Beim Lörracher Ein-Euro-Ticket will die Stadt notfalls auch auf „unkonventionelle Lösungen“ beim Vertrieb setzen. Dies sagte Oberbürgermeister Jörg Lutz bei einem Mediengespräch mit Blick auf die Gemeinderatssitzung am Donnerstag, in der die abschließende Beschlussfassung ansteht.

Das Ticket, das nur in Lörrach gilt und sich auch von der bestehenden Vierercard des RVL unterscheiden soll, muss die Stadt über eigene Kanäle verkaufen. Geplant sind Abgabestellen in Rathäusern und in der Tourist-Info. Die Verwaltung sucht noch nach weiteren Lösungen, etwa in Zusammenarbeit mit Pro Lörrach. Weil OB Lutz das neue Ticket vor allem als ein Angebot an Gelegenheitsfahrer und in einem Zusammenhang mit Park & Ride sieht, soll die Karte möglichst auch an solchen Stellen verfügbar sein. Als Beispiel nennt Lutz den künftigen P&R-Platz beim Bahnhof Haagen/Messe, wofür man, so Lutz, notfalls an Samstagen einen Verkäufer abstellen müsse.

Grundsätzlich sieht sich die Verwaltungsspitze mit dem Vorstoß in einer Vorreiterrolle. Viele Städte würden nach Lörrach schauen, sagten OB Lutz und Bürgermeisterin Neuhöfer-Avdic. Beide sind zuversichtlich, dass die Investition in das neue Tarifangebot (380 000 Euro) mehr Leute in den Öffentlichen Verkehr (ÖV) bringen werde. Das Argument, mit dem Ticket werde der teilweise schon an der Kapazitätsgrenze fahrende ÖV weiter belastet, weist Neuhöfer-Avdic zurück. Dann müssten die Verkehrsbetriebe eben die Kapazität erhöhen.

OB Lutz verwies darauf, dass im Gebiet des RVL die Steigerungsrate beim ÖV zuletzt 0,84 Prozent im Jahr betragen habe. Die Bevölkerung sei schneller jedoch gewachsen. Die SPD-Fraktion teilte unterdessen mit, sie werde weiter ein Ein-Euro-Ticket ohne zeitliche Beschränkung fordern. Dennoch werde sie am Donnerstag dem jetzigen Kompromiss zustimmen, der werktags bis 9 Uhr eine Nutzung ausschließt. Die SPD bedauert außerdem, dass das neue Angebot zunächst nur in Rathäusern und Kiosken erhältlich sein wird.

Es müsse „schnellstmöglich“ für einen Verkauf in den Bussen gesorgt werden, außerdem will die SPD die schnelle Einführung von Handytickets. Die Fraktion der Grünen weist darauf hin, dass sie nicht erst seit diesem Projekt den ÖV unterstütze. Vor 9 Uhr sei es ohnehin nicht möglich, neue Kunden zu gewinnen. Deswegen können die Grünen damit leben, dass die karte erst ab 9 Uhr gilt.

Die Grünen geben zu bedenken, dass das Ticket allein nicht viel bewirke. Es seien Verbesserungen bei Pünktlichkeit, Komfort und Verbindungen erforderlich sowie eine restriktive Parkraumbewirtschaftung.