Lörrach Putzmunter wie Heringe im Wasser

Die Aquarianer tischen frische Fische und flotte Witze auf.

Der Montagmorgen ist zur Inzlinger Fasnacht gefühlt eine Fortsetzung des freitäglichen Dorfobed. Es scheint denkbar, dass die Inzlinger Narren in den zwei Tagen dazwischen nichts anderes gemacht haben, als die Fasnacht zu feiern. Erstaunlich, dass ihnen darüber die Energie nicht ausgegangen ist. Trotz deutlicher Zeichen der Müdigkeit in vielen Gesichtern wird umso fröhlicher und lauter gefeiert.

Als Symbol für diese grenzenlose Feierlaune könnten die Narrenrufe gelten, die seit Freitagabend um ein Vielfaches angewachsen sind. Am Montagmorgen wird sich alles Mögliche zugebrüllt. Zur Kaffi-Waie, gesellt sich der Ruf „Aqua – Team“ und natürlich funktioniert das Spiel mit dem Vorsprecher und der zurückrufenden Meute auch mit Vor- und Nachnamen, wie die der beiden Musiker Helmut Ritter (Gitarre) und Heinz Rüsch (Akkordeon). Dazu schallen die Namen der Cliquen durch den Raum wie Schlurbi – Clique und Dännle – Hexe. Definitiv nichts für Menschen, die morgens Ruhe brauchen, um langsam wach zu werden. Und nichts für solche mit empfindlichem Magen, denn die Schnitzelbänke führten an diesem Morgen auch in die Tiefen des Verdauungssystems.

Ein Meister dieses Fachs ist Ludwig Muchenberger. Kollektiver aber ganz und gar zugewandter Ekel, der für tosendes Gelächter und ebensolchen Applaus sorgte, erntet er für seine Reime über den Weg des Herings, ob er nun den über vorne oder hinten raus nimmt. Es gehört eben dazu beim Heringsessen und das ist gut so. Doch bevor Ludwig Muchenberger die Lachmuskeln strapazieren konnte, waren Harold Stern als „Eiermann Guschti“ sowie der „Nachtwächter und sein Sohn“, Sven und Marlon Andris dran. Der junge Andris jedenfalls ist freudig und selbstbewusst bei der Sache und beim Publikum beliebt. Lacher und lauten Applaus bekommt er für die Präsentation seiner Verse über das „Porzellansyndrom“, mit dem eine Frau beim Arzt vorstellig wird.

Gewohnt in Form zeigte sich Harold Stern. Für sein Engagement wurde Stern bei diesem besonderen, weil 20., Heringsessen im Aquarianerheim geehrt. Er bekam von Ernst Kramer, dem Zweiten Vorsitzenden des Aquarianer-Teams, den Dichterpreis 2018 verliehen. Auf charmante Art nahm Wagner Sterns Gedichte im Gemeindeblatt aufs Korn, sodass auch der Autor selbst nur laut lachen konnte.

Doch zum 20-jährigen Bestehen des Heringsessens im Heim der Aquarianer gab es auch eine schlechte Nachricht, denn Ludwig Muchenberger sagte, dass er zum letzten Mal als Schnitzelbänkler dabei sei. Die Besucher sollten ihren Hering genießen, anstatt sich bei seinen Vorträgen zu ekeln, meinte Muchenberger. Situationskomik dann bei der Verleihung der Plakette zum 20. Heringsessen im Aquarianer-Heim: Der Hering am Band löst sich. Muchenberger hatte ihn auf seinen Rücken geschoben, um am Hals Platz für die hölzerne Plakette zu machen.

Dabei fällt der tote Hering zu Boden. Tosendes Gelächter und Applaus seitens des Publikums. Als der Applaus abebbt, sagt Muchenberger: „Jetz isch er mir hintenuse ab“ und die Zuschauer lachen aus voller Kehle. Ein Heringsessen ohne den „Heringsbändiger“ ist nur schwer vorstellbar, zumindest wird es anders sein, das 21. Heringsessen im kommenden Jahr.

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