Das Rheinfelder Hallenbad ist derzeit geschlossen, weil das Wasser dort mit Legionellen verunreinigt ist. Legionellenbefall sei gar nicht so selten, erklärt Irma Baumeister vom Sachgebiet Gesundheitsschutz des Landratsamtes. So wurden dem Amt im vergangenen Jahr zehn Fälle von Legionellose gemeldet, einer von den Bakterien ausgelösten Lungenentzündung, die auch unter dem Namen Legionärskrankheit bekannt ist.

Wie wird das Wasser untersucht?

Seit 2011 sieht die Trinkwasserverordnung vor, dass alle Betreiber von Großanlagen zur Trinkwassererwärmung einmal jährlich an mehreren Entnahmestellen das Wasser auf Legionellen untersuchen müssen. Das gilt unter anderem für Krankenhäuser, Schulen, Schwimmbäder und Sporthallen, aber auch für Hotels, große Unternehmen und Mietshäuser (letztere alle drei Jahre). Seit dem 9. Januar dieses Jahres ist eine neue Verordnung in Kraft, der zufolge die Labore auffällige Befunde direkt an das Gesundheitsamt melden müssen und nicht mehr dem Betreiber. Welche Folgen ein positiver Befund hat, richtet sich laut Irma Baumeister danach, wie hoch der Grenzwert überschritten ist. Gemessen wird in „koloniebildenden Einheiten“ (KBE) bezogen auf 100 Milliliter Wasserprobe. Ab einem Wert von 100 KBE/100ml gilt das als mittlere Kontamination, dann wird die Anlage von einer fachkundigen Person besichtigt und eine Gefährdungsanalyse erstellt. Ab 1000 KBE/100ml ist es eine hohe Kontamination, dann erfolgt umgehend eine weitergehende Untersuchung, aus der die entsprechenden Maßnahmen hervorgehen. Eine Sanierung ist nicht erforderlich. Liegt die Kontamination über 10 000 KBE/100ml, gilt sie als extrem hoch. Die Betroffenen müssen unverzüglich vom Betreiber informiert werden. Jegliche Nutzung, bei der sich Aerosol bilden kann – etwa duschen – muss unterlassen werden. Eine direkte Abwehr ist erforderlich, ebenso eine Sanierung.

Irma Baumeister vom Fachbereich Gesundheit am Landratsamt Lörrach. Bild: privat
Irma Baumeister vom Fachbereich Gesundheit am Landratsamt Lörrach. | Bild: privat

Was ist gegen Legionellen zu tun?

„Günstige Bedingungen für Legionellen entstehen dann, wenn nicht regelmäßig Wasser entnommen wird“, erklärt Irma Baumeister. Deswegen müssen Betriebe, zum Beispiel Hotels, alle drei Tage die Wasserhähne öffnen. Es gibt mittlerweile aus schon selbstspülende Armaturen, sagt Baumeister. Bilden sich die Keime, können sie sich über das Leitungsnetz verteilen. Auch durch technische Defekte können sich Legionellen verbreiten, etwa wenn eine Pumpe ausfällt, ebenso in Kühltürmen oder mit Wasser betriebenen Klimaanlagen. Bekämpfen kann man einen Befall mit thermischer Desinfektion, sagt Irma Baumeister: Jede Entnahmestelle muss mindestens drei Minuten lang mit mindestens 70 Grad heißem Wasser gespült werden. Ältere Anlagen erreichen diese Temperatur oft nicht mehr, dann muss zusätzlich chemisch desinfiziert werden. Auch die Nutzung von Sterilfiltern ist eine Option. Manche Betreiber müssen die Anlage erneuern.

Wie gefährlich ist eine Legionellose?

„Eine Legionellose ist nicht zu unterschätzen“, sagt Irma Baumeister. Die durch Legionellen ausgelöste Lungenentzündung hat dem Robert-Koch-Institut zufolge in zehn bis 15 Prozent der Fälle einen tödlichen Verlauf. Zu behandeln ist die Legionellose mit Antibiotika. Aber nicht jeder erkrankt, sagt Baumeister: „Es kommt vor allem bei Menschen mit einem geschwächten Immunsystem vor.“

Die Zahl der Legionellenerkrankungen pendelte im Landkreis Lörrach in den vergangenen Jahren zwischen zwei (2016) und zwölf Fällen (2013). Ein Trend zur dauerhaften Zu- oder Abnahme ist nicht erkennbar. Kommt ein Patient mit einem entsprechenden Krankheitsbild in die Klinik, wird der Urin auf das Legionella-Antigen untersucht. „Die Krankenhäuser sind sensibilisiert und behandeln sofort entsprechend“, erklärt Irma Baumeister. Das Gesundheitsamt wird informiert und versucht, die Quelle zu ermitteln. Das ist nicht leicht, denn die Inkubationszeit liegt zwischen zwei und zehn Tagen – und häufig kommen die Patienten in dieser Zeit mit zahlreichen potenziellen Quellen in Kontakt.

 

Legionellen

Die Bakterien sind auch in natürlichen Gewässern zu finden und verbreiten sich am besten in stehendem Wasser – auch in sanitären Anlagen. Das Einatmen von bakterienhaltigem Wasser (beim Duschen oder über die Klimaanlage) kann bei Menschen mit einem geschwächten Immunsystem zu einer Infektion führen. Entdeckt wurden die Legionellen im Jahr 1976 in den USA, als bei einem Veteranenkongress der Amerikanischen Legion 180 Delegierte erkrankten.