Bei der „Rotssuppe“, dem Abschied der Narrenzunft von der Fasnachtskampagne, kommen immer diverse Akteure und Klangfarben zusammen: Die Zunftmeister mit ihren Beiträgen, der Chor der Gemeinderäte, der Dochehüüler-Preisträger, der Protektor oder die Protektorin, zum Schluss der Oberbürgermeister. Diese Mischung macht den Vormittag regelmäßig zu einer bärenstarken Veranstaltung – auch in diesem Jahr. Den Drochehüüler-Orden bekam Armin Schuster.

Die Ehrung erhielt der CDU-Bundestagsabgeordnete, weil er den Posten des Verfassungsschutzpräsidenten nicht bekommen hatte. Schuster bleib bei deinem Leisten, formulierte Zunftmeister Peter Quercher. Es sei eh nicht jede Beförderung dienlich – die Ehrung mit dem Drochehüüler-Orden hingegen schon. Mit einer meisterlichen Verteidigung nahm Schuster die Würdigung entgegen. Man solle froh sein, dass er nicht Nachfolger von Hans-Georg Maaßen wurde. Sonst wäre so manches, was sich in Lörrach inner- und außerhalb der fünften Jahreszeit so zutrage, längst zum Prüffall geworden.

Die Ordensverleihung ist nur einer der vielen Akte, die den Mittag bei Mehlsuppe und Zwiebelwähe Jahr für Jahr zu einem Leckerbissen machen. Oberzunftmeister Andreas Glattacker begrüßte dazu im prallgefüllten Lasser-Saal neben vielen Akteuren der Fasnacht unter anderem Repräsentanten der Kommunalpolitik und Wirtschaft und viele Gäste, die den Anlass immer wieder genießen. Dazu trägt stets das interfraktionelle Rats-Chörli bei. Das trägt zu Gassenhauern lokal zugeschnittene Texte bei, die aus der Feder von Hubert Bernnat stammen – da ging es heuer nicht nur um das Auslosen des Bürgermeister-Postens, den Parkplatzmangel und die Post, die nach dem Umzug keiner mehr findet, sondern auch um die Frisuren namhafter Rathaus-Mitarbeiter. Großartig auch der kommunalpolitische Rundumschlag zum Lied der 1848er-Revolution: „Ob wir’s können finanzieren/ müssen wir nicht bilanzieren/ Bürgerfreundlich handeln wir“. Auch bei den Beiträgen der Zunftmeister war wieder jede Menge Geglücktes dabei. Klaus Ciprian-Beha tat sein Verständnis von Klimaschutz kund, sein Kollege Andreas Kuck seine Gedanken zu 100 Jahren Frauenwahlrecht. Klaus Sterzel sprang gedanklich und örtlich nach hier und da, dies aber höchst vergnüglich. Thomas Wagner konzentrierte sich darauf, von seiner beinharten Kindheit zu berichten: Ohne zertifizierte Babytrage, Taxi Mama, TÜV-geprüfte Spielplätze war das Aufwachsen ein Überlebenskampf. Ein prächtig ironischer Text!

Schließlich Hansi Gempp, der nach 40 Jahren mit einem wunderbar deftigen Beitrag zu den Veränderungen in seinem Heimatstadtteil Tumringen den Abschied gab. Er geht jetzt in Narrenrente – doch auch künftig werde „in der Lörracher Narrenzunft einiges an Hansi drinstecken“, wie Andreas Glattacker mit einem großen Dank versicherte. Standing Ovations. Und Neues kommt ja nach. Andreas Kuck, Thomas Wagner und Fabian Weis wurden zu Zunftmeistern ernannt.

Schließlich der Abschied der Protektorin. Bürgermeisterin Neuhöfer-Avdic sang im schönsten Kölsch („wat war dat diesmal ’ne supergeile Zitt“) und schaute auf die Kampagne zurück – man nahm ihr ab, dass ihr dies Amt großen Spaß gemacht hatte. Ihr Bekenntnis zum Erhalt des Rathauses war dann die Vorlage für das Grußwort von Oberbürgermeister Jörg Lutz, der sich für das gemobbte Verwaltungsgebäude ins Zeug legte. Eine Ratssuppe voller Höhepunkte – „friss’n wäg, d’r Schnägg!“