Nach einem Jahr der Stagnation verzeichnete die Notaufnahme des KreisklinikumsLörrach 2018 wieder einen Zuwachs von rund zehn Prozent auf 28 548 Patienten – was aber nicht an mehr Notfällen liegt. Durch Verbesserungen der internen Abläufe und bauliche Veränderungen hat die Klinik reagiert, was die Situation aber nur bedingt entschärft.

Der Freitag nach Weihnachten war wieder so ein Tag: Zeitweise mussten in der Notaufnahme der Lörracher Kreisklinik 50 Menschen betreut werden. Insgesamt kamen 2645 Patienten mehr als 2017. Langfristig gesehen stieg die Zahl der Patienten ab dem Jahr 2006 von 15 238 auf 28 584, aus den seit Jahren bekannten Gründen: Viele Patienten, die in die Notaufnahme kommen, haben bei ihrem Hausarzt nicht sofort einen Termin bekommen – so sie denn überhaupt einen Hausarzt haben. Andere kommen, weil sie keinen Facharzttermin bekommen haben. Die Statistik der Aufnahmen zeigt: Am späten Vormittag steigt die Zahl der Patienten sprunghaft an. Diese zu versorgen brauche Zeit, erklärt Stefanie Schöneberg-Opalka, Chirurgin und Leitende Ärztin in der Notaufnahme: „Die Diagnostik ist umfassender, da wir die Patienten, im Gegensatz zu den Hausärzten, nicht kennen.“ Bis spät in den Abend bleibt das Aufnahmelevel hoch.

Dadurch kommt es zu langen Wartezeiten, worüber Patienten klagen. Zwischen vier uns sechs Stunden verbringen manche in der Notaufnahme. „Die Patienten unterscheiden nicht ganz scharf zwischen Warte- und Behandlungszeit“, sagt Schöneberg-Opalka. Zum Beispiel, wenn eine Blutprobe ausgewertet wird, sei das Behandlungszeit, sagt der Internist Samuel Hemmerling, der zweite Ärztliche Leiter der Notaufnahme.

Er stellt fest, dass die höchste Anspruchshaltung bei jenen zu finden sei, die gar keine Notfälle im eigentlichen Sinn seien. Die Mitarbeitenden bekommen das zu spüren. Marcel Jahn, Teamleiter Pflege, nennt die Notaufnahme „einen Kochtopf der Emotionen“. Neben verbalen Attacken komme es auch immer häufiger zu körperlicher Gewalt: Kürzlich sei ein Patient mit einer Schere zurückgekommen und habe versucht, auf das Personal einzustechen. Die Mitarbeiter werden alle in Deeskalation geschult, einen Sicherheitsdienst wie in manchen Kliniken in Großstädten gibt es in Lörrach (noch) nicht.

Für die Akutfälle darf es keine Wartezeiten geben: „Die Patienten, die wirklich bedroht sind, gehen uns nicht unter“, sagt Stefanie Schöneberg-Opalka. Entscheidend ist die Triage, die Einschätzung nach dem Emergency and Severity Index (ESI), für die die entsprechend ausgebildete Pflegeschichtleitung zuständig ist. Stufe 1 bedeutet, der Patient ist instabil und muss sofort behandelt werden.

Stufe 2 bedeutet, der Patient ist vital gefährdet und muss binnen zehn Minuten von einem Arzt begutachtet werden. Patienten, die mit dem Rettungswagen in die Klinik kommen, werden mittlerweile computergesteuert via Rescuetrack angemeldet – die Klinik sieht, welcher Fall eingeliefert wird und auch recht präzise, wann der Patient da sein wird. Auch baulich gab es Veränderungen in der Notaufnahme. Neben dem in der Chirurgie schon lange etablierten Schockraum gibt es nun auch einen konservativen Schockraum für internistisch-neurologische Notfälle. Dort können Notfälle hochkonzentriert, effektiv und interdisziplinär behandelt werden. Die Angehörigen hingegen warten nun nur noch im Akutbereich, wenn es die Situation erfordert – beispielsweise bei dementen Patienten. Das entspannt das hohe Patienten- und dadurch Angehörigenaufkommen und sorgt für mehr Diskretion für die Patienten, sagt Stefanie Schöneberg-Opalka.

Verbesserungspotenzial sieht Klinik-Geschäftsführer Armin Müller noch durch eine Portalpraxis als ambulanten Anlaufpunkt. Bislang gibt es abends und an den Wochenenden einen Ärztlichen Notfalldienst in der Klinik. Der sei oft aber nicht bekannt, sagt Samuel Hemmerling – obwohl er nur wenige Meter hinter der Notaufnahme liegt. Ein paar Ideen zur Optimierung der Abläufe in der Notaufnahme seien noch „in der Pipeline“, erklärt er. Unendlich steigerbar sei das nicht – wirkliche Entlastung bringe erst das Zentralklinikum mit einer deutlich größeren Notaufnahme.

Aber: Wenn die Notaufnahme dieses Jahr ihr eigenes EDV-Programm bekommt, können die Patienten im Wartezimmer künftig sehen, wie lange sie noch ausharren müssen.