Lörrach – Die Zulassungen für Autos sind in Lörrach in den vergangenen zehn Jahren stetig gestiegen. Zu Beginn dieses Jahres waren 26 324 Pkw zugelassen, vor zehn Jahren waren es noch mehr als 3000 weniger (22806). Das zeigen Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes. Das Problem: Im gleichen Zeitraum fielen rund 300 Parkplätze durch die Bebauung des Niederfeldplatzes und des Kinderspielplatzes weg – und jetzt nochmal 400 Stellplätze auf dem Conrad-Areal.

Ein Blick ins Archiv zeigt, dass die Diskussionen zur Schließung der Parkplätze auf dem Niederfeldplatz und dem Kinderspielplatz den heutigen stark ähneln. Anwohner und Politiker sorgten sich wegen der wegfallenden Parkplätze, die damalige Bürgermeisterin Marion Dammann sprach sich bezüglich der Pendler für den öffentlichen Nahverkehr aus. Bereits damals war klar, ein Parkplatz auf dem Conrad-Areal könne bloß als Provisorium dienen. Vielleicht hoffte man damals bereits, dass die Autozahlen künftig sinken würden und mehr Menschen auf Rad und Bahn umsteigen.

Stattdessen zeigen die Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes und des Statistischen Landesamtes eine gegenteilige Entwicklung. Kamen im Jahr 2009 auf 1000 Einwohner noch 473 Pkws, so lag dieser Wert zu Beginn des Jahres bereits bei 533. Die Dichte an Autos in der Stadt Lörrach ist demnach in den vergangenen zehn Jahren um gut elf Prozent gestiegen.

Im gleichen Zeitraum ist die Bevölkerungszahl von 48 190 auf 49 432 (2018, drittes Quartal) gestiegen, ein Zuwachs von etwa zwei Prozent. In absoluten Zahlen stehen dem Bevölkerungszuwachs von 1242 Menschen 3518 Pkw-Zulassungen entgegen. Bundesweit waren zum Jahreswechsel 47,1 Millionen Pkw zugelassen, 567 pro 1000 Einwohner.

Die Autofahrer in Lörrach werden sich demnach weiterhin die Frage stellen: wo parken? Für den Pendelverkehr entstehen derzeit auf dem Füssler-Areal im Bereich der S-Bahn-Haltestelle Haagen/Messe 85 neue Stellplätze, auch an der Schwarzwaldstraße werden bis zu 40 gebaut. Wer in der Stadt parken möchte, hat neben 1000 ebenerdigen Stellplätzen unter der Woche nochmals 1817 Stellplätze in neun Parkhäusern zur Verfügung, am Samstag gar 2089. Sie sind kostenpflichtig. „Es gibt Parkraum, die Frage ist nur zu welchem Preis“, sagte Klaus Dullisch, der städtische Fachbereichsleiter Straßen, Verkehr und Sicherheit, im Haagener Ortschaftsrat.

Auch Bürgermeisterin Monika Neuhöfer-Avdic wird nicht müde zu betonen, im Rahmen des neuen Stadtentwicklungskonzepts die Mobilität in der Stadt gänzlich neu zu denken. Besonders der öffentliche Nahverkehr soll weiter gefördert und ausgebaut werden. Ein erster Schritt ist das Ein-Euro-Ticket. Auch eine Taktverdichtung der S-Bahn ist angedacht, jedoch müssen zunächst die finanziellen Mittel sichergestellt werden.

Die Frage wird sein, ob die Maßnahmen ausreichen, um die Menschen zum Umsteigen zu bewegen. Letztlich liegt die Frage einer Pkw-Zulassung nämlich bei jedem Einzelnen, nicht bei den politischen Vertretern. Fest steht: Der Parkraum wird weniger, die Pkws werden es noch nicht.