Natur-, Klima- und Umweltschutz sind mitten in der Gesellschaft angekommen, denn es gilt, Gefahren abzuwenden: die Wetterextreme, die der Klimawandel mit sich bringt, sowie das Insektensterben, ausgelöst durch Monokulturen. Da tut eine Stadt gut daran, sich mit der Förderung von Artenvielfalt auseinanderzusetzen. Doch manchmal bedeutet Naturschutz und der Erhalt der Artenvielfalt auch, gegen das Wachstum von Pflanzen vorzugehen, wie gegen die Ausbreitung invasiver Neophyten.

Das sind Pflanzen, die in hiesigen Breiten nicht heimisch sind, sich rasant ausbreiten und alles andere überwuchern. Sie verdrängen die heimische Pflanzenwelt, schaden der Biodiversität und verursachen große wirtschaftliche Schäden. Doch eine gebietsfremde Pflanzenart ist nicht per se mit Problemen für die heimische Flora und Fauna behaftet. So sei der Zürgelbaum, der anders als die Platane sowohl mit Hitze und Trockenheit als auch mit kalten Wintern klar kommt, laut Jens Langela (Betriebsleiter Eigenbetriebe Werkhof) in unseren Breiten auch nicht heimisch. „Doch es ist nicht zu erwarten, dass dieser die heimische Flora verdrängt“, sagte er beim Pressegespräch am Montag über das Grün in der Stadt.

Handlungsbedarf wegen problematischer Neopythen 

Invasive Arten, die im Stadtgebiet kartiert wurden, sind der Japan- und Sachalin-Knöterich, Späte und Kanadische Goldrute sowie der Essigbaum. „Auf verschiedenen Flächen in Lörrach haben wir ein Knöterich-Problem“, sagt Britta Staub-Abt, Fachbereichsleiterin Umwelt und Klimaschutz. Da sich diese problematischen Neophyten immer weiter ausbreiten, bestehe Handlungsbedarf. „Doch es gibt nicht die eine richtige Methode, um die Pflanze zu verdrängen“, sagt Staub-Abt. Deshalb versucht es die Stadt derzeit auf zweierlei Arten.

Auf einer Wiese bei Stetten breitete sich der japanische Staudenknöterich auf einer Fläche von 2000 Quadratmetern aus. Seit 2016 wird sein Wachstum durch häufiges Mähen eingedämmt. Dabei wird er bei einer Bestandshöhe von 40 Zentimetern abgemäht. Dadurch werden die Pflanzen geschwächt. Im ersten Jahr war eine neunmalige Mahd nötig, 2018 noch viermal, Anfang August war der dritte Schnitt des Jahres 2019, ein weiterer ist für Herbst geplant.

Knöterich soll mit Plastikfolie eingedämmt werden

Auch in Tumringen breitet sich der Japanknöterich auf einer städtischen Streuobstwiese aus. Dort wird versucht, das Wachstum mit Hilfe von Plastikfolien einzudämmen. Mehrere Folien wurden dazu aufgebracht. Oft käme laut Staub-Abt der Hinweis aufs Ausgraben. „Doch bleibt nur ein Stückchen der Pflanze im Boden, wächst sie erneut“, sagt sie.

Wegen strenger Datenschutzbestimmungen ist es der Stadt nicht erlaubt, Eigentümer privater Flächen mit invasiven Neophytenvorkommen zu ermitteln und anzuschreiben. Daher ist diese wiederum auf die Mithilfe des Einzelnen angewiesen – für die Förderung und den Erhalt der Artenvielfalt.