Lörrach Kulturprojekt: Mit Tanz über die Grenzen

Burghof, SAK und Coupole kooperieren bei einem Kulturprojekt.

Der Burghof, das Kulturzentrum Coupole in Saint-Louis und der SAK arbeiten bei einem grenzüberschreitenden Kulturprojekt zusammen. Im Herbst kommt das Tanztheater „anobis“ als erste gemeinsame Produktion auf die Bühnen von Burghof und Coupole. Künstlerischer Leiter ist der Lörracher Tänzer Mentor Shalijani, der als Flüchtling gekommen war und der über den Tanz seinen Platz in der Gesellschaft gefunden hat. Burghof-Chef Markus Muffler schreibt dem Projekt deshalb neben der kulturpolitischen Bedeutung eine soziale Dimension zu.

Die Kooperation der drei Partner stellt in mehrerlei Hinsicht ein Novum dar: erstmals bringt der Burghof in seiner Tanzreihe eine Eigenproduktion auf die Bühne, erstmals arbeiten Burghof und Coupole zusätzlich zu „Stimmen“ auch beim Saisonprogramm zusammen, erstmals produzieren die beiden Kulturhäuser ein gemeinsames Stück und erstmals weiten Burghof und SAK die beim Festival „Between the Beats“ schon praktizierte Zusammenarbeit auf weitere Bereiche aus. Nicht zuletzt ist es auch eine vielsagende Premiere, wenn Mentor Shalijani, der in den 1990er-Jahren als Flüchtlingsjunge beim SAK als Breakdancer angefangen hatte, nun erstmals mit eigener Company, eigener künstlerischer Leitung und mit professionellen Ansprüchen Teil einer renommierten Tanzreihe wird.

Mentor Shalijani. Bild: Ralf Engelsmann
Mentor Shalijani. | Bild: Ralf Engelsmann

„Wir erzählen, wer wir sind“, sagt Mentor Shalijani über das Projekt. Kern des Ensembles sind neben ihm selbst und seinem früher als Breakdancer ebenso erfolgreichen Bruder Ersen noch drei weitere Akteure aus dem SAK-Umfeld. Sie alle sind längst Profis geworden oder stehen gerade an der Schwelle zum professionellen Tanzen. Allen Künstlern, auch den eigens für diese Produktion von außerhalb engagierten, ist die besondere Haltung zum Tanz gemeinsam. Die Bühne sei für sie alle kein Gegensatz zum eigentlichen Leben, vielmehr gehe das über Tanz definierte Leben „auf der Bühne einfach weiter“, wie Mentor Shalijani erklärt. An diesem Punkt erklärt sich auch die Mitwirkung des SAK. Zum einen brauche Mentor Shalijani, der immer noch beim SAK angestellt ist und Workshops für Kinder und Jugendliche anbietet, organisatorische Unterstützung. Darüber hinaus wolle der SAK mit diesem Projekt auch auf eine selbstbestimmte Jugendkultur verweisen, die derzeit in Deutschland oft vom Schulsystem vereinnahmt werde, erklärt Eric Bintz, der beim SAK die Bereiche Jugendkultur und Altes Wasserwerk leitet.

Neben diesen gesellschaftlichen Zusammenhängen bestehen die Leiter von Burghof und Coupole, Markus Muffler und Eléonora Rossi, auf die eigenständige künstlerische Qualität der Produktion. „Die Messlatte liegt hoch“, sagt Markus Muffler mit Blick auf die Burghof-Tanzreihe, die zwischen Offenburg und Basel einmalig sei. Auch Eléonora Rossi betont, dass es nicht um ein sozialpädagogisches Projekt gehe, sondern um die künstlerische Darstellung eines Impulses, wie (Tanz-)Kunst Teil einer Lebenshaltung werde. Sie habe großes Vertrauen in Shalijani und sein Ensemble.

Erster Impuls für das Projekt war eine Aufführung von Shalijanis Workshopprojekten als externe Produktion im Burghof. Markus Muffler fädelte später, inspiriert von Shalijanis Auftritt, bei einem Essen der beiden Intendanten mit den (Ober-) Bürgermeistern der beiden Städte die Kooperation ein. Die nicht näher bezifferten Produktionskosten teilen sich Burghof und Coupole. Unterstützt werden sie dabei von ihren Sponsoren, beim Burghof sind dies der Kunst- und Kulturförderkreis sowie die Sparkasse.

Termine: 5. Oktober im Burghof (gleichzeitig Saisoneröffnung), 7. Oktober in der Coupole. Außerdem kostenlose Kinder- und Jugendvorstellungen.

Ihre Meinung ist uns wichtig
☀ Einzigartige Sonnenstücke vom See ☀
Neu aus diesem Ressort
Lörrach
Lörrach
Lörrach
Lörrach
Lörrach
Lörrach
Die besten Themen