Zur Registrierungsaktion der DKMS (Deutsche Knochenmarkspenderdatei) waren am Sonntag viele hundert Menschen in die Mehrzweckhalle nach Brombach gekommen. Ins Leben gerufen haben die Aktion Familie und Freunde des 33-jährigen Kadir aus Lörrach, der an Blutkrebs erkrankt ist und dringend eine Stammzellspende benötigt.

Wie einfach und schnell die Typisierung geht, ist vielen gar nicht bewusst. Binnen weniger Minuten ist man registriert und kann so zum Lebensretter werden.

„Mund auf, Stäbchen rein, Spender sein“, so lautet der Slogan der DKMS. Und so einfach ist es tatsächlich, sich als möglicher Stammzellspender registrieren zu lassen, wie es sich bei der Aktion in Brombach zeigt.

Die erste Station ist am Tisch einer der vielen Freiwilligen, der erklärt, wie die Typisierung funktioniert. Erst wird abgeklärt, ob eine Krankheit eine Spende ausschließen würde, wie etwa schwere Herz-Kreislauferkrankungen, Stoffwechselstörungen oder auch extremes Über- oder Untergewicht.

Drei Wattestäbchen gilt es dann je eine Minute innen an der Wange entlang zu streichen und zu drehen. „Einmal links, einmal rechts und dann auf beiden Seiten“, erklärt Helfer Michele Pietrantuono. Das sieht ein bisschen wie Zähneputzen aus und tut überhaupt nicht weh. Die Daten sind schnell aufgenommen, dann geht es einen Tisch weiter.

Dort wird noch einmal kontrolliert, ob der Barcode der Probe mit dem auf dem Formular übereinstimmt und an der letzten Station erhält man den Durchschlag mit seinen Daten und auch mit der persönlichen Spender-Nummer. Alles in allem eine Sache von nicht einmal zehn Minuten, die aber im besten Fall Leben retten kann.

So sieht es auch Caner Acar. „Dass es so einfach ist, hätte ich nicht gedacht“, sagt der 24-Jährige. „Es könnte jeden treffen und deshalb ist es wichtig, sich registrieren zu lassen“, findet er. Für Burak Keskin zählt die Menschlichkeit und, dass man zusammenhalten muss. „Da ist es egal, welche Religion oder Nationalität man hat, denn Blut ist bei allen rot", sagt der 25-Jährige.

Um die Typisierungsgespräche führen zu können, wurden die vielen freiwilligen Helfer aus der Familie und dem Freundeskreis am Morgen von Andreas Bausch und Duygu Keles von der DKMS eingewiesen. Die beiden kommen aus Tübingen und haben das Material für die Registrierung mitgebracht.

Während der Typisierungsaktion helfen sie, wenn es zum Beispiel darum geht, ob eine bestimmte Krankheit von einer Spende ausschließt oder nicht. Aktionen wie in Brombach gibt es von der DKMS fast jedes Wochenende, erzählt Andreas Bausch und das sei auch gut so.

Denn je mehr Menschen registriert sind, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass jemand, der wie Kadir auf einen Stammzellspender angewiesen ist, seinen genetischen Zwilling findet. Aktuell sind rund 8,5 Millionen Menschen in Deutschland registriert.

33 Prozent der an Blutkrebs erkrankten Menschen finden einen Spender im familiären Umfeld, für alle anderen braucht es die Suche nach einem Spender weltweit über Datenbanken.

Wenn ein Spender gefunden wurde und abgeklärt ist, ob dieser tatsächlich spenden kann und will – eine Registrierung ist nämlich keine Verpflichtung – dann erfährt auch der Empfänger davon. Nach einer erfolgreichen Spende ist der Patient vom Blutkrebs geheilt.

Nimmt der Körper die gespendeten Stammzellen an, bildet sich ein komplett neues Blutsystem, erklärt Andreas Bausch. Dadurch kann sich auch die Blutgruppe ändern. Ein persönlicher Kontakt zwischen Spender und Empfänger kann in Deutschland hergestellt werden, jedoch erst nach zwei Jahren.

Davor kann man als Spender aber Updates über den Gesundheitszustand des Empfängers erhalten und sich auch über anonyme Briefe austauschen.

Über www.dkms.de kann man sich jederzeit ein Set zur Registrierung nach Hause kommen lassen oder Geld spenden.