Der zweite Standort des Lörracher Landratsamtes wird langsam konkret: Die Fläche auf dem Lörracher Conrad-Areal, die bisher Parkplatz war, ist geräumt; am Mittwochabend hat der Kreistag in einer Sondersitzung einstimmig die ersten Arbeiten vergeben. Dass diese mit einem Volumen von 4,3 Millionen gut 500000 Euro unter den Schätzungen bleiben, nahmen die Kreisräte erfreut zur Kenntnis. Ob es bei den weiteren Gewerken so weitergeht, ist aber fraglich.

Im November 2018 hatte der Kreistag den Baubeschluss gefasst und den verbindlichen Kostenrahmen für das Projekt festgelegt. Die Schätzungen waren zunächst von 20 Millionen für das Gebäude und weiteren knapp zwei Millionen für das Grundstück ausgegangen, aber viel zu optimistisch. Mit Kosten von rund 31,8 Millionen Euro – ohne Grundstück – gehört der zweite Standort zu den größten Investitionsvorhaben des Landkreises. Er biete die Chance, erhebliche Mietkosten zu sparen, Verwaltungsabläufe effizienter zu gestalten und den Bürgern angemessene Räume zur Beratung ihrer Anliegen zu bieten, rief Finanzdezernent Alexander Willi die Gründe für den Neubau nach Plänen von K 9 Architekten im Kreistag in Erinnerung. Konkret ist geplant, in dem siebenstöckigen Bürohaus mit 280 Arbeitsplätzen das gesamte Sozial- und Jugenddezernat unterzubringen. Damit konzentriert sich die Kreisverwaltung, die derzeit in Lörrach auf viele Standorte verteilt ist, auf zwei Standorte.

Der Innenausbau soll den Anforderungen der modernen Arbeitswelt genügen. Vorgesehen ist kein klassisches Einzelzimmersystem wie bei den Landratsamtsgebäuden in der Palmstraße, sondern eine offene Bürolandschaft. Das mit den Mitarbeitern des Sozialdezernates entwickelte Konzept sieht eine transparente und flexible Raumgestaltung vor. Mit der Bauweise werde man der zunehmenden Digitalisierung – etliche Mitarbeiter arbeiten mobil –, aber auch dem Trend zur Tele- und Teilzeitarbeit gerecht, sei aber auch gerüstet für Veränderungen, die sich aus gesetzlichen Neuerungen ergeben könnte, erklärte Willi. In der geplanten Tiefgarage stehen 85 Stellplätze zur Verfügung. Eine eigene Heizungsanlage wird das Gebäude nicht bekommen, vielmehr soll es an eine Fernwärmeversorgung angeschlossen werden, wie Gerhard Blattmann, Leiter des Fachbereichs Planung & Bau, erläuterte. Vorgesehen sind in den beiden Treppenhauskernen insgesamt drei Aufzüge – zwei für Besucher und einer mit Mitarbeiter.

Weil der Schwellenwert für Bauaufträge von knapp 5,6 Millionen Euro überschritten wird, müssen die Bauleistungen europaweit ausgeschrieben. Für die fünf Gewerke, die jetzt vergeben wurden, gingen meist nur ein Angebot ein, bei den Erd- und Verbauarbeiten immerhin zwei. Erheblich unter den Schätzungen liegt die Baustelleneinrichtung (knapp 130 000 Euro), leicht darüber die Erd- und Verbauarbeiten (1,296 Millionen) und die Aufzugslagen (247 000). Klar unter den Schätzungen bleiben die Elektroarbeiten inklusive Beleuchtungskörper (2,58 Millionen Euro), bei denen eine regionale Bietergemeinschaft zum Zug kam, sowie Erdung/Blitzschutzarbeiten (133 000).

In der Summe liegt man mit 4,38 Millionen für das erste Paket gut eine halbe Million Euro unter der Schätzung von 4,875 Millionen; angesichts der gut ausgelasteten Bauindustrie war das nicht unbedingt zu erwarten. Der in den 31,8 Millionen Euro eingerechnete Puffer von 1,25 Millionen für Unvorhergesehenes muss der Landkreis nicht anfassen. Das könnte sich aber bald ändern. Paul Renz (CDU) wies darauf hin, dass die Angebote für die Rohbauarbeiten, über die jetzt noch nicht entschieden wurde, deutlich über den Schätzungen liegen.

Spatenstich ist für 22. Oktober geplant

Über den Start in die Vergaben zeigten sich die Kreisräte gleichwohl erfreut. Gabriele Weber (SPD): „Solche Ergebnisse hätten wir uns bei früheren Submissionen auch gewünscht.“ Die Vergaben zeigten, dass ihnen die richtigen Berechnungen zugrunde lagen. Es ei zu hoffen, dass es so weiter geht. „Noch ist nicht aller Tage Abend“, warnte sie vor zu viel Optimismus. Paul Renz (CDU) zeigte sich zufrieden mit den Preisen, aber nicht zufrieden damit, dass es je Gewerk meist nur einen Bieter gab. „Das erleben wir ständig; die Bauwirtschaft ist gut ausgelastet.“ Ulrich May (Freie Wähler) zeigte sich gleichwohl überrascht über die geringe Zahl an Bietern. Dass unter dem Jahr ausgeschrieben wurde, wenn die Firmen ihre Pläne gemacht haben, und die Fristen um bald mit dem Bau beginnen zu können, kurz waren, könnten dafür Gründe sein. Auch May hofft, dass es so weitergeht. „Wir sind sehr zufrieden, auch wenn es nur sehr wenige Bieter gab“, bemerkte Landrätin Marion Dammann. Nun gelte es, alle weiteren Ausschreibungen abzuwarten. Die konjunkturelle Lage berechtige allerdings nicht zu glücklichen Prognosen.

Der Spatenstich für den Neubau ist für 22. Oktober vorgesehen; noch 2019 sollen neben der Baustelleneinrichtung die Erd- und Verbauarbeiten erfolgen. Der Rohbau ist für 2020 geplant. Fertiggestellt sein werde das Bürohaus aus heutiger Sicht im Frühjahr oder Sommer des Jahres 2022, heißt es bei der Pressestelle des Landratsamtes auf Nachfrage.