Garten der Planeten („Jardin des Planetes“) nennt sich das Kunstspektakel. Initiator ist Klaus Littmann. Der gebürtige Lörracher, der in Riehen aufwuchs, in den 70er Jahren an der damals wegweisenden Düsseldorfer Kunstakademie studierte und zeitweise eine Galerie in Basel betrieb, konfrontiert die Stadt seit Jahren regelmäßig mit vorübergehenden künstlerischen Eingriffen in den öffentlichen Raum – am Boden, an Fassaden, am Münster. Nun hat er das Interventionsfeld in den Basler Himmel erweitert. Die temporären Interventionen bieten optische Reize und Gesprächsstoff. Die Eingriffe oder Einmischungen – so die Übersetzung von Intervention –, die Littmann mit seinen Kulturprojekten organisiert, ziehen an und irritieren in einem. Die Installation „Engel“, für die der Japaner Tazro Niscino 2002 die Wetterfahne über dem Chordach des Münsters mit einem vorläufigen Zuhause umbaute, lockte zum Beispiel 30 000 Besucher auf die Konstruktion in 37 Meter Höhe.

Inspiration durch Joseph Beuys

Littmann, den in den 70er Jahren angeblich ein Gespräch mit dem legendären Künstler und Kunstprofessor Joseph Beuys animierte, sich in dessen Schülerschaft einzureihen, begann diese Aktivitäten in Basel in den 80er Jahren mit der Übernahme der legendären Galerie von Felix Handschin, die Künstler wie Jean Tinguely oder Dieter Roth betreut hatte. Er knüpfte an deren aktionistische Kunst an, ohne sich schlicht in deren Fußstapfen zu stellen. Im Gegenteil. Gleich die erste Ausstellung „Fußball in der Vitrine“ war nicht nur Hommage an das Spiel, sondern thematisierte dieses als Massenphänomen und Alltagskultur – und die Auseinandersetzung mit Alltag blieb eine Konstante. Nach dem finanziellen Crash der Galerie Mitte der 90er Jahre entwickelte Littmann dann die Kulturprojekte. Eines der frühesten war die Backstein-Intervention im Jahr 2000, in der prominente Bildhauer temporäre Backsteinskulpturen im Basler Stadtbild aufstellten.

Die neuerliche Intervention erweitert das Aktionsfeld in den Stadthimmel, will als „Kunsthimmel“ dazu animieren, globale Positionen zu überdenken oder überhaupt welche zu entwickeln, heißt es in einer Mitteilung. Inspiriert von dem französischen Maler Paul Cezanne und dessen Beobachtung „alles in der Natur modelliert sich wie eine Kugel“, trommelte der mittlerweile in Europa und Asien gut vernetzte Kunstinterventionator Littmann dafür zwölf Künstler aus Deutschland, Österreich, Frankreich, der Schweiz, den Niederlanden und Kanada zusammen. Diese haben die Oberflächen von zwölf Kugeln, die alle einen Durchmesser von vier Metern haben, mit unterschiedlichen Motiven gestaltet.

Von vergammelten Tiefkühlpizzen und Idioten

Jeder dieser Kugeln sei ein individuelles Kunstwerk – „ein künstlerischer Fixstern“, heißt es in der Mitteilung weiter. Zusammengenommen bildeten sie ein von Menschen geschaffenes Weltall mit eigener Schwerkraft. „Buitoni“ nennt sich zum Beispiel einer der Kunstplaneten, den der französische Künstler Michael Blazy angeregt vom allmählichen Vergammeln einer auftauenden Tiefkühlpizza gestaltet hat. Ein anderer, den der Basler Künstler Enrique Fontanilles entworfen hat, transportiert politische Botschaften und heißt „Mir Idiot“ nach dem russischen Raumschiff. Auf den nebeneinanderliegenden Arealen am Waisenhaus und am Lindenberg am Kleinbasler Rheinufer schweben diese am Boden fixierten Ballone nun gestaffelt, bis zu maximal 80 Meter über dem Boden und symbolisieren ein künstlerisches Planetensystem. Darüber erhalte Basel einen eigenen Kosmos, findet Littmann. Es entstehe ein Wechselspiel zwischen Stadt, Natur, Kunst und Universum. Aus Platzgründen sind aber immer nur neun der zwölf Planeten in der Luft. Indes sollen sie regelmäßig ausgewechselt werden, sodass alle gleichermaßen zu sehen sein werden.

Ein besonderes Spektakel bietet die Intervention nach Sonnenuntergang: Dank LED-Licht werden die Ballons zu leuchtenden Sphären über Kleinbasel. So wie das Projekt die Fragilität des Planeten thematisieren will, ist es indes auch selbst natürlichen Faktoren ausgeliefert. Je nach Wetter muss das Helium in den Ballons abgelassen oder nachgefüllt werden, muss auf Wind und schwankende Temperaturen geachtet werden. Deshalb wird der „Jardin des Planètes“ rund um die Uhr betreut und in knapp zwei Wochen, am
25. Oktober wieder demontiert. Sonst würde der Aufwand, sprich die Kosten zu groß, erläuterte Littmann. Am Basler Aeschenplatz ist mit der „Central Station“ der Künstler Franz Burkhardt und Peter Knapp derzeit übrigens noch eine zweite von Littmanns Kulturprojekten initiierte temporäre Kunst- und Alltagskulturintervention im Basler Zentrum zu sehen.