Wohnbebauung und Sportstätten sollen im Plangebiet Neumatt-Brunnwasser zwischen Haagen und Hauingen unter einen Hut kommen. Im Oktober will die Stadtverwaltung den Beteiligten zwei Varianten dafür präsentieren, kündigte sie unlängst beim Workshop gegenüber Sportvereinsvertretern und Gemeinderäten an. „Wir müssen eine gute Balance finden zwischen Wohnen und Sport“, beschreibt der städtische Fachbereichsleiter Gerhard Buchow (Jugend/Schulen/Sport) die Anforderung. Die Vereine erwarten dies gespannt und besorgt.

Direkt betroffen sind der SC Haagen, TC Haagen und FC Hauingen, involviert ist auch der TC Lörrach. Für die Fußballer des SC Haagen könnte die Entscheidung existenzbedrohend sein, fürchtet ihr Vorsitzender Jörg Müller. Wenn der Sportclub vom Gebiet Neumatt-Brunnwasser aufs Gelände des FC Hauingen ziehen müsste, „können wir uns in zwei Jahren abmelden“. Denn dies würden die Haagener nicht mittragen, ist er sicher. Er lobt, dass die Vereine einbezogen werden und nicht über ihren Kopf hinweg entschieden wird. Die Vereine bräuchten nun aber ein Konzept der Stadtverwaltung. „Wir sind bereit, uns zu bewegen.“

Auch die Tennisspieler des TC Haagen hängen an ihrem Standort. Ihr Vorsitzender Michael Winzer hält den Vorschlag, den die Fußballer aus ihrer unmittelbaren Nachbarschaft der Stadtverwaltung vor mehr als einem Jahr unterbreitet haben, aus Sicht seines Vereins für perfekt: Der SC verzichtet auf seinen an der Hauinger Straße gelegenen Rasenplatz zugunsten der geplanten Wohnbebauung und erhält als Ausgleich ein Kleinspielfeld mit Flutlicht.

Dieses soll neben dem Rasenplatz, auf dem er seine Punktspiele ausrichtet, liegen. Dieser Rasenplatz soll zum Kunstrasen umgebaut werden, damit er ganzjährig bespielbar ist. „Damit könnten wir leben“, sagt Müller. Dann bliebe neben den Tennisplätzen in Richtung Hauingen Platz für den Bau mehrerer Tennisplätze – je nach Ausmaß der Wohnbebauung.

Umzug des TC Lörrach für Wohnungsbau im Grütt

Mehr als die fünf Tennisplätze der Haagener sind notwendig, wenn der TC Lörrach auf ein gemeinsames Gelände mit ihnen umsiedelt. Dies wünscht die Stadt, um auf dessen jetzigem Gelände beim Campingplatz im Grütt ebenfalls Wohnraum zu schaffen. Für Neumatt-Brunnwasser ist bis zum Jahr 2021 der Bau von 150 bis 300 Wohnungen vorgesehen, fürs Grütt 80 Wohnungen bis Ende 2023.

Was den möglichen neuen Nachbarn betrifft, sagt Winzer: „Es ist unklar, was mit dem TC Lörrach geschieht.“ Man befinde sich mit ihm schon seit langem im Austausch. Die Haagener halten eine Kooperation der beiden Vereine für möglich und versprechen sich davon möglicherweise sogar Vorteile, weil dort dann mehr Spieler als aktuell aktiv sind. Eine Fusion habe der TC Haagen aber nicht im Sinn.

Die Stadtverwaltung analysierte auf breiter Basis die Bewegung der Mitgliederzahlen in den Tennis- und Fußballvereinen in der ganzen Stadt seit dem Jahr 2013 und will bis Ende Oktober zwei konkrete Vorschläge für die Sportstätten in Haagen und Hauingen liefern. Eine Entscheidung sei noch nicht gefallen, sagte Bukow der BZ. Nächstes Jahr soll der Gemeinderat eine Beschlussvorlage präsentiert bekommen. Diese „muss nicht auf diese Vereine beschränkt sein“, sagt er. „Wir müssen uns fragen, welche Vereine wir einbeziehen können.“

Die Zahl der Mitglieder im Fußball blieb mit aktuell 2456 seit fünf Jahren konstant, die der Tennisspieler in den fünf Vereinen der Stadt sank von 1032 auf 886. Dies sei „auf jeden Fall eine relevante Entwicklung“, sagt Bukow. „Wir wollen aber den Tennissport erhalten und nicht nur von Jahr zu Jahr denken.“ Die Zielrichtung der Vereine, also ob sie eher breiten- oder leistungssportlich orientiert sind, „müssen in der strategischen Sportplanung berücksichtigt werden“.

Fußballvereine benötigten drei Großspielfelder

Müller kann sich eine weitere Variante vorstellen, wenn die beiden Fußballvereine auf einer Anlage zentriert werden sollen: Ein gemeinsamer Standort auf der Gemarkungsgrenze von Haagen und Hauingen wäre in beiden Dörfern vertretbar. Jedenfalls hofft er, dass die Stadt Fingerspitzengefühl beweist und „die Balance zwischen dem großen Wurf und den Einzelinteressen der Vereinen“ findet. „Wir würden nicht Hurra schreien, wenn wir umziehen müssten“, sagt Vorsitzende Katharina Keßler vom FC Hauingen, „denn wir sind sehr glücklich mit unserem Standort. Wir sind aber offen für Gespräche über eine örtliche Zusammenlegung.“ Drei Großspielfelder benötigen die beiden Fußballklubs ihrer Einschätzung nach.