Der Takt der Regio-S-Bahn soll dichter werden. Verkehren aber mehr S-Bahnen, drohen die Schranken an den Übergängen öfter geschlossen zu bleiben.

Bürgermeisterin Monika Neuhöfer-Avdic will dies verhindern. Zunächst müsse die vom Landratsamt beauftragte Studie über das Betriebskonzept abgewartet werden. Dennoch wird der Bau einer neuen Unter- oder Überführung in der Stadt mit dem Streben nach einem dichteren Takt wieder zum aktuellen Thema. Unterführungen zu verbessern und Verkehr zu vermeiden, sind weitere Optionen für sie.

Konsequenzen der Taktverdichtung beachten

„Die Taktverdichtung ist mein persönliches Wunschszenario“, sagt Neuhöfer-Avdic, das erhoffe sie sich von der Studie zum S-Bahnausbau. Die Ergebnisse sollen in der zweiten Jahreshälfte vorgestellt werden. Klappt es mit der Taktverdichtung, müssten die Konsequenzen betrachtet werden, nicht nur in Lörrach, sondern auch in Riehen und in den anderen Kommunen des Landkreises, die an der S-Bahnstrecke liegen und alle in den Prozess eingebunden sind. Der Raumschaft sei bewusst, dass das im Kontext der Studie ein Thema wird. „Wir wiesen schon darauf hin, dass man sich darum kümmern muss“, sagt Neuhöfer-Avdic auf Anfrage.

Die Bürgermeisterin gibt ein konkretes Beispiel für die Gedankenspiele: Würde der sogenannte Hinketakt mit abwechselnd alle zehn und 20 Minuten verkehrenden S-Bahnen eingeführt, müsse die Frage gestellt werden, ob dies schon die Lösung für die beschrankten Bahnübergänge sein könnte, weil sie dann immer wieder auch länger geöffnet bleiben würde, oder ob bauliche Lösungen geschaffen werden müssten. Braucht es dann eine neue Unter- oder Überführung? 

„Das ganze Repertoire, das schon einmal aufgerufen worden ist, wird dann garantiert wieder kommen“, erwartet Neuhöfer-Avdic. Das prioritäre Ziel der Stadt ist es, dass Fahrgäste der Regio-S-Bahn an der neuen S-Bahn-Haltestelle Zentralklinikum ein- und aussteigen können, sobald diese in Betrieb genommen wird. In der Studie geprüft wird neben einer Taktverdichtung auch, ob in Lörrach eine weitere neue Haltestelle im Zollquartier bei der Grenze in Stetten sinnvoll und möglich wäre. „Es wäre natürlich super, wenn wir so schnell wären und bis 2025 die Taktverdichtung und die neuen Haltestellen hinbekommen würden“, sagt Neuhöfer-Avdic. Aber diese beiden Ziele miteinander zeitlich zu verknüpfen, sei nicht vereinbart.

Barrierewirkung der Bahnlinie

Um häufigeres Warten vor den Bahnschranken zu vermeiden, sieht Neuhöfer-Avdic nicht viele Möglichkeiten. Man könnte beispielsweise erneut prüfen, ob die S-Bahn innerhalb der Stadt nach der Straßenbahnbetriebsordnung verkehren könnte, wie Alt-Oberbürgermeisterin Gudrun Heute-Bluhm es lange anstrebte. Dann könnte die Zeit, in der die Bahnschranken unten sind, kürzer werden.

Um die Barrierewirkung durch die Bahnlinie zu reduzieren, gibt es auch die baulichen Varianten einer Über- und einer Unterführung. So schlug der frühere Lörracher Bauamtsleiter Manfred Steinbach 2016 vor, die Brühlstraße zwischen der Schiller- und der Baumgartnerstraße tiefer zulegen und unter der S-Bahnhaltestelle Museum/Burghof einen unterirdischen Kreisverkehr zu bauen. Damit könnten die beiden dortigen Bahnübergänge geschlossen werden, warb er für diese Möglichkeit. Die Voraussetzung dafür wäre allerdings, dass ein Haus abgerissen werden müsste, räumte er ein.

Bürgermeisterin Neuhöfer-Avdic sieht darüber hinaus weiteres Potenzial dafür, die Barrierewirkung der Bahnlinie zu verringern. Sie möchte abwägen, ob die bestehenden Unterführungen verbessert werden können, um mehr Verkehr aufzunehmen, ob der Verkehr an der Wallbrunnstraße anders gelenkt werden kann und wie das gesamte Verkehrsaufkommen und damit die Staulänge vor den geschlossenen Schranken grundsätzlich verringert werden kann.

„Eine Verkehrsvermeidungsstrategie ist auch eine Möglichkeit. Ich fühle mich ganz gut gewappnet, denn dazu sind schon ganz viele Überlegungen unternommen worden.“ Diese vielen Ideen werde die Stadtverwaltung aufarbeiten, aktualisieren und mit dem Gemeinderat abstimmen. Grundsätzlich sei der Ausbau des S-Bahnverkehrs als umweltfreundliches Verkehrsmittel zu begrüßen, denn „das ist ein Erfolgsmodell“.