Der Wegfall der Parkplätze auf dem Niederfeldplatz und dem Conrad-Areal betrifft insbesondere Berufspendler. Deswegen prüft die Stadtverwaltung, ob Park+Ride-Plätze an der Wiesentalstrecke den Wegfall kompensieren können. In den Ortschaftsräten in Hauingen, Haagen und Brombach wurden am Dienstagabend die Überlegungen vorgestellt.

  • Ausgangslage: Monika Neuhöfer-Avdic und Gerd Haasis vom Fachbereich Stadtentwicklung und Stadtplanung erklärten in den Ortschaftsräten die Parksituation. Früher gab es provisorische Parkplätze auf dem Niederfeldplatz (jetzt Wohnungen), dem Kinderspielplatz (jetzt Hotelhochhaus) und dem Conrad-Areal (bald Wohnungen und Erweiterung des Landratsamts) gegeben habe. Zwar gibt es mit 3200 Stellplätzen immer noch viele Parkplätze in der Innenstadt. Doch die meisten davon werden von Kunden und Besuchern der Stadt belegt. Die Stadtverwaltung beobachtet, dass zur Zeit immer mehr Pendler im öffentlichen Straßenraum oder auf privaten nicht bewirtschafteten Parkplätzen des Einzelhandels parken.

Deswegen sucht sie nach Ersatz für die wegfallenden kostengünstigen Stellplätze. Entlang der S-Bahn-Strecke sollen Park+Ride-Parkplätze entstehen, damit die Pendler auf die Bahn umsteigen. Die Stadtverwaltung will dafür ein Jobticket für ihre Mitarbeiter bezuschussen, ebenso wie das Landratsamt. Den Standort an der S-Bahn-Station Lörrach Haagen/Messe (Füssler-Areal) hält die Stadtverwaltung für besonders geeignet, weil dort Platz vorhanden ist und die Parkplätze aus dem Umland gut erreichbar sind. Das Füssler-Areal gehört der Stadt und wird temporär für die Regio Messe und Zirkusveranstaltungen genutzt.

  • Haagen: Der Ortschaftsrat ist dafür, dass die Stadtverwaltung Flächen auf ihre mögliche Verwendung als Park+Ride-Plätze prüft, insbesondere das Füssler-Areal. Ortsvorsteher Horst Simon ist für jede Aufwertung des Geländes dankbar. „Einen Schönheitswettbewerb gewinnt man dort nicht“, stellte er fest. Dem stimmte Alfred Kirchner zu, er nannte den Platz gar ein „Dreckloch“. Er bat auch darum, die Fahrradpendler nicht zu vergessen, denn die jetzigen Fahrradständer dort seien „eine Katastrophe“.

Christa Rufer hielt ein umfassendes Mobilitätskonzept für nötig und kritisierte, dass die Parkplätze von der Innenstadt an den Rand verlegt werden sollen. Ihrer Ansicht nach ist auch das Areal direkt am Bahnhof Haagen für Parkplätze geeignet, das Füssler-Areal sei hingegen auch für andere Nutzungen attraktiv. Jutta di Marco fragte, ob ein Jobticket auch für andere Beschäftigte denkbar sei. Hier verwies Haasis darauf, dass die Stadt allenfalls Vorbild für andere Arbeitgeber sein könne. Weitere Park+Ride-Plätze werden an der S-Bahn-Station Brombach/Hauingen, an der künftigen S-Bahn-Station Zentralklinikum und entlang der Schwarzwaldstraße geprüft, wo ein Streifen zwischen Güterbahnhof und Straße der Stadt gehört.

  • Hauingen: Grundsätzlich ist der Ortschaftsrat dafür, dass die Stadtverwaltung einen Ausbau der P+R-Plätze prüft. Ortsvorsteher Günter Schlecht betonte, dass aber auch zusätzliche Abstellmöglichkeiten für Fahrräder geschaffen werden müssen. „Am Bahnhof Brombach – Hauingen sind meist sämtliche Abstellflächen belegt.“ Schlecht sagte auch, beim Bahnhof Brombach-Hauingen müssten dringend mehr Parkplätze geschaffen werden. Schon jetzt gebe es zu wenig Plätze und die Situation verschärfe sich, wenn erst die neue Sporthalle dort nebenan gebaut ist. Gerd Turowski (CDU) regte an, ein mehrstöckiges Parkhaus zu bauen. „Es muss in die Höhe gehen, damit genug Plätze entstehen.“ Ralf Renkly (Freie Wähler) befürchtet, dass die Verkehrsbelastung in Hauingen und Brombach steigt, wenn es mehr Parkmöglichkeiten am dortigen S-Bahn-Haltepunkt gibt.

Park+Ride-Möglichkeiten beim Haagener Bahnhof auf dem Füssler-Areal befürworten die Hauinger Ortschaftsräte ebenfalls. Die Ortschaftsräte meinten, grundsätzlich müssten auch die Kosten für die Bürger im Auge behalten werden. „Wenn die Leute zusätzlich zum Bahn-Ticket auch noch Parkgebühren zahlen müssen, werden viele ihr Auto irgendwo im Stadtgebiet abstellen“, sagte Klaus Rempfer (SPD). Turowski sagte, die Bürger würden erwarten, dass die Parkplätze in einem guten Zustand und beleuchtet sind, wenn sie schon dafür zahlen müssen. Annette Bachmann-Ade wies auf die Forderung eines City-Tarifs hin, den die SPD seit langem will und Eva Petersik (SPD) forderte neben sozialverträglichen Preisen kreisweit bessere Verbindungen im Öffentlichen Nahverkehr.

  • Brombach: Pendlerparkplätze ja, aber nicht an der neuen Sporthalle. Das ist das Fazit der Sitzung des Brombacher Ortschaftsrates. Weil sowieso rund um die neue Sporthalle Parkplätze entstehen sollen, befürchten die Ortschaftsräte, dass diese auch für Pendler genutzt werden sollten. Vorgesehen sind einfach befestigte Flächen, auf denen die Sportler kostengünstig ihre Fahrzeuge abstellen können. Die Befürchtung ist, dass Pendler diese Flächen ganztägig beanspruchen könnten. Für ungeeignet hält der Ortschaftsrat die Variante, tagsüber die Parkplätze Pendlern anzubieten und nur abends für Hallennutzer vorzuhalten. Der Sportbetrieb werde bereits am Nachmittag mit Kindern und Jugendlichen beginnen. Dann benötigen Übungsleiter und Betreuer unbedingt freie Plätze ohne aufwändige Suche.

„Wir wissen doch auch, wie spät und unregelmäßig Pendler aus Basel zurückkommen,“ sagte Ortsvorsteherin Silke Herzog. „Da ist zu erwarten, dass die Autos viel länger stehen bleiben als vorgesehen ist.“ Eindeutig sprachen sich die Ortschaftsräte für mehr P+R-Plätze aus, auch um das derzeitige „Zuparken“ der Nebenstraßen wieder abzubauen. In diesem Zusammenhang kam der Hinweis, dass es wohl völlig falsch sei, alle Parkplätze mit Gebühren zu belegen oder auch – wie an der Hellbergschule – völlig der öffentlichen Nutzung zu entziehen. Generell wurden die Parkgebühren in der Innenstadt als zu hoch bewertet. „Gerade für ältere Einwohner, die einen Facharzt besuchen und dann wegen langer Wartezeit fünf oder sieben Euro Parkgebühren bezahlen müssen, ist das kaum zumutbar,“ bemerkte Herber Piorr.

In Bezug darauf, dass die neuen Pendlerparkplätze in den Ortsteilen entstehen sollen, weil das Areal „Weberei Conrad“ neu bebaut wird, kritisierte Manfred Meier, dass dort keine große Tiefgarage entsteht, die dann durchgängig der Öffentlichkeit zur Verfügung stehe. „Immer wieder werden nur die heutigen Kosten genannt, nicht aber die Wirkung in die Zukunft bedacht,“ sagte Meier.