Der Bau einer Rettungswache am künftigen Zentralklinikum am östlichen Lörracher Stadtrand ist auf gutem Weg. Der Bereichsausschuss als regional entscheidendes Gremium habe dem Projekt bereits vor Monaten zugestimmt, betont dessen Vorsitzender Svend Appler auf Anfrage. Die Investition sei „unausweichlich“ – schon weil die Standorte der Notarzteinsatzfahrzeuge am Kreiskrankenhaus Lörrach und dem St. Elisabethen-Krankenhaus perspektivisch entfallen.

Die Rettungswache ist ein Baustein des angedachten Gesundheitscampus’ an der B317 zwischen Lörrach und Steinen. Im Grunde ist das Projekt, das Appler grob geschätzt auf Kosten von zwei Millionen Euro beziffert, zwingend. Denn für die Notarzteinsatzfahrzeuge (NEF), die bisher an den Lörracher Kliniken stationiert sind, ist spätestens mit deren Schließung eine Alternative erforderlich. Da die Kliniken die Notärzte stellen, liegt es nahe, die NEF auch an das neue Klinikum anzudocken. Der Rettungsdienst Lörrach und sein Träger, der DRK-Kreisverband, wollen die Entwicklung aber auch nutzen, die Versorgung weiter zu optimieren.

Konkret geplant ist laut Appler daher eine Rettungswache mit fünf Stellplätzen, darunter zwei NEF, zwei Rettungswagen (RTW) und ein Reservefahrzeug. Eine zusätzliche Vorhaltung über die aktuell zehn RTW am Tag und vier NEF im Kreis sei darüber aber nicht geplant, betont der Geschäftsführer des DRK Rettungsdienstes Lörrach weiter. Vielmehr gehe es darum, Kapazitäten anders zu verteilen. So werden zwei RTW aus bestehenden Wachen abgezogen und nach Hauingen verlegt, und zwar ein Fahrzeug aus der Wache Binzen, das tagsüber im Einsatz ist, sowie ein zweites aus der Wache Lörrach-Stetten, das rund um die Uhr vorgehalten wird. Nicht zuletzt davon verspricht sich Appler weitere Verbesserungen der Versorgung im Lörracher Osten, im mittleren Wiesental und auf dem Dinkelberg, da die häufigen Staus auf der B 317 in Lörrach dann nicht mehr so durchschlagen.

An der Grundstruktur der bisher sieben Rettungswachen im Kreis – Lörrach, Binzen, Kandern, Schopfheim (2), Schönau und Rheinfelden– ändere sich dagegen nichts. Faktisch kommt am Zentralklinikum in Hauingen eine achte Wache dazu. Auch die in Stetten bleibe verkleinert erhalten. Verlagerungen über das Genannte hinaus seien nicht geplant. „Weitere Standorte sind durch den Neubau nicht tangiert“, betont Appler. Zwar bleibt der Rettungsdienst organisatorisch komplex. Denn der DRK Rettungsdienst ist operativ nur für das Oberzentrum Lörrach/Weil und das Wiesental zuständig; die Wachen in Kandern und Rheinfelden werden in Regie des Kreisverbands Müllheim beziehungsweise des Ortsvereins Rheinfelden gemanagt. Dazu kommt in Schopfheim der Malteser Hilfsdienst.

Trotz dieser Komplexität ist Appler zuversichtlich, die Quote zur Einhaltung der gesetzlich vorgeschriebenen Fristen, nach denen in 95 Prozent der Fälle ein Hilfsmittel in maximal 15 Minuten am Einsatzort sein soll, weiter zu verbessern. Grundsätzlich sieht der Chef des Rettungsdienstes diesen ohnehin gut unterwegs.

So es sei gelungen, die Fristen 2018 sowohl bei den NEF wie auch den RTW leicht zu verbessern, und zwar auf 89,4 Prozent bei den NEF (2017: 87,3) und 93,1 Prozent bei den RTW (2017: 92,7). Konkret fehlten Ersteren 2018 damit 353 Einsätze, um das Soll zu erreichen, den RTW nur 203. Unter dem Strich ist das jeweils weniger als ein Einsatz am Tag. Insofern sei ein Ausbau der der Kapazitäten nicht sinnvoll, sagt Appler. Denn mit diesem Volumen sei weder ein NEF noch ein RTW darstellbar – zumal sich diese Einsätze nicht auf einen Standort konzentrieren, sprich es keine ideale Position gibt.

Klar aber ist, dass der Rettungsdienst mit Personalengpässen kämpft und das vor allem in Krankheitsfällen spürbar wird. Zwar addiere sich das laut Appler bei den RTW auf einen Ausfall von nur 97 Diensten 2018 oder 0,7 Prozent. Dennoch: „Das ist ein ernstes Thema“, sagt der Geschäftsführer, der zugleich Vorsitzender des Bereichsausschusses ist, in dem Leistungserbringer wie das DRK und der Malteser Hilfsdienst, und Kostenträger, also die Krankenkassen, das Rettungswesen koordinieren. Daher wende der Rettungsdienst inzwischen den Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst an, um attraktiver sein zu und forciere auch die Ausbildung. Aktuell habe Lörrach immerhin 18 Notfallsanitäter in Ausbildung.

Hinsichtlich der neuen Wache sei die nötige Fläche in den Plänen bereits berücksichtigt, skizziert Appler das Vorgehen. Im Frühjahr könne vermutlich der Erbbauvertrag geschlossen werden. 2020 müsse dann die Landesförderung beantragt und mit den Kostenträgern, also den Kassen, ein Weg der Finanzierung gefunden werden. Das aber ist heikel. In Binzen etwa ist der Punkt noch immer nicht eindeutig geklärt (nebenstehender Text). Das könnte der Grund sein, warum die Chefetage der AOK Hochrhein-Bodensee beim Thema neue Wache am Zentralklinikum Deckung wahrt, obwohl sie im Bereichsausschuss dabei war, als diese beschlossen wurde.

In puncto Finanzierung „wollen wir definitiv Klarheit“, sagt Appler denn auch. Vorher werde das DRK nicht bauen.