Die Sache ist verzwickt: Für das dritte Gymnasium fehlt der Standort und für die gewünschte Realschule in den nördlichen Stadtteilen die Genehmigung und bislang auch die Alternative.

Die Lörracher Schulplanung steckt derzeit im Dilemma, dass sie nach einer langen Zeit des Diskutierens, Abwägens und Verhandelns schnell zu Lösungen kommen will. Dass gleichzeitig der Anspruch besteht, die Dinge nicht eindimensional zu denken, macht die Sache nicht einfacher. Dennoch will die Verwaltung bis Jahresende Lösungen vorschlagen.

Die Beschlusslage

Nach allen Regeln der Kunst hatte die Stadt Lörrach 2015 eine Schulentwicklungsplanung begonnen und neben Workshops und anderen Beteiligungsverfahren auch eine wissenschaftliche Begleitung eingesetzt. Bildungsexperten der Uni Tübingen hatten vorgeschlagen, zur Entlastung des Campus Rosenfels und zur besseren Verteilung der Angebote das Hebel-Gymnasium in die Neumatt zu verlegen, die Realschule an den Standort Albert-Schweitzer-Schule umzusiedeln, die Gemeinschaftsschule auf den Campus zu bringen und in Brombach eine weitere Gemeinschaftsschule aufzubauen mit dem Ziel, darauf langfristig ein gymnasiales Angebot für die Ortsteile aufzusetzen. Politisch war das nicht mehrheitsfähig. So einigte man sich im Konsens auf diese Lösung: Auf dem Campus Rosenfels bleibt alles beim Alten, für Entlastung sorgt ein drittes Gymnasium auf dem Gelände der Neumattschule, die Gemeinschaftsschule wird an der jetzigen Stelle ausgebaut und an der Hellbergschule in Brombach entsteht eine Realschule.

Die weitere Entwicklung

Bekanntlich fiel dieses Konzept auf übergeordneter Ebene durch: Das Kultusministerium genehmigt zwar das dritte Gymnasium, aber das Regierungspräsidium verweigerte die Zustimmung zur Realschule in Brombach. Die Hellbergschule müsse Werkrealschule bleiben, heißt es in Freiburg. Zwischenzeitlich hat sich in der Stadtverwaltung noch die Erkenntnis durchgesetzt, dass die vorhandenen Gebäude in der Neumatt nicht für ein Gymnasium taugen. Wenn also sowieso abgerissen und neu gebaut werden muss, könnte das auch anderswo sein. So kam es zur Idee, auch das Schöpflin-Gelände in Brombach, wo derzeit ein modellhafter Planungsprozess läuft, in die Überlegungen für die Standortsuche für ein Gymnasium einzubeziehen.

Aktuelle Aufgabenstellung

Die Stadt Lörrach befindet sich nach Einschätzung von Fachbereichsleiter Gerhard Bukow in der merkwürdigen Situation, eine mit vielen Beteiligungselementen entwickelte und im Konsens beschlossene Planung zu haben, diese jedoch nicht umsetzen zu können. „Wir haben ein Gymnasium ohne Standort und einen Realschulstandort ohne Realschule“, bringt Bukow die Situation auf den Punkt. Weil aber die Probleme auf dem Campus nicht geringer werden, weil an der Hellbergschule nicht länger Stillstand möglich ist und weil die Millioneninvestitionen in den Schulhausbau Weichenstellungen erfordern, verlangt die Kommunalpolitik in absehbarer Zeit neue Entscheidungsgrundlagen.

Bis zum Jahresende möchte der Fachbereich deshalb Standortvorschläge für das dritte Gymnasium präsentieren – einschließlich einer eigenen Priorisierung. Gleichzeitig wird an Lösungsvarianten für das Thema Realschule gearbeitet. Auch dabei ist es das Ziel, bis Jahresende ausgearbeitete Vorschläge zu präsentieren. Weil hier wie dort die Zeit drängt, wird es anders als bei der ursprünglichen Schulplanung keine großen Beteiligungsrunden geben. Die Verwaltung müsse die Vorarbeit leisten und der Gemeinderat dann entscheiden.

Grundsätzliche Überlegungen

Sowohl bei der Suche nach dem Standort für das Gymnasium als auch bei der Überlegung, wie und wo in der Stadt der Aspekt Realschule trotz des negativen Votums aus dem Regierungspräsidium noch gestärkt werden kann, geht der Fachbereich von zwei Überlegungen aus: Wo und wie lassen sich geschlossene Bildungsketten von der Kinderbetreuung bis zum Schulabschluss aufbauen und sinnvoll über das Stadtgebiet verteilen? Wie und vor allem wo wird eine möglichst große und zweckmäßige Nähe zu den Menschen erzielt? Dies betonen Gerhard Bukow und die stellvertretende Fachbereichsleiterin Ilona Oswald unisono.

Standortsuche Gymnasium

Aus diesen allgemeinen Ansätzen leiten sich konkrete Kriterien ab, die bei der Standortsuche für das neue Gymnasium mit einfließen. Geprüft werden Aspekte wie Infrastruktur, Erreichbarkeit, das Vorhandensein von Sportstätten, aber auch ökologische Aspekte und selbstverständlich die Kosten. Zu klären ist auch, wie die Wünsche der regionalen Wirtschaft berücksichtigt werden und wie gesellschaftliche Anforderungen etwa des Arbeitsmarkts zu beachten sind – und welche Folgen solche Erwägungen dann auf das Profil der Schule und schließlich auf den Standort haben.

Der Fachbereich tendiert zu einem naturwissenschaftlich-technischen Profil, damit einerseits die Berufsaussichten berücksichtigt werden und eine wirksame Entlastung des Hans-Thoma-Gymnasiums stattfindet. Ebenso sei es gut möglich, dass das dritte Gymnasium eine Ganztagsschule wird, sagt Bukow. Das wiederum hat Rückwirkungen auf die Standortwahl. Gerhard Bukow möchte auch sozialräumliche Überlegungen einbeziehen. Wo sind neu entstehende nachbarschaftliche Bezüge wichtig? Wo braucht es neue Begegnungs- und Aufenthaltsorte für Jugendliche?, seien beispielsweise solche Fragestellungen. Und ganz wichtig sei es, Stadtplanung eng mit der Schulplanung zu verknüpfen.

Eine Arbeitsgruppe befasst sich mit der Standortsuche. Dabei werden für alle Kriterien Punkte vergeben. Derzeit sind sowohl der Standort Neumattschule als auch das Schöpflin-Gelände in Brombach im Rennen. Weitere Optionen werden geprüft. Bis Jahresende will die Verwaltung dann mit einer umfassenden Standortbewertung in den Gemeinderat gehen. „Eine Hauptaufgabe der nächsten Wochen ist, diesen Prozess transparent zu machen“, erklärt Bukow. Die Verwaltung plant, auf dieser Basis dann einen konkreten Beschlussvorschlag unterbreiten zu können. Stand jetzt tendiert der Fachbereich zu einer Lösung im Gebiet der Ortsteile. Das Stadtgebiet nördlich beziehungsweise nordöstlich des Grüttparks sei so groß wie Schopfheim, habe aber kein adäquates Schulangebot, argumentiert Bukow.

Aspekt Realschule

Weil sich der Gemeinderat in der Stärkung der mittleren Bildungssäule einig war, bleibt die Stadt dabei, auch dafür Lösungen zu suchen. Geprüft wird derzeit, ob es eine Kooperation der Theodor-Heuss-Realschule (THR) mit der Hellbergschule geben kann. Denkbar sind auch Außenklassen der THR entweder am Standort Hellbergschule oder an der Neumattschule. Schließlich will der Fachbereich prüfen, „wie viel Realschule in einer Werkrealschule möglich ist“ (Bukow). Ein solcher Gedanke läge zwar nahe an der Linie des Regierungspräsidiums und hätte somit keine Genehmigungsprobleme. Gleichzeitig ist diese Lösung am weitesten von der Beschlusslage des Gemeinderats entfernt.