Der Lörracher Weltladen Milchhüsli in Stetten hat zum zweiten Mal das Emblem des weltweiten Verbandes WFTO (World Fair Trade Organization) bekommen. Dies bedeute, erläutern Weltladen-Leiterin Monika Heindl und Marie-Antoinette Biesel vom Ladenteam, dass sich die Kundinnen und Kunden auf klar definierte Standards verlassen können. Der ehrenamtlich geführte Lörracher Weltladen musste für die Verlängerung des Emblems ein Monitoring bestehen.

Dabei werden unter anderem Einkauf, Arbeitsbedingungen und Bezahlung der Produzierenden, die Verträge, Transparenz, Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit sowie der Umweltschutz berücksichtigt. So dürfen die Läden, die das Siegel haben, nur von Lieferanten einer Liste des Dachverbands Waren beziehen – denn allein der Dachverband sei in der Lage, sagt Monika Heindl, zu prüfen, ob die Lieferanten wirklich fair produzierte Artikel im Angebot haben. Nur wenige Produkte dürfen von der Liste abweichen. Früher war man da lockerer, erinnert sich Marie-Antoinette Biesel, die schon sehr lange mitarbeitet. Man hatte auch andere Produkte im Angebot, sofern sie einer guten Sache dienten. Heute wird strenger darauf geachtet, dass das Profil nicht verwässert.

Der faire Handel boomt – der Umsatz der Weltläden wächst aber nur geringfügig. Auch Supermärkte und Discounter führen inzwischen mehr oder weniger faire Lebensmittel. Sofern das Gepa-Produkte seien, sei das ohne Einschränkung zu begrüßen, sagen die beiden Ladenfrauen.

Doch es gibt auch das blau-grüne Fair-Trade-Siegel auf schwarzem Grund, das weitaus weniger streng ist und deshalb im Weltladen gar nicht mehr vorkommt. Bei Mischprodukten wie Schokolade sei bei diesem Siegel mitunter nur ein kleiner Teil der Bestandteile fair gehandelt. Das verwässere die Idee. Waren mit diesem Siegel seien immer noch besser als solche, die ganz konventionell gehandelt sind, sagt Monika Heindl. Deshalb sei man nicht dagegen, dass das in die Supermärkte und Discounter vordringt. Doch bei den streng fair gehandelten Waren werde auf die ganze Kette und alle Bestandteile geschaut und etwa für die Schokolade oft auch Milch verwendet, für die die Bauern einen auskömmlichen Preis erhalten. Denn gerechte Bedingungen soll es auch vor der eigenen Haustür geben – dies, so Heindl, sei immer mehr das Bestreben des fairen Handels. Angst vor Konkurrenz sei übrigens bei der Frage, ob man Fair-Trade-Produkte im Supermarkt begrüßt, nicht das Thema, sagt Monika Heindl. Es gehe schließlich darum, dass möglichst viel Waren umgesetzt werden, die unter gerechten Bedingungen produziert und gehandelt werden. Und weitgehend exklusiv haben die Weltläden immer noch das kunsthandwerkliche Sortiment in ihren Regalen. Gut schnitt das Milchhüsli beim Monitoring unter anderem beim Lieferantenkatalog ab, nicht so gut bei der Bildungsarbeit. Es fehle einfach an Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen, die etwa mit Schulklassen arbeiten könnten. So sind denn Neue im Team willkommen.

Marie-Antoinette Biesel (links) und Monika Heindl mit dem neuen Siegel.
Marie-Antoinette Biesel (links) und Monika Heindl mit dem neuen Siegel.