Lörrach – Lionel Richie, Bob Dylan, Mark Knopfler – dieses Jahr reihen sich Jamie Cullum, Frank Turner und Massive Attack in die Künstlerliste der Marktplatzkonzerte ein. Während auf dem Marktplatz Tausende Menschen die Konzerte genießen, herrscht ringsum für eine Woche Ausnahmezustand. Die Geschäfte können sich daran nur anpassen. Lörrach, Marktplatz, 18 Uhr. Normalerweise haben viele Lörracher Feierabend. Mit Freunden treffen sie sich vielleicht noch im „Wilden Mann“, im Restaurant Drei König oder in der Eisdiele Mona Lisa. Doch normal ist in Tagen der Marktplatzkonzerte nicht viel. Das „Mona Lisa“ fängt an, seine Tische und Stühle abzubauen, Drei König Delikatessen hat sie vielleicht schon alle weggeräumt.

In der Buchhandlung Osiander rollt eine Mitarbeiterin die Ständer mit den Post- und Geburtstagskarten in das Geschäft. Die Löwen-Apotheke hat schon geschlossen. In etwa so lief es in den vergangenen Jahren. „Stimmen“ überstrahlt den Marktplatz in Lörrachs Zentrum seit mehr als zwei Dekaden. Die Freude der einen kann dabei zum Leidwesen der anderen werden. Veranstalter und Nachbarn stünden in einem unablässigen Dialog, heißt es von Jan Obri, Pressesprecher des Burghofes. Außerdem, ergänzt er, erhalten die Bewohner des Marktplatzes, einschließlich der Unteren Wallbrunnstraße, spezielle Anwohner-Pässe, damit sie weiterhin ihre Häuser betreten können. Peter Kayser, Inhaber der Löwen-Apotheke am Marktplatz, widerspricht dem. Ein Dialog habe nicht stattgefunden. Er bekam einen Brief, der ihm sagte, alles sei wie jedes Jahr. Vom Gasthaus „Wilder Mann“, Kaysers Nachbarn, führt ein Weg an der Absperrung vorbei, hinter die Bühne, in die Apotheke.

„Der Weg wird jedes Jahr schmaler“, sagt er. Dazu kämen noch die Anschlüsse für die Bühne, die den Weg queren. Sie machten ihn für Rollstuhlfahrer fast unpassierbar. Er schätzt, dass rund ein Drittel der Kunden in der Zeit wegbleiben.

Um 23 Uhr sind die Konzerte wieder vorbei. Auch Katja Sic von der Buchhandlung Osiander hat die Bühne direkt vor ihrem Geschäft stehen. In der Zeit des Festivals fällt jeden Abend eine Stunde ihrer Öffnungszeiten weg – um 18.30 Uhr muss ihr Laden geschlossen sein. Die Mitarbeiter, die noch die letzten Ständer wegräumen, müssen sich mit Mitarbeiterpässen ausweisen, um das Gelände wieder verlassen zu können. Trotzdem freut sie sich auf das Festival. „Es bringt unglaublich viel für die Stadt“, sagt Sic.

Stimmen beim Festival

Die britische Trip-Hop-Band Massive Attack besticht durch eine Mischung psychodelischen Elektros mit protestgeladenen Texten. Jamie Cullum – Pianist, Singer, Songwriter, holt alles aus Instrument und Stimme heraus. Der frühere Jazzmusiker fühlt sich in vielen Genres beheimatet und kombiniert sie geschickt. Nach dem Ende der Punkband Million Dead ist Frank Turner Solo unterwegs. Bei Stimmen tritt er mit der Band The Sleeping Souls auf. Er verbindet Punk und Folk-Rock-Elemente.