Lörrach – Den Fragen von Schülerinnen und Schülern des Hebel-Gymnasiums gestellt haben sich am Donnerstag die Kandidatinnen und Kandidaten für die Kommunalwahl. Vor allem die Themen Nahverkehr, Klimaschutz und Finanzen kamen zur Sprache.

Das Ziel sei es, dass Kandidaten ihre Ideen vorstellen und Schüler der Oberstufe sie befragen können, sagte Schulleiterin Stefanie Müller zu Beginn. Von kommunalpolitischen Entscheidungen seien die Jugendlichen direkt betroffen. Mit 16 Jahren darf man kommunal wählen, da sei es wichtig, sich zu informieren.

Zunächst hatten die Kandidaten kurz Gelegenheit, sich vorzustellen. Gekommen waren Ulrich Lusche (CDU), Christiane Cyperrek (SPD), Margarete Kurfeß (Grüne), Jörg Müller (Freie Wähler), Matthias Koesler (FDP) und Sabine Schumacher (Linke Liste). Die AfD war nicht gekommen. Nach der Vorstellungsrunde stellten die Moderatoren aus der Klassenstufe zwölf Fragen. Auch die anderen Schüler konnten Fragen formulieren.

Themenbereich Klima

Dass etwas für den Klimaschutz getan werden müsse, darin war sich das Podium einig. Während Lusche die großen Anstrengungen Lörrachs hervorhob, betonten Kurfeß und Cyperrek, dass deutlich mehr getan werden müsse. Koesler und Müller stellten den Ausbau des Nahverkehrs als Weg zu mehr Klimaschutz ins Zentrum. Lusche gab zu bedenken, dass es in dieser Frage kein Schwarz-Weiß-Denken geben dürfe. Wenn man etwa mehr Umweltstandards beim Bauen fordere, erhöhe das die Baukosten mit Folgen für die Mieten. Er forderte, sich stattdessen auf die Sanierung der öffentlichen Gebäude zu konzentrieren. Jörg Müller forderte, ein Verkehrskonzept für den Ausbau der Tram auf den Weg zu bringen. Cyperrek hingegen sah im Ein-Euro-Ticket eine der wichtigsten Maßnahmen.

Themenbereich Nahverkehr

Beim Ausbau des ÖPNV ging es auch um die nächtliche Verkehrsanbindung. Cyperrek dämpfte Hoffnungen, dass es hier bald Verbesserungen geben werde. Oft bleibe wohl nur, zu feiern bis der Bus oder Zug wieder fahre. Kurfeß erklärte, sie wolle sich auf Kreisebene für eine Art Disco-Bus starkmachen, wie es ihn andernorts gibt. Auch Schumacher plädierte für die Wiedereinführung eines Nachtbusses. Müller stellte die Frage nach der Auslastung.

Sei sie schwach, sei dies nicht umweltgerecht. Koesler findet, es sei die Aufgabe der Jugendlichen, sich darum zu kümmern, wie sie von A nach B kommen. Lusche erklärte, man müsse beim ÖPNV darauf achten, dort zu investieren, wo man am meisten Menschen erreiche. So sprach er sich persönlich gegen den Ausbau der Tramstrecke aus. Das Geld müsse für Wichtigeres ausgegeben werden.

Themenbereich Finanzierung

Am intensivsten wurde auf dem Podium über Geld diskutiert und darüber, wo man sparen könne. Lusche sagte, man müsse klare Prioritäten setzten. Das bedeute, dass man manche grundsätzlich gute Idee nicht umsetzen sollte, wenn es Wichtigeres gebe – etwa Investitionen in Schulen und Infrastruktur statt des Aicheleknotens. Koesler plädierte dafür, bei Vorhaben die Funktion eines Gebäudes in den Vordergrund zu stellen statt viel Geld für bauliche Besonderheiten auszugeben. Müller hingegen machte sich dafür stark, Bürokratie abzubauen.

Dem entgegnete Cyperrek, dass bürokratische Regelungen vor allem in Land und Bund gesetzt würden, nicht in der Kommune. Kurfeß forderte eine bessere Kontrolle von Baukosten durch Fachkräfte. Für Investitionen für Schulen sprachen sich alle Podiumsteilnehmer aus. Cyperrek sprach sich für eine Bagatellgrenze für die Mehrwertsteuerrückerstattung aus. Jörg Müller fürchtet dadurch eine Schwächung der Einkaufsstadt, Koesler plädierte für eine Digitalisierung des Systems.

So fanden es die Schüler

Die Veranstaltung stieß bei den Schülern auf ein gemischtes Echo. Gut und informativ fand die Diskussion Benedikt Ziegler (16) aus der 10. Klasse. Auch Martin Hagmeier (16), ebenfalls Zehntklässler, sagte, man habe sich ein gutes Bild von den Parteien machen können. Weniger begeistert zeigten sich Luci Chen (15), Paulina Kraus (16) und Selina Fleischer (16), ebenfalls aus der Stufe 10. Aufgrund der Aussagen auf dem Podium würde sie keinen der Kandidaten wählen, so Luci.

Einig waren sich die Drei, dass zu wenig Unterschiede deutlich geworden seien. Auch die vorgefertigten Fragen und teils zu kurze Zeit für deren Beantwortung seien nicht optimal gewesen. Am Ende forderten alle Kandidaten die Jugendlichen auf, wählen zu gehen und auch selbst politisch aktiv zu werden.