Lörrach – Gemeinsam mit tausenden Kindern und Jugendlichen weltweit sind am Freitag auch in Lörrach wieder Schülerinnen und Schüler unter dem Motto „Fridays for Future“ für mehr Klimaschutz auf die Straße gegangen. Mit dabei waren diesmal auch einige Eltern von „Parents for Future“.

Trotz des regnerischen Wetters sind an diesem Freitag mehr Jugendliche gekommen als zur Demonstration vor drei Wochen. 730 Schüler haben sich laut Veranstalter auf dem Lörracher Bahnhofsplatz versammelt, die Polizei sprach von 600. Während einige bereits bei der ersten Lörracher „Fridays for Future“-Demo dabei waren, kamen diesmal auch viele zum ersten Mal, um für mehr Klimaschutz auf die Straße zu gehen.

Mit selbst gebastelten Plakaten und guter Laune setzte sich der Zug in Richtung Innenstadt in Bewegung. Sie wolle etwas dagegen unternehmen, dass kaum etwas für die Umwelt getan werde, sagte die 15-jährige Almut Ilchmann von der Freien Evangelischen Schule. Die Politiker von heute betreffe der Klimawandel nicht mehr, gegenüber den Jugendlichen aber sei die aktuelle Klimapolitik unfair. Lauthals riefen die Schüler auf ihrem Weg immer wieder: „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut!“

Dem Vorwurf, sie sollten lieber in der Schule sitzen, widersprachen die Schüler deutlich. Schule sei zwar wichtig, so Leonie Friedl (14) aus Steinen, aber es sei wichtiger, die Zukunft zu retten. „Hier können wir mehr bewirken als in der Schule“, fand auch Carla Baum (13) vom Hans-Thoma-Gymnasium in Lörrach.

Auch einige Erwachsene waren diesmal dabei, etwa Lehrer oder Eltern von „Parents for Future“. Die Eltern wollten ihre Unterstützung für die Schüler und deren Forderungen zeigen. „Vielleicht schaffen sie es ja, was wir Erwachsenen bisher nicht geschafft haben“, sagte etwa Peter Schalajada. In seiner Rede auf dem Marktplatz griff Organisator Erik Mehrle den Hinweis auf die Schulpflicht auf: „Was bringt uns ein 1,0-Abi auf einem Planeten, der eh untergeht?“. An die Politik gerichtet forderte er: „Nutzt eure Macht und macht endlich was!“ Zum Ende forderte Mehrle die Anwesenden auf, sich für eine Schweigeminute still auf den Boden zu legen.

Auch wenn der Termin für die nächste Demo noch nicht feststehe, dass sie stattfinden werde, sei sicher, so der Organisator. Aurelia Delin von „Parents for Future“ bedankte sich bei den Schülern, „dass ihr uns aufgerüttelt habt“. Auch wenn von manchen Seiten Widerstand komme, sollten sich die Schüler nicht unterkriegen lassen: „Wenn ihre heute nicht im Geschichtsunterricht seid, dann, weil ihr selbst Geschichte schreibt.“Im Anschluss an die Demonstration hatten Kommunalpolitiker zu einer Diskussion im Theater Tempus fugit eingeladen. Mehr als 100 Schüler nutzten die Möglichkeit, Politikern Fragen zur Klimapolitik zu stellen, etwa Oberbürgermeister Lutz, seiner Vorgängerin Gudrun Heute-Bluhm und Landrätin Marion Dammann. Die jungen Leute interessierten sich für Projekte vor Ort, was in Lörrach bereits für den Klimaschutz getan wird und was in Zukunft geschehen soll. Außerdem wurden mögliche Verbesserungsvorschläge geäußert, unter anderem der Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel.

Jörg Lutz zeigte sich beeindruckt von dem Elan, den die Jugend mit ihren Demonstrationen an den Tag legt, und auch die Pressesprecherin von Tempus fugit, Recha la Dous, war begeistert von der konstruktiven Stimmung während der Diskussion. Zum Abschluss bot Heute-Bluhm, die beim Städtetag arbeitet, an, einer Gruppe Schülern die Möglichkeit zu verschaffen, einmal mit dem Umweltminister über die Klimapolitik zu reden. Schülerin Janina Müller zog das Fazit: „Die Diskussion ist ein guter Anfang, aber auf Kommunalebene kann einfach nicht so viel gemacht werden.“