Lörrach – In unserer immer digitaler werdenden Welt hat es vor allem eine Einrichtung nicht leicht: die Bibliothek. Seit 2013 bieten daher zehn Bibliotheken der Region mit der „Onleihe Dreiländereck“ eine digitale Bibliothek. Hörbücher, digitale Bücher und Zeitschriften können hier online ausgeliehen werden. Doch was bedeutet das Angebot für die Stadtbibliothek?

Immer weniger Menschen kaufen Musik auf CDs – heute gibt es Streaming-Dienste wie Spotify und Apple Music. Auch Videotheken haben es schwer, Netflix und Amazon Prime bieten bequemes Filmegucken vom Sofa aus. Die Onleihe Dreiländereck bietet etwas ganz Ähnliches – für Bücher. Überall, wo man Internet hat, kann man auf dem Smartphone, Tablet und Computer dort Bücher, Hörbücher oder Zeitschriften herunterladen. „Wie Online-Shopping mit Medien“, sagt Maike Wilsch, die bei der Stadtbibliothek Lörrach für die Onleihe zuständig ist.

Wer ein Benutzerkonto bei einer der zehn Bibliotheken im Verbund hat, zahlt für das digitale Angebot nichts extra. Drei Wochen kann man digitale Bücher ausleihen, Zeitschriften gibt es stundenweise. So entstehen keine Mahngebühren: Nach abgelaufener Zeit ist die Datei nicht mehr aufrufbar. Pro Konto dürfen zehn Titel gleichzeitig ausgeliehen werden.

Allerdings deckt sich das Angebot nicht mit den Büchern, die die Bibliotheken vor Ort haben – denn die Lizenzen für die digitalen Versionen müssen die Bibliotheken extra bezahlen. Und die seien manchmal sogar teurer als die Printlizenzen, so Wilsch. Manche Verlage sträubten sich noch gegen das Konzept, denn es sei rechtlich noch nicht so gut geregelt wie der traditionelle Buchmarkt. Allerdings seien die Bibliotheken natürlich abhängig von den Verlagen – wenn diese eine digitale Lizenz nur für einen Zeitraum gewähren, müsse die Bibliothek eben nach Ablauf erneut bezahlen, sagt Sabine Dietrich, Leiterin der Stadtbibliothek Lörrach.

Insgesamt 8363 Büchertitel umfasst die Onleihe, Stand Januar 2019, 1371 Hörbücher und 975 Zeitungen und Zeitschriften. Der Schwerpunkt liegt auf Belletristik und Sachbüchern. In den Bereichen gibt es auch die meisten Ausleihen: 2018 gab es im Verbund 55 093 Ausleihen in der Belletristik und 24 305 Ausleihen im Sachbuchbereich.

Digitales Lesen ist besonders unterwegs beliebt

Finanziert wird die Onleihe von den zehn Bibliotheken im Verbund, jede gibt fünf Prozent ihres Medienetats. In Lörrach waren das vergangenes Jahr 6170 Euro. Damit zahle Lörrach zwar am meisten, so Dietrich, aber 30 Prozent der Ausleihen kämen auch aus Lörrach. Und: Der Etatanteil decke sich mit den Nutzerzahlen, etwa fünf Prozent der Ausleihen bei der Stadtbibliothek erfolgten über die Onleihe. „Das wird immer mehr und entwickelt sich rasant, ist aber trotzdem insgesamt ein kleiner Anteil“, sagt Dietrich.

Da die Nutzerzahlen der Onleihe zunehmen – im Spitzenmonat des letzten Jahres, dem August, waren es 10 050 Ausleihen im Verbund –, werde man demnächst diskutieren, ob man mehr investiert in das digitale Angebot. Dietrich ist dafür, allerdings sagt sie auch: „Die digitalen Medien werden ja oft als die Zukunft gesehen – ich persönlich sehe das nicht so. Die Onleihe ist für uns ein ergänzendes Angebot.“ Ein bestimmter Personenkreis nutze das gern, aber vielen sei nach wie vor das gedruckte Buch wichtig.

Wer die Onleihe nutzt, kann die Bibliothek allerdings nicht einsehen. Björn Hub, der eine Beratung zur Onleihe anbietet, sieht vielfach ältere Menschen, die das spannend finden: „Die Schrift lässt sich digital sehr stark vergrößern, deshalb ist das für ältere Menschen sehr attraktiv“, sagt er. Insgesamt sei zuhause nach wie vor das gedruckte Buch das Medium der Wahl. Bei Pendlern und Menschen im Urlaub hingegen sei das digitale Angebot beliebt: „Das ist eine super Ergänzung für die Mobilität“, so Hub. Man muss keine schweren Bücher mitschleppen, überall können neue Bücher geladen werden.

Trotzdem begreift die Stadtbibliothek die Onleihe als Ergänzung, nicht als Ersatz der Bibliothek vor Ort. „Ich habe nicht das Gefühl, dass die Leute deshalb wegbleiben“, sagt Dietrich. „Manchmal kommen sie und lesen die eBooks hier vor Ort, oder sie nutzen die Bibliothek zum Lernen.“ Die Bibliothek verändere sich von einem Ausleih- hin zu einem Aufenthaltsort, meint Dietrich. Sie sei heute wie ein Café, ein Ort, an dem man sich gern aufhält, auch für mehrere Stunden, „und nicht mal etwas konsumieren muss“. Daher würde sie gern mehr in Sitzmöglichkeiten und Arbeitsplätze investieren – doch das städtische Geld sei dafür momentan zu knapp.

Für die Leiterin ist das Tolle an einer Bibliothek, „dass ganz viele unterschiedliche Leute den Weg hierher finden“. Gerade heute, wo häufig in Nischen gedacht werde, habe die Bibliothek auch die soziale Funktion, Menschen vor der Vereinsamung zu bewahren. Hier könne das Digitale zusammenfinden mit der wirklichen Welt: Wenn die Bibliothek als Ort verstanden wird, wo neue Technik ausprobiert werden kann. „Der Gedanke dabei ist aber immer, Menschen zusammen zu bringen“, so Dietrich.

Onleihe Dreiländereck im Internet:
http://www1.onleihe.de/dreilaendereck