Lörrach – Mit dem Abschlussturnier in der Neumatthalle ist wieder eine Nachtsportsaison zu Ende gegangen, die in den mehr als zehn Jahren ihres Bestehens Erfolgsgeschichte schrieb. Eine Teilnehmerzahl von fast 1000 Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahren gab es von Oktober bis April in der Neumatt- und der Salzerthalle bei dem Angebot, das der SAK als Dienstleister der Stadt Lörrach betreut. Zum Saisonabschluss wurde wieder Fußball gespielt, doch das ist nur ein kleiner Teil dessen, was den Nachtsport ausmacht.

Das Rufen der Spieler ist schon am Halleneingang deutlich zu hören. Die Kicker feuern sich an und kommentieren die teils blitzschnellen Angriffe des Gegners mit Buh-Rufen. Auch von der Zuschauertribüne her schallen Laute der Zustimmung oder Ablehnung. Es herrscht eine ausgelassene, manchmal fast wilde Atmosphäre, in der aber jeder fair und freundlich bleibt. Am Ende des Fußballspiels klatschen sich alle ab, denn eigentlich geht es nicht ums Gewinnen, auch wenn ein gewisser sportlicher Ehrgeiz bei dem einen oder anderen Spieler spürbar ist. Dass die Jungs Freude haben, wird deutlich: Sie knuffen und umarmen sich oft spontan und im Vorbeigehen – wie Männer das untereinander eben tun, mit einer gewissen Coolness. Bei diesem Turnier wird das Miteinander über Kultur- und Nationengrenzen hinweg großgeschrieben. Womöglich geht es bei all dem Jungsgehabe aber auch um die Aufmerksamkeit der Mädchen, die auf der Zuschauertribüne Platz genommen haben.

Doch wer denkt, Nachtsport sei nichts für Mädchen, täuscht sich. „Wir wollen ganz klar auch Mädchen begeistern“, sagt Michael Granzow, der mit Philipp Roniger das Projekt koordiniert. Auch deshalb gehe es nicht immer nur um Fußball. Es könnten auch Basketball, Volleyball oder Tischkicker gespielt werden. Zudem gebe es Breakdance sowie Bewegungs- und Gemeinschaftsspiele in diesem niederschwelligen Angebot. Rund 500 Jugendliche nutzten in der abgelaufenen Saison das Angebot in der Neumatthalle. Auch in der Salzerthalle gebe es mit etwa 140 Jugendlichen wieder einen Aufwärtstrend, sagt Granzow. Inzwischen sei es gelungen, das Projekt dort vom Fußball weg wieder hin zu mehr sportlicher Vielfalt zu entwickeln, so dass sich inzwischen auch jüngere Mädchen und Jungen dafür begeistern.

Apropos Mädchen: Inzwischen gehören auch drei Betreuerinnen zum Nachtsportteam. „Das ist wichtig, denn so ist es leichter, weibliche Teilnehmer zu gewinnen“, sagt Granzow. Zudem gebe es in der Neumatthalle inzwischen einen Extraraum, den die Mädchen auf Anfrage für sich nutzen können. Für die Zukunft angedacht sei ein weiteres Nachtsportprojekt in Tumringen, so Roniger. Gespräche mit der Stadt stünden aber noch aus.

Beim Nachtsport und dem zugehörigen Abschlussturnier geht es vor allem darum, gemeinsam eine tolle Zeit zu haben. Doch bei all der Lockerheit verfolgt das Projekt auch das Ziel, jungen Menschen Halt und Orientierung zu geben. Dass es dabei auch erfolgreich ist, wird im Gespräch mit Granzow deutlich. Voller Stolz spricht er von seinen „Jungs und Mädels“. Gemeint sind damit auch die Coaches und Abendleiter, die sich aus dem Teilnehmerfeld herausbilden. „Die kommen freiwillig auf uns zu und wollen sich engagieren“, sagt Granzow. Für ihn ganz klar ein Zeichen dafür, dass das Konzept des offenen, respekt- und vertrauensvollen Umgangs ankommt, das aber auch Regeln und Grenzen beinhaltet.

Denn als Coach oder Abendleiter übernehmen die Jugendlichen Verantwortung. „Beschwerden gibt es selten bis nie“, sagt Granzow. Er ist stolz auf diese Jugendlichen aus 34 Nationen, die im Nachtsportprojekt eine gute Zeit zusammen haben. Für jedermann spürbar wird dieses funktionierende Miteinander über kulturelle Grenzen hinweg besonders beim jährlichen Abschlussturnier.