Lörrach – Filmstadt Lörrach? So weit ist es noch nicht. Aber ein bisschen surrt die Kamera schon, erst recht, seit sich Maurice L. Kubitschek mit seiner Langsommer Filmproduktion in Lörrach niedergelassen hat. Die Firma, die sich im Wesentlichen auf Werbe- und Imagefilme spezialisiert hat, produziert immer wieder auch kurze Spielfilme. In den nächsten Tagen dreht Langsommer in Lörrach einen 15-minütigen Kurzfilm, mit dem sich die Firma um Aufnahme ins Programm der Filmfestspiele Cannes bewerben wollen.

Wie so oft bei kreativen Projekten spielte auch bei diesem Film zunächst der Zufall eine große Rolle. Julian Isfort, der als Regisseur und Produzent in Hamburg lebt und mit einem Lehrauftrag an der Filmwerkstatt in Münster engagiert ist, hat über seine Netzwerke eine Szene verbreitet, die als Anschauungsmaterial für seine Filmidee und für die Suche nach einem Produzenten dienen sollte. Maurice Kubitschek hat den kurzen Streifen gesehen und sofort gesagt: „Das mache ich.“ So jedenfalls schilderten die Filmemacher den Beginn ihrer wunderbaren Freundschaft bei einem Mediengespräch am Mittwoch. Bis Sonntag wird die Idee nun bei der Germanuskirche Brombach und in einem Lörracher Privathaus in die Tat umgesetzt. Die Sache darf man sich aber nicht so vorstellen, dass Kubitschek mit seiner Langsommer Filmproduktion einfach das nötige Kapital auf den Tisch blättern könnte. Auch Kubitscheks bisherige Kurzspielfilmproduktionen – die letzte schaffte es immerhin in ein Programm der Berlinale – gingen immer nebenbei.

Immerhin verfügt die Firma aus ihrer Werbefilmproduktion über das erforderliche Equipment. Örtliche Boutiquen für die Garderobe, ein Gasthof auf dem Rührberg und regionale Fahrzeughändler stellen zur Verfügung, was zur Ausstattung und Verpflegung des Filmteams erforderlich ist. Und nicht zuletzt verzichten die Darsteller für den Dreh auf Gage, so dass der Film, der bei Rechnungstellung für alle Leistungen auf 100 000 Euro Produktionskosten gekommen wäre, faktisch ein No-Budget-Film ist.

Es ist also nicht das Geld, sondern es sind die Personen, die den Film zur professionellen Produktion werden lassen. Kubitschek und Isfort haben dafür bekannte Darsteller gewinnen können: Jürgen Uter (Tatort, „Morden im Norden“), Maike Bollow („Heute bin ich blond“, „Rote Rosen“), Sven Gielnik (Tatort, Hanni & Nanni) sowie der in Basel lebende Christian Heller. „Das Buch ist einfach gut“, sagt Maike Bollow zur Motivation. Regisseur Julian Isfort hat sich für den Film von einer Erzählung aus Giovannis Boccaccios „Decamerone“ inspirieren lassen. Zehn Personen erzählen sich darin an zehn Abenden zusammen zehn Geschichten, so dass am Ende 100 Novellen herauskommen – oft tragische, manchmal aber auch eher heitere oder pralle Begebenheiten. Die Nummer 33, auf die sich Isfort bezieht und die er vom 14. Jahrhundert in die Gegenwart überträgt, ist eher den beiden letzteren Kategorien zuzuordnen. In der von ihm bearbeiteten Fassung geht es um eine reiche, aber in ihrem Leben nicht ausgelastete Frau, die mit einer List einen Pfarrer instrumentalisiert, um einen anderen Mann für sich zu interessieren.

Ziel ist eine Aufführung in Cannes

Auch wenn der Film innerhalb von vier Tagen abgedreht ist – was nach Aussagen von Produzent und Regisseur ein sportliches Vorhaben darstellt – wird noch eine längere Zeit vergehen, bis das fertige Produkt zu sehen ist. Die Filmemacher wollen sich damit für das Kurzfilmprogramm des Festivals in Cannes bewerben, was voraussetzt, dass der Film bis dahin (Mai 2020) nirgendwo sonst zu sehen sein darf. Mögliche Sendeplätze für das kurze Format gibt es etwa beim Bayrischen Fernsehen oder bei Arte. Vor allem aber wollen die Filmemacher mit „Ein himmlischen Kuppler“ deutsche Festivals bespielen, um damit eine Visitenkarte für sich und für weitere Projekte abzugeben – was dann vielleicht wieder ein kleines Licht auf das Filmstädtchen Lörrach fallen lässt.