Der Landkreis Lörrach ist eine der sonnenreichsten Regionen Deutschlands. Was liegt da also näher, als die Sonnenenergie zu nutzen? In der Kläranlage Bändlegrund in Weil am Rhein, wohin das Abwasser aus Lörrach geleitet wird, wird das seit nunmehr elf Jahren auf ganz unkonventionelle Art gemacht: Der nasse Klärschlamm wird mit Sonnenwärme getrocknet. Dieses Verfahren spart Lastwagenfahrten und Entsorgungskosten und damit eine ganze Menge CO2. Unser aller Abwasser verschwindet im Abfluss und ist weg. Aber was passiert eigentlich damit? Das ganze Abwasser aus Lörrach, Weil am Rhein sowie einigen Gemeinden im Rebland und Vorderen Kandertal wird in der Kläranlage im Bändlegrund, in Weil am Rhein zwischen Friedlingen und Märkt am Rhein gelegen, gesammelt und gereinigt. Die Kläranlage wurde 1983 in Betrieb genommen und ist für 300 000 Einwohner ausgelegt. „Damit ist sie eine der größten im Land“, stellt Robert Schäfer, Geschäftsführer des Wieseverbands, der für die Abwasserbeseitigung zuständig ist, fest. So viele Einwohner hat das Einzugsgebiet nicht, aber das Abwasser der ansässigen Unternehmen wird entsprechend umgerechnet.

In der Kläranlage kommt jede Menge Wasser an. Darin enthalten sind Schmutzstoffe, ein Schlamm. Dieser setzt sich in den Vor- und Nachklärbecken am Boden ab und wird von dort weggepumpt. Zunächst wird er zwischengespeichert, dann kommt er in zwei Faulbehälter, die als riesige Kugeln auf dem Gelände stehen. Darin wird der Klärschlamm auf 40 Grad Celsius erhitzt und 35 Tage lang von Bakterien zersetzt. „Danach stinkt er nicht mehr“, erklärt Schäfer.

Bei der Zersetzung entsteht Gas. Das wird aufgefangen und in mehreren Blockheizkraftwerken (BHKW) verbrannt. Damit wird Strom erzeugt und Wärme, mit der die Gebäude und die Faultürme beheizt werden. Der Klärschlamm besteht zu 97 Prozent aus Wasser. Aus den Faulbehältern fließt er in zwei Kammerfilterpressen, die ihn entwässern, doch auch danach enthält er noch 72 Prozent Wasser. Früher wurde er dann abtransportiert zur Verbrennung. Doch weil so nasser Schlamm schlecht brennt, eine Menge Platz auf den Lastwagen einnimmt und die ganze Entsorgung 800 000 Euro pro Jahr kostete, sah der Wieseverband Anfang der 2000er Jahre Optimierungsbedarf. Jetzt kam die Trocknung durch die Sonne ins Spiel. „Als wir 2008 die solare Klärschlammtrocknung in Betrieb nahmen, war das eine ganz junge Technologie und wir gehörten zu den Ersten bundesweit, die so etwas machten“, berichtet Robert Schäfer. „Das zu tun war eine sehr gute Entscheidung, sowohl in finanzieller wie auch in ökologischer Hinsicht“, stellt er fest. Von außen sieht die Anlage sehr unscheinbar aus, wie ein Gewächshaus, 120 Meter lang und zweimal zwölf Meter breit. Was drinnen auf dem Boden liegt, sieht nicht aus wie Schlamm, sondern wie eine dunkelgraue Mischung aus Erde und Asche. In den Bahnen laufen langsam große Walzen hin und her, die die Masse wenden. Über ein Rohr mit Spiralförderung kommt der Schlamm aus der Entwässerungshalle und wird automatisch in drei Haufen pro Bahn abgekippt, erläutert Betriebsleiter Rudolf Knobloch. In die beiden Hallenteile werden je acht Tonnen Schlamm gekippt. Die Walzen wenden ihn mehrmals, weil die Sonne nur das, was oben liegt, trocknet. Zugleich schieben sie ihn langsam von einem Hallenende zum anderen. Die Anlage wird elektronisch gesteuert und per Kamera überwacht. Was am anderen Ende ankommt, sieht tatsächlich sehr trocken aus, enthält immerhin noch 40 Prozent Wasser. Aber eben nicht mehr 72 Prozent.

Klärschlamm bei der Solartrocknung in der Halle: An der Färbung ist der unterschiedliche Trocknungsgrad erkennbar. Die Anlage wird elektronisch gesteuert und per Kamera überwacht.
Klärschlamm bei der Solartrocknung in der Halle: An der Färbung ist der unterschiedliche Trocknungsgrad erkennbar. Die Anlage wird elektronisch gesteuert und per Kamera überwacht. | Bild: Thomas Loisl Mink

Bis zu 9000 Tonnen Schlamm fallen pro Jahr an. In der solaren Trocknung verdampfen rund 3000 Tonnen Wasser, die in die Luft abgegeben werden, was die zu entsorgende Menge um ein gutes Drittel verringert. Natürlich funktioniert die Anlage im Sommer am besten, da wird die Menge an Schlamm um rund 65 Prozent reduziert. Im Frühjahr und Herbst sind es etwa 35 Prozent, im Dezember und Januar nur zehn Prozent. Wegen der Industrieabwässer kann der Schlamm nicht als Dünger auf Feldern ausgebracht, sondern muss verbrannt werden. Das geschieht in Kohlekraftwerken und Müllverbrennungsanlagen, wo so Strom erzeugt wird. Weil nasser Schlamm schlecht brennt, muss Heizöl zugegeben werden.

Einsparungen

Durch die Trocknung werden pro Jahr rund 200 000 Liter Heizöl eingespart, zudem 20 000 Liter Dieselkraftstoff, weil 130 Lastwagenfahrten im Jahr gespart werden, was auch zur Reduzierung des Verkehrs beiträgt. Daraus resultiert eine Vermeidung von 500 Tonnen CO2 im Jahr und damit auch ein deutlicher Beitrag zum Klimaschutz.

Die Trocknungsanlage benötigt 200 Kilowattstunden Strom am Tag, aber 60 bis 70 Prozent des Stroms, der auf der Kläranlage verbraucht wird, produziert sie mit den Blockheizkraftwerken selbst. Auch die Entsorgungskosten, die mit der Abwassergebühr bezahlt werden, sind durch die Trocknung um bis zu 200 000 Euro im Jahr gesunken. 2,4 Millionen Euro hat die Solartrocknungsanlage 2008 gekostet, spätestens 2023 wird sie diese Summe eingespart haben. „Eine Erfolgsgeschichte“, bilanziert Schäfer.