Laut der Verwaltung ist die Zukunft des Cafés im Rosengarten gesichert. Fünf Bewerber wollen demnach den Pavillon im Grüttpark auf Erbbaurechtsbasis kaufen. Dennoch wird am Montag die IG Verkehr eine Unterschriftenliste bei Oberbürgermeister Jörg Lutz abgeben. Die Unterzeichner befürchten, dass der Pavillon künftig nicht mehr gastronomisch genutzt wird. Noch-Pächter Fritz Leisinger sagt: Es werde eine große Herausforderung, das Restaurant weiter zu betreiben. Unmöglich sei es aber nicht.

Der Raum ist leer, auf dem Boden hat sich ein Wasserfilm gebildet. In der Männertoilette stehen noch drei Urinale, sonst ist alles rausgerissen. So zeigen es die Bilder Leisingers, gemacht im April 2015. Viereinhalb Jahre später stehen im Pavillon im Rosengarten die Stühle auf den Tischen, in den Regalen hinter dem Tresen reihen sich Biergläser, Liköre und Sirupflaschen. Noch. „Im Oktober wird alles leer sein“, sagt Fritz Leisinger. Die Situation ist mit 2015 vergleichbar, der Pavillon muss saniert werden: Probleme machen die Heizung und das Dach.

Leisinger hat sich nach einem Bericht gemeldet. Die Bilder hat er vorab geschickt. „Wir haben 86 000 Euro investiert.“ Hätte man nicht viel in Eigenarbeit gemacht, wäre die Summe noch höher gewesen. „Wir hätten bis weit ins Jahr 2020 Reservierungen gehabt“, sagt Leisinger. Trotzdem hat er als Pächter des Rosencafés aufgehört. Im Kündigungsschreiben an die Stadt habe er Personalmangel als Grund angeführt: „Aber entscheidend ist, was davor war“, sagt Leisinger: „Die Unnahbarkeit der Verwaltung.“ Knackpunkt ist das Jahr 2018. Die Stadt hat seit Jahren den Pavillon verpachtet. Nun geht es um den Verkauf auf Erbbaurechtsbasis. Das heißt, zu diesem Zeitpunkt könnte Fritz Leisinger das Gebäude kaufen, für das Grundstück müsste er der Stadt jährlich einen Erbbaurechtszins zahlen. Leisinger ist mit den Vertragskonditionen nicht einverstanden, er wendet sich an die Stadtverwaltung. Diese kommt ihm entgegen.

Leisinger sagt nun, dass sich die Verwaltung in den entscheidenden Punkten nicht bewegt habe. Der Vertrag liegt dieser Zeitung vor. Ein Kritikpunkt Leisingers lautet, dass die Laufzeit 25 Jahre beträgt. Aufgrund der Investitionen, die er hätte tätigen müssen, sei das für Leisinger zu kurz gewesen. Bei Vertragsende hätte Leisinger zwei Drittel des Marktwerts erhalten. Das sei ihm zu wenig gewesen.

Entscheidung Ende November

Der Freiburger Anwalt Peter Pohl-Sitzler sagt: „Rein rechtlich ist es ein normaler Erbbaurechtsvertrag. Wenn es mein Mandant wäre, würde ich aus wirtschaftlichen Gründen sagen: Unterschreib das nicht.“ Pohl-Sitzler, dessen Schwerpunkt Bau- und Immobilienrecht ist, hält es zumindest für fragwürdig, dass der Pächter nicht den vollen Wert des Gebäudes bei Vertragsende bekommen hätte. Aber auch das sei rechtlich in Ordnung. Der Punkt sei Verhandlungssache zwischen den Parteien.

Oberbürgermeister Jörg Lutz hatte den Vertrag im Gemeinderat als üblich bezeichnet. Laut Annette Buchauer, Fachbereichsleiterin Gebäudemanagement, werde mit dem künftigen Käufer ein vergleichbarer Vertrag abgeschlossen. Fünf Bewerbungen sind laut Buchauer eingegangen. Spätestens Ende November soll feststehen, wer den Zuschlag erhält. Die Entscheidung fällt der Gemeinderat in einer nicht öffentlichen Sitzung. Buchauer sagt, dass die Konzepte unterschiedlich weit seien. Einige hätten sich bereits mit Architekten Gedanken gemacht, wie sie den Pavillon umbauen und sanieren könnten. Dass die Stadt vor dem Verkauf eine Sanierung in Auftrag gebe, wäre grundsätzlich möglich gewesen. Mit der Entscheidung, den Pavillon auf Erbbaurechtsbasis zu verkaufen, sei sicher gewesen, dass die Stadt nicht davor saniere.

Noch immer hält sich die Befürchtung, dass der Pavillon nicht mehr als Café oder Restaurant genutzt wird. Am Montag übergeben Anwohner und die IG Verkehr eine Unterschriftenliste an den Oberbürgermeister. Es gehe um die Frage, welche Bedeutung der Rosengarten für die Stadt und für die Anwohner habe: „Die widersprüchliche Gerüchteküche um den Rosengarten hat für rege Gespräche in der Nordstadt gesorgt“, so Natali Fessman auf Nachfrage. Laut der Sprecherin der IG wünschen sich die Anwohner, dass circa 700 Personen unterschrieben haben, drei Wochen seien die Listen ausgelegt gewesen. Sie hält es für möglich, dass die Zahl erreicht wurde. Laut Fessmann lag die Liste auch im Rosencafé aus.