dieser Kleinode mit einer wichtigen Aufgabe für die Zukunft.

Alle paar Minuten fährt ein Auto vorbei an diesem Freitagmorgen auf der Röttlerstraße zwischen Haagen und Tumringen. Wenige Schritte davon entfernt befindet man sich aber mitten in der Natur. Auf der Streuobstwiese ticken die Uhren anders. Sie ist ein Naturkreislauf für sich, der mit dem geschäftigen Leben der Tumringer Gewerbebetriebe direkt gegenüber nicht viel gemeinsam hat. Dort zirpen Grillen, zwitschern Vögel und surren Insekten durch die Luft. Vor den im hohen, feuchten Gras stapfenden Füßen springen Grashüpfer eilig davon.

Die Wiese ist eine Welt für sich, die Obstbäume tragen dazu bei, dass wild lebende Tier- und Pflanzenarten eine Heimat finden. „Eine gute Streuobstwiese hat einen großen Altbaumbestand, doch es müssen junge Bäume nachgepflanzt werden“, sagt Ilse Bördner vom städtischen Fachbereich Umwelt und Klimaschutz. Eine gesunde Mischung verschiedener Altersklassen sei wichtig, weil ältere Bäume absterben können. Doch auch solche, die keine oder nur noch wenige Früchte hervorbringen, spielten als Heimat für Vögel und Kleinlebewesen eine wichtige Rolle.

Streuobstwiesen haben für die biologische Vielfalt eine herausragende Bedeutung. Mit mehr als 5000 Tier- und Pflanzenarten zählen sie zu den artenreichsten Lebensräumen in Mitteleuropa. Insekten wie Honig- und Wildbiene sowie Schmetterlinge finden dort in der Blütezeit Nahrung. Im Spätsommer und Herbst locken die Früchte Nagetiere wie Feldmaus oder Wildkaninchen an. Ebenso fühlen sich dort Maulwurf, Igel und Zauneidechse wohl. Deshalb werden auf den städtischen Ausgleichsflächen immer wieder Streuobstbäume gepflanzt. So wird nächstes Jahr als Ausgleich für die Eingriffe fürs Neubaugebiet Belist auf Brombacher Gemarkung eine bislang intensiv bewirtschaftete Wiese aufgewertet. Sie wird derzeit gedüngt und mehrmals im Jahr gemäht, weshalb sie von Gräsern dominiert wird und artenarm ist.

50 bis 100 Liter Wasser alle zwei Wochen

Deshalb spielt der Mensch eine Rolle für diesen Naturkreislauf. Zwar wird die Streuobstwiese extensiv bewirtschaftet, das heißt nicht gedüngt und nur zwei Mal pro Jahr gemäht, weil das laut Bördner optimal für den Naturhaushalt sei. Doch für die gute Mischung von Altersklassen im Baumbestand müssen junge Bäume gepflanzt werden. Die brauchen Pflege, Dünger und Wasser. In den ersten drei bis fünf Lebensjahren muss vor allem in trockenen und heißen Sommern gegossen werden: etwa 50 bis 100 Liter pro Baum, alle zwei Wochen. Jedoch nicht in einem Wasserschwall, sondern nach und nach. „Damit es den Boden durchtränkt und der Jungbaum ein Reservoir hat“, erklärt Bördner. Streuobstwiesen unterhält die Stadt in Stetten Süd, am Tüllinger, an der Clara-Immerwahr-Straße sowie in Tumringen am Vogelsang, beim Kirchberg und entlang des Stammbachgrabens.

Am Tüllinger Berg setzt die Stadt sich für den Erhalt der Streuobstwiesen ein. Bislang gab es vier Pflanzaktionen. 46 Streuobstbäume wurden gepflanzt. Zwei Aktionen wurden mit Lörracher Grundschulen veranstaltet, um Schüler für den Klimaschutz zu sensibilisieren. Mit dem Erhalt der Obstbäume beteiligen sich Lörrach und das Trinationale Umweltzentrum (Truz) am Projekt Modellregion Biotopverbund Markgräflerland (Mobil) des Landes Baden-Württemberg.

„Durch die Obstbäume wird das Gebiet ökologisch aufgewertet, um als Lebensraum für seltene Arten erhalten zu bleiben“, sagt Bördner. In diesem Projekt gibt es am Sonntag, 22. September, von 10 bis 16 Uhr, einen Streuobsttag am Lindenplatz. Dazu wird es Exkursionen, einen Naturgartenspaziergang, eine Rebführung sowie ein Streuobstklassenzimmer für die ganze Familie geben. Neben seiner pflegerischen und erhaltenden Aufgabe profitiert der Mensch von diesem Naturkreislauf. Die Streuobstwiesen bildeten seit jeher – und in manchen Regionen noch heute – die Grüngürtel um Städte herum. Durch das unbehandelte Obst kann der Speiseplan erweitert werden. Da wären Kirschen, Birnen oder Zwetschgen, die nicht nur direkt verzehrt oder verkocht werden können. Aus ihnen wird auch Schnaps gebrannt. Aus Äpfeln wird Saft, Most oder Mus gewonnen. So stellt auch die Stadt Lörrach ihren Apfelsaft aus heimischem Obst her, der vom SAK gepresst und vertrieben wird. Die Stadtverwaltung selbst kauft dort einige Kisten, um sie als Präsente zum Beispiel an Besucher aus Partnerstädten weiterzugeben.

Termin: Streuobsttag, Sonntag, 22. September, 10 bis 16 Uhr, Lindenplatz.